zur Navigation springen
Lokales

12. Dezember 2017 | 17:12 Uhr

"Sonst können wir alle einpacken"

vom

svz.de von
erstellt am 06.Mai.2010 | 11:14 Uhr

Dömitz | "Wenn wir sonntags nicht mehr öffnen, sind wir auch nicht mehr attraktiv für Besucher", ist sich Rüdiger Spur sicher. Der zuständige Leiter für das Kaufhaus und die Hafengastronomie in Dömitz sowie das Vielanker Brauhaus glaubt, dass viele Händler in einer wirtschaftlich schlechten Zeit auf Einnahmen am Sonntag angewiesen seien. "Sollte die Bäderregelung in diesem Land tatsächlich gekippt werden, wäre das für Dömitz tödlich."

Ähnlich sieht es auch Karina Wagner. Die 40-Jährige betreibt seit Sommer 2009 im Obergeschoss des örtlichen Kaufhauses einen sogenannten Lady-Store. "Das Wochenende ist die Hauptgeschäftszeit für uns. Da schauen zwischen ein paar Hundert bis 1000 Besucher dieser Stadt rein, besonders sonntags", erzählt die gebürtige Heiddorferin. Die Bäderregelung sei für sie sehr wichtig, "sonst können wir alle hier einpacken", betont die junge Frau.

Denn der sonntägliche Einkaufsbummel durch die Ferienorte Mecklenburg-Vorpommerns wird künftig wieder zur Ausnahme. Das Oberverwaltungsgericht in Greifswald erklärte Anfang April die großzügige Bäderverkaufsverordnung für unwirksam. Damit dürfen die Geschäfte nur noch montags bis sonnabends geöffnet haben. Der Sonntag ist tabu. In dem verkündeten Urteil erklärte das Gericht die Regelung für unzulässig, wonach in 149 Orten und Ortsteilen an bis zu 44 Sonntagen im Jahr zwischen 11.30 und 18.30 Uhr die Läden geöffnet werden können. Das Verfahren beruht auf einer Klage der beiden evangelischen Landeskirchen sowie der katholischen Erzbistümer Berlin und Hamburg. Doch es ist bereits Berufung gegen das Urteil eingelegt worden. Die Revision vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig ist zulässig.

Heinz von Kiedrowski, Geschäftsmann aus Dannenberg, hat sich ebenfalls im Obergeschoss der einstigen Karstadt-Filiale einen kleinen Handel mit Sanddornprodukten, Taschen, Hüten und Schals aufgebaut. "Das Wochenendgeschäft läuft nur so gut, wie Touristen kommen." Rückenwind bekommt er von den Händlern.

"Viele Leute sind heute finanziell auf einen Nebenjob am Wochenende angewiesen", sagt Marilen Hahme. Sie betreut und berät ihre Mutter, die einen Antik-Shop betreibt und obendrein acht Betten vermietet. Sie glaubt nicht, das Sonntagsdienste auf Kosten der Mitarbeiter gehen. Am Wochenende kämen Kunden aus Dannenberg, Hitzacker, ja sogar Hamburg und dem Umland und steigerten den Umsatz erheblich, berichtet die Geschäftsfrau während eines Treffens von Geschäftsleuten..

"Ein Ende der Bäderregelung wäre ein harter Schlag für den Handel und die Tourismusbranche", sagt auch Martin Larsen, der in der Elbestadt ein Musikcafé betreibt. Vor allem auch für die vielen Tagesausflügler gehöre der Einkaufsbummel am Sonntag einfach mit dazu.

Harold Kunas, Pastor der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Dömitz, begrüßt das Urteil: "So schön es vielleicht auch ist, sonntags Bummeln und Einkaufen zu gehen, so bleibt der Sonntag doch ein ganz besonderer Tag, nämlich ein Ruhetag für Leib, Seele und Familie." Da schlage sein Herz eben höher, gesteht der Gottesmann. "Alles dem Kommerz unterzuordnen, finde ich nicht richtig", erklärt Kunas weiter.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen