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Lokales

16. Dezember 2017 | 00:34 Uhr

So viele Bäume wie möglich erhalten

vom

svz.de von
erstellt am 28.Apr.2011 | 10:38 Uhr

Rostock | Mit einem gestalterischen Trick - Torelementen, die den Verlauf der ehemaligen Stadtmauer nachzeichnen - will Planer und Architekt Stefan Pulkenat das Kröpeliner Tor aus seiner Isolation befreien. Was er dabei alles zu bedenken hat, verrät der Honorarprofessor der Hochschule Neubrandenburg im Interview mit NNN-Volontär Torben Hinz.

Herr Pulkenat, haben Sie die Pläne zur Vorfläche Kröpeliner Tor nach den Protesten der Bürger geändert?

Pulkenat: Die Planungen sind ein längerer Prozess, der schon 2006 angefangen hat. Da gab es jede Menge Änderungen. Als Planer muss man Kompromisse machen, wir leben in einer schnelllebigen Zeit. Zum Beispiel hat sich der Anteil der Fahrradständer stetig erhöht - damals war das Kröpeliner Tor Center noch nicht fertig.

Was ist Ihr Hauptanliegen?

Ich will ein Defizit beseitigen und das Kröpeliner Tor in die Stadt einbinden. Jetzt steht es wie ein Zahnstocher in der Gegend herum. Dabei ist es enorm wichtig für die Gesamtsituation. Besucher sollen erleben, in die Stadt hinein und herauszugehen.

Wie wollen Sie das erreichen?

Die erste Idee ist, das Tor durch einen gestalterischen Trick - transparente und durchgängige Torelemente - einzubinden. Die zweite Idee ist, den Wall unbedingt erlebbar zu machen. Von der Höhensituation ist es die bedeutendste Wallanlage in MV, als barocke Bastion ein ganz tolles Bauwerk. Wenn die Besucher durch das Tor aus dem urbanen Bereich gehen, sollen Sie eine Freianlage mit hohem Denkmalwert betreten und nicht nur auf die Autos auf der riesigen Schröderstraße gucken.

Ein gutes Stichwort. Sie planen eine Mauer zur Schröderstraße, die heftig kritisiert wurde...

Die Rasenfläche war auch früher schon von einer Mauer abgetrennt, wegen des Höhenunterschieds der Bastion. Die Reste davon sind noch zu sehen und zu erahnen. Wir wollen die Rasenfläche zum Tor hin ankippen. Gemeinsam mit dem Ortsbeirat Stadtmitte haben wir eine Begehung gemacht und mit Band die Höhe der Mauer nachgezeichnet. Die erste Kritik aus dem Bauch heraus konnte so beseitigt werden. Beim Stichwort Mauer wäre ich als Unbeteiligter auch erst mal skeptisch gewesen.

Hat der Widerstand der Einwohner Sie überrascht?

Nein, das ist ganz normal. Es ist gut, so viel wie möglich im Vorfeld zu klären und Wissenslücken auszuräumen. Es ist richtig, dass die Bürger um die Grünflächen kämpfen. Allerdings wäre es früher, als die Hochbauten und die Schröderstraße gebaut wurden, besser gewesen. Jetzt empfinde ich den Wegfall von Grünflächen als ungerechten Vorwurf.

Warum?

Wegen gesetzlicher Vorschriften muss der Fußgängerweg als Hauptverbindungsachse mindestens sechs Meter breit sein. Außerdem stellt der Weihnachtsmarkt spezielle Anforderungen an den Aufbau und die Abmessungen der Straße. Hinzu kommen eine öffentliche Toilette und ein so enges Leitungsnetz, wie ich es lange nicht erlebt habe. Im Boden stecken zudem eine alte Brücke, eine abgerissene Kirche und ganz darunter noch ein einsturzgefährdeter alter Wallgraben. Für dessen Reparatur muss eine zwölf Meter tiefe Grube ausgehoben werden. Und weil der Boden für die Lasten ungeeignet ist, müssen wir einen Meter Erde abtragen.

Schön und gut. Aber sind es am Ende nicht trotzdem weniger Bäume als vorher?

Wir wollen so viele Bäume wie möglich erhalten und pflanzen auch neu. Es ist aber richtig, dass es am Ende weniger sein werden, wobei momentan auch wild gewachsene Bäume darunter sind. Wir haben alle von ihnen daraufhin geprüft, ob wir sie erhalten können. Da kann ein einzelner Baum ganz schnell mal 100 000 Euro kosten. Außerdem macht die Abtragung der Erde die Wurzeln kaputt.

Wie gehen Sie nun mit der Kritik um?

Wir nehmen sie sehr ernst. Ich sehe nur ein großes Informationsdefizit. Denn die Fläche um das Kröpeliner Tor ist ein ganz toller Bereich, in den wir viel Kraft reingesteckt haben. In der Diskussion schwingen viele Emotionen mit. Es allen immer recht zu machen, ist schlicht nicht möglich.


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