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Lokales

21. September 2017 | 03:38 Uhr

Seminare gegen rechte Gewalt

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erstellt am 13.Okt.2010 | 06:51 Uhr

Wöbbelin | "Zur rechten Szene kam ich mit zwölf Jahren über den Fußball", berichtete der Aussteiger Gabriel Landgraf jüngst auf einer Konferenz in Schwerin, "dort wurde ich behütet aufgenommen." Mit 16 Jahren übernahm er eine Führungsposition in einer rechten Kameradschaft in Berlin-Brandenburg, in der er jahrelang agierte.

Mit zwölf Jahren besuchen Kinder in der Regel die 6. Klasse. Der Nationalsozialismus ist Unterrichtsstoff der 9. Klasse. "Das ist viel zu spät", gab Jana Podlipnik, Leiterin der Grundschule Wöbbelin, zu bedenken. Die 21 Lehrerinnen aus fünf Grund- und zwei Förderschulen, die das Seminar "Demokratieerziehung in Schulen und Gedenkstätten" in den Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin besuchten, stimmten ihr zu. Wie aber kann eine Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus in der Kindheit erfolgen? Der Besuch von Kindern in Gedenkstätten ist ein umstrittenes, seit Jahren heiß diskutiertes Thema. Nur wenige Gedenkstätten arbeiten mit Kindern zusammen.

Im Seminar stellte Ramona Ramsenthaler, Leiterin der Wöbbeliner Gedenkstätte, das Konzept und ihre Projektangebote zur Arbeit mit Kindern aus Grund- und Förderschulen vor. Auf Grundlage des Bundesprogramms "Vielfalt tut gut" wurde im Rahmen des Lokalen Aktionsplanes des Landkreises Ludwigslust das Projekt "Schulen und Gedenkstätten" initiiert. Die Arbeit mit Kindern aus Grundschulen ist ein Angebot innerhalb dieses Programms, das vom Bundesfamilienministerium gefördert wird.

Seit 2007 entstand im Landkreis ein Netzwerk aus Schulen und Gedenkstätten. 2008 startete das Pilotprojekt mit der Grundschule Gammelin. Die Kinder lernten, wie Diktaturen entstehen können und befragten ihre Großeltern über diese Zeit. Im Musikunterricht studierten sie das Musical "Fremde werden Freunde" ein. Es wurde mehrfach sehr erfolgreich aufgeführt, sodass 2009 ein weiteres Musical einstudiert wurde. Nach der intensiven Vorbereitung besuchten die Kinder die Gedenkstätte. Sie lernten die beiden Denkmäler kennen und sprachen über die Unterschiede zwischen einer Diktatur und einer demokratischen Gesellschaft. Dabei erfuhren sie, dass im KZ Wöbbelin Menschen aus 20 Nationen eingesperrt waren und litten. Aus den Namen auf den Gedenksteinen haben sie erraten woher die Opfer vielleicht kamen. Im Anschluss fuhren sie zum Museum und verarbeiteten ihre Eindrücke und Gedanken in Gedichten oder Zeichnungen.

Ein halbes Jahr später startete die Wöbbeliner Grundschule ihr Projekt. Inzwischen ist es Tradition, dass die Kinder ihre Ergebnisse bei der Begegnung der Generationen vorstellen und die Überlebenden in ihrer Schule empfangen. Am Tag der Befreiung legen sie Blumen zum Gedenken nieder.

Auf dem Seminar wurden zwei neue Projektangebote vorgestellt. "Abbau von Vorurteilen" heißt das Bildungsprojekt von Gerlinde Zimmermann für Kinder im Alter von sieben bis neun Jahren. "Einblick in fremde Welten" von Susann Janta und Karsten Schuhmann ist ein weiteres Programm für Kinder und Jugendliche. Die Projekte arbeiten mit Musik und Tanz, um Werte wie Toleranz und den selbstverständlichen Umgang mit anders aussehenden Menschen zu vermitteln.

"Ich erzähle den Kindern die Geschichte Der fremde Vogel. Es ist eine Geschichte gegen Fremdenfeindlichkeit" so Gerlinde Zimmermann vom Förderverein der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin. Mithilfe von Handpuppen oder mit Bildgeschichten kann man die Fantasie der Kinder gut ansprechen und Identifikationsmöglichkeiten geben. Susann Janta und Karsten Schuhmann nutzen einen Streitteppich, um zur Kommunikation zu motivieren und zu befähigen. Trommeln und der orientalische Tanz geben einen "Einblick in fremde Welten". Gabriel Langraf bedauerte bei seinem Vortrag, dass sich während seiner Schulzeit niemand mit seinen provokanten rechtsradikalen Auftritten auseinander setzte. "Die Lehrer schauten damals weg."

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