Sonntagseinkauf: Begrenzte Zufriedenheit

baeueder2qaa2329.JPG

von
12. Mai 2011, 05:08 Uhr

Schwerin | Der Streit um die Ladenöffnung an Sonntagen ist noch nicht zu Ende. Die römisch-katholische Kirche behält sich weiterhin vor, auch gegen die im August 2010 in Kraft getretene neue Bäderregelung zu klagen. Das sagte der Schweriner Weihbischof Norbert Werbs während eines von den Kirchen in MV veranstalteten Symposiums zum Sonntagsschutz gestern in Schwerin. Dies sei "eine reale Möglichkeit", so Werbs. Auch die Anfang des Jahres in Kraft getretene neue Bäderregelung berücksichtige nicht hinreichend das Verhältnis von Ausnahme und Regel. Für die evangelische Kirche wies Landesbischof Andreas von Maltzahn darauf hin, dass die Tatsache, dass die Protestanten "nicht sofort mit einer Klage" auf die Neuordnung reagierten, nicht als Zufriedenheit interpretiert werden sollte.

Im April 2010 hatte das Greifswalder Oberverwaltungsgericht nach einer Klage der Kirchen die in MV geltende Bäderverkaufsordnung für unwirksam erklärt. Im August 2010 trat eine Neufassung in Kraft, die etwa die Zahl der Orte mit Sonntagsöffnungen von 151 auf 96 reduzierte. "Ich stehe zu diesem Kompromiss und tue alles dafür, um ihn zu erhalten", sagte hingegen Wirtschaftsminister Jürgen Seidel. "Es ist aber schlicht so, dass der Urlaubsgast erwartet, dass er auch am Wochenende einkaufen kann." Gerade Wochenend-Urlauber hätten nur wenig Verständnis dafür, dass in ihrem Urlaubsort die Geschäfte geschlossen sind. "Wir alle werden nicht daran gemessen, wer die Verfassung noch konsequenter und stringenter auslegt, sondern ob es uns gelingt, Menschen Arbeit zu geben und große Bevölkerungsteile am gesellschaftlichen Leben des Landes teilnehmen zu lassen", so Seidel.

Während des Symposiums wiesen Einzelhändler auf die Einnahmeverluste hin, die Ladeninhaber durch "moderate Bäderregelungen" erlitten. Gerade in Seebädern seien Unternehmer auf die Sonntagsöffnungen angewiesen, um die fehlenden Einnahmen in der kalten Zeit des Jahres auszugleichen. Zuvor hatte die EKD-Kulturbeauftragte und Hamburger Bischofskandidatin Petra Bahr darauf aufmerksam gemacht, dass der freie Sonntag zur "kulturellen Grundstruktur der Gesellschaft" gehöre. Gleichzeitig forderte sie die Kirchen auf, sich für eine Neueinübung des Sonntags stark zu machen. Sogar die Feiertagsstruktur werde mittlerweile löchrig. "In Bayern und Niedersachsen waren in diesem Jahr Ladenöffnungen am ersten Mai erlaubt", so Bahr. "Eine Verkäuferin, die in diesen Ländern arbeiten musste, hatte da doch einen ganz besonderen Tag der Arbeit."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen