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Lokales

19. November 2017 | 20:49 Uhr

Sie spielen für ihre Familien in Japan

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erstellt am 17.Mär.2011 | 10:06 Uhr

Rostock | "Wenn ich mit meinen Eltern telefoniere, fühle ich mich kraftlos und traurig", sagt Yasuko Sugimoto. Die Japanerin lebt seit etwa acht Jahren in Deutschland. Ihre Familie wohnt auf der südlichen Insel Japans - weit weg von den durch das Erdbeben und den Tsunami verwüsteten Landstrichen. Und auch weit entfernt von dem außer Kontrolle geratenen Atomkraftwerk Fukushima. Trotzdem macht sich Yasuko Sugimoto große Sorgen um ihre Eltern. "Ich habe meiner Familie vorgeschlagen, nach Deutschland zu kommen", sagt die 30-Jährige. Doch ihre Eltern wollen nicht. "Sie haben für sich entschieden, dass im Ausland zu überleben für sie nicht besser ist, als in Japan verstrahlt zu werden", erklärt Yasuko Sugimoto und wird nachdenklich. "Es gibt schlechte Phasen, da kann ich nicht essen und trinken", sagt Yasuko Sugimoto. Dann versucht sie, ruhig zu bleiben und positiv zu denken.

Yasuko Sugimoto ist Mitarbeiterin an der Rostocker Hochschule für Musik und Theater. Genau wie Wakana Yamazaki. Beide sind Pianistinnen. In den vergangenen Tagen haben sie oft mit anderen Kollegen und Studenten aus Japan zusammengesessen. Um zu reden und sich gegenseitig Mut zu machen.

Wakana Yamazakis Eltern leben auf der japanischen Nordinsel Hokkaido. Aber ihr Cousin und seine Familie wohnen in Sendai, dem am heftigsten betroffenen Ort an der japanischen Ostküste. Sie haben die erste Katastrophe überlebt. Dabei aber wohl alles verloren. Ganz genau weiß es Wakana Yamazaki noch nicht. "Jetzt schreibt er, wann immer er kann und es Strom gibt, über Facebook und hält uns auf dem Laufenden", sagt Wakana Yamazaki. Ihr Cousin ist mit seiner Familie in der Turnhalle einer Grundschule untergebracht, zusammen mit 200 anderen Menschen, die ihr Zuhause verloren haben. "Sie wollen erst einmal in Sendai bleiben und helfen", sagt Wakana Yamazaki. Den Menschen im Katastrophengebiet fehlt es am Nötigsten. Wasser, Essen und Decken, aber auch Benzin, um die Lebensmittel zu den Menschen zu transportieren.

Nachdem Wakana Yamazaki am vergangenen Freitag von dem Erdbeben und seinen verheerenden Folgen erfuhr, versuchte sie sofort, ihre Familie zu erreichen. "Aber alle Leitungen waren tot. Nicht einmal die E-Mails kamen an", berichtet die 35-Jährige. Sie wartete den ganzen Freitag. "Das war ein sehr langer Tag für mich", sagt Wakana Yamazaki. Erst am Sonnabend konnte sie endlich mit ihrer Familie sprechen. Sie seien von den japanischen Behörden informiert worden, dass keine Gefahr besteht. "Das muss ich glauben und darauf hoffen", sagt Wakana Yamazaki. Auch Yasuko Sugimotos Eltern sind ruhig: "Viel ruhiger als ich hier in Deutschland", sagt sie. "Sie glauben den Nachrichten der japanischen Regierung."

Wakana Yamazaki fällt es schwer, in dieser Situation nicht bei ihren Eltern zu sein. Aber einfach hinzufliegen, sei keine Lösung, sagt sie: "Ich kann ihnen ja nicht helfen." Und auch die Idee, ihre Eltern nach Deutschland zu holen, hält sie für unrealistisch. "Sie sagen, dass sie doch zur Arbeit müssen", erklärt Wakana Yamazaki. Außerdem fühle es sich für Japaner wie Egoismus an, das Weite zu suchen, während andere zurückbleiben müssen. "Es liegt in unserer Mentalität, nicht über das Geschehene nachzudenken, sondern lieber schnell eine Lösung für die entstandenen Probleme zu suchen", sagt Wakana Yamazaki. So hat auch sie sich überlegt, wie sie mit ihren Mitteln helfen kann. "Wir sind Musiker", sagt Yasuko Sugimoto, die sich schnell für Wakana Yamazakis Idee begeistern konnte. Wenn sie schon nicht nach Japan fliegen und vor Ort anpacken können, so wollen sie doch Geld sammeln, um den Menschen in ihrer Heimat und somit auch ihren Familien zu helfen. Am Sonntag geben sie zusammen mit anderen Musikern der Hochschule für Musik und Theater ein Konzert. Dabei werden Spenden gesammelt, die dem Roten Kreuz in Japan zugute kommen sollen.

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