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Jeder dritte Arbeitslose älter als 50 Jahre : Silberlocken Gold wert

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Mit einem dramatischen Appell, ältere Arbeitnehmer einzustellen, wandte sich Ministerpräsident Sellering an die Unternehmer und Arbeitgeber des Landes. Über ein Drittel der Arbeitslosen in MV sind älter als 50 Jahre.

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erstellt am 26.Jul.2011 | 07:04 Uhr

Schwerin | Mit einem dramatischen Appell, ältere Arbeitnehmer einzustellen, wandte sich gestern Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) an die Unternehmer und Arbeitgeber des Landes. Über ein Drittel der 101 533 Arbeitslosen in Mecklenburg-Vorpommern sind derzeit älter als 50 Jahre. Darunter 20 Prozent 55 bis 65 Jahre. Während die Arbeitslosigkeit insgesamt sinkt, ist sie in diesen Altersgruppen gestiegen. Vom Aufschwung profitierten derzeit vor allem die Jüngeren: Die Zahl der Arbeitslosen unter 25 Jahren sank von Mai zu Juni überdurchschnittlich um 6,4 Prozent auf 9600.

"Es muss eine der wichtigsten Aufgaben sein, älteren Menschen eine Chance zu geben", sagte Sellering als Anspruch an Wirtschaft und Politik. Dem sich abzeichnenden Fachkräftemangel sei nur zu begegnen, wenn die 27 000 Langzeitarbeitslosen, von denen über die Hälfte 50 Jahre und älter sind, auf dem 1. Arbeitsmarkt einen Job bekommen. "Sie haben Erfahrung, Kompetenz, Motivation. Sie müssen aber auch die Chance auf einen Job am ersten Arbeitsmarkt bekommen", sagte Sellering am Dienstag nach einem Besuch bei Tchibo Logistik in Gallin.

Heinrich Alt, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, sagte nach einem gemeinsamen Gespräch: "Die Aussicht für Menschen eine Beschäftigung zu bekommen, war noch nie so hoch." Alt bilanzierte, dass in den letzten sechs Jahren die Arbeitslosigkeit von über fünf Millionen Betroffenen auf drei Millionen sank. Er stellte in Aussicht, dass es noch weitere Beschäftigungseffekte geben werde. Alt musste aber zugleich eingestehen, der Strukturwandel mehr Teilzeitbeschäftigte braucht. 1,4 Millionen Beschäftigte erhalte derzeit zum Lohn unterstützende Leistungen von der Bundesagentur bzw. den Kommunen. "Die Erwerbsquoten Älterer nehmen zu", sagte er. Je Quartal gebe es Deutschlandweit 100 000 Einstellungen von 55-Jährigen und Älteren. Laut Alt nehmen die Vorurteile gegen eine Beschäftigung von Älteren ab. Inzwischen gebe es das geflügelte Wort, dass Silberlocken Gold wert seien.

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es mit 48,7 Prozent eine im Bundesvergleich hohe Beschäftigungsquote über 50-Jähriger, die vor allem durch die höhere Erwerbsquote von Frauen im Osten getragen wird. Aber zugleich steige noch immer die Arbeitslosenquote Älterer. Dennoch will Sellering keine neuen Programme auflegen. "Ich bin nicht dafür, wieder einmal über neue Programme zu reden. Ich bin auch nicht dafür, den zweiten Arbeitsmarkt heranzuziehen. Wenn wir ältere Menschen wieder in Arbeit bringen wollen, dann hilft ihnen nicht eine dritte oder gar vierte Qualifizierungsmaßnahmen sondern nur eine Qualifizierung, an deren Ende auch ein Job steht." Auch der Arbeitsmarktexperte der CDU-Landtagsfraktion Günter Rühs forderte die Arbeitgeber auf, gezielt auf ältere Arbeitnehmer zuzugehen.

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