Sinkendes Interesse am Führerschein

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13. Mai 2011, 07:52 Uhr

Prignitz | Jeder fünfte Führerschein, der im vergangenen Jahr im Landkreis Prignitz beantragt wurde, ist umsonst gedruckt worden. Das heißt 18 Prozent der Führerschein-Anwärter haben die Fahrschule nicht innerhalb der Zweijahresfrist beendet.

Darüber informierte Herbert Nordmann von der technischen Prüfstelle Dekra in Oranienburg, die auch für den Landkreis zuständig ist. Im Land habe die Zahl der Führerscheine, die 2010 vernichtet werden mussten, 25 Prozent betragen, so Nordmann. Vergleichszahlen für vorangegangene Jahre stünden aber nicht zur Verfügung.

Fahrschulen in der Prignitz registrieren seit Jahren den Trend, dass sich immer mehr ihrer Schüler Zeit lassen. "Die Jugendlichen melden sich zwar an, aber haben dann anderes um die Ohren", vermutet Ulffert Siegmann, Fahrlehrer aus Wittenberge. Viele würden die Ausbildung "schleifen lassen".

Dabei zahlen die Bewerber im Voraus für die Anmeldung und die Theoriestunden beziehungsweise zum Teil auch für die Ausbildung hinterm Steuer.

Bodo Fritz, Inhaber der Fahrschule in Perleberg, glaubt, der Führerschein habe bei den Jugendlichen nur noch einen geringen Stellenwert. "Früher war die Fahrerlaubnis viel wichtiger, heute verlieren sie schnell das Interesse."

Vielen müsse er hinterher telefonieren. Wenn die Fahrschule abgebrochen wird, bleibt für ihn das Folgegeschäft aus. "Mir gehen dann Einnahmen verloren", so Fritz.

Der Druck der Führerscheinkarten wurde bislang mit der Anmeldung in der Fahrschule in Auftrag gegeben. "Bei uns lagerten die fertigen Dokumente. Wenn sie verfallen, müssen sie vernichtet werden", umreißt Herbert Nordmann von der Dekra das Prozedere. Seit dem 2. Mai nimmt der Landkreis Prignitz deshalb an einem Modellversuch teil, informiert die Kreisverwaltung.

Führerscheine werden künftig erst nach erfolgreich bestandener Führerschein-Prüfung gedruckt. Der Fahranfänger erhält vorübergehend einen "Nachweis zur Fahrberechtigung", der zwei Monate gültig ist. In dieser Zeit wird ihm die endgültige Fahrerlaubnis zugestellt.

Ein weiterer Vorteil: Prüfer und Fahrlehrer müssen nicht für den Ausfall zahlen, wenn der Bewerber beispielsweise aus Krankheitsgründen nicht zur Endprüfung erscheint. "Mit dem Modell sind alle Beteiligten flexibler. Wenn ein Bewerber zur Prüfung ausfällt, kann dafür ein anderer einspringen", erklärt Nordmann.

Möglich ist das, weil die Anmeldungen zur praktischen Prüfung online nicht mehr namentlich erfolgen, sondern lediglich die Anzahl der zu Prüfenden übermittelt wird. Das Verfahren soll im ganzen Land stufenweise eingeführt werden.

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