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Öko-Hof will alternatives Wohnen und Arbeiten umsetzen : Selbstversorger statt Konsumenten

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Auf dem Hof des Vereins "Öko-Kinderladen Zwiebelchen" in Alt Meteln reihen sich zahlreichen originelle Recycling-Ideen aneinander. Hauptanliegen sei es, eine "identitätsstiftende Produktionsstätte" zu schaffen.

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erstellt am 23.Mär.2011 | 08:22 Uhr

Schwerin | Die Feuerstelle ist aus einer alten Schubkarre entstanden, ein abgeknickter Federballschläger dient als Hutablage, ausrangierte Aquarien-Gläser bilden ein Gewächshaus: Auf dem Hof des Vereins "Öko-Kinderladen Zwiebelchen" in Alt Meteln bei Schwerin reihen sich zahlreichen originelle Recycling-Ideen aneinander. "Permakultur-Kompetenzzentrum" nennt Vereinsgründer Lutz Turczynski das, was bereits erste Züge annimmt - eine möglichst autarke Nahrungsmittelversorgung, Energieerzeugung und Reststoffverwertung. Der Hof, so das Ziel, soll einmal ein "familienähnliches Kleinstwohnheim" für Kinder und Jugendliche mit hohem Betreuungsbedarf, aber auch für ältere, durch die Landwirtschaft geprägte Menschen werden. "Warum soll man Hunde zur Streicheltherapie ins Altenheim bringen, wenn man alles ganz natürlich zusammenführen kann", sagt Turczynski.

Hauptanliegen sei es, eine "identitätsstiftende Produktionsstätte" zu schaffen. Vor allem den Jugendlichen soll vorgelebt werden, dass es Werte abseits der "virtuellen Schön-Schein-Welten" gibt, wie der Regisseur und Autor erläutert. Keine Handys, keine Computer, kein Fernsehen. Dafür Felder, Tiere und regionales Wirtschaften. Aus dem respektvollen Umgang mit der Natur soll Solidarität und Achtung füreinander erwachsen, sagt Turczynski. Mit diesem Ansatz betreut der gebürtige Ostberliner bereits seit mehreren Jahren junge Straffällige, die auf dem Hof gemeinnützige Arbeit ableisten.

Für die Ausweitung der Betreuung in Form eines Kleinstwohnheims hat sich der 46-Jährige bislang allerdings vergeblich um Fördermittel bemüht. Dabei hatte das Landwirtschaftsministerium im Jahr 2004 sogar eine Machbarkeitsstudie mit 22 000 Euro gefördert. Agrarminister Till Backhaus sprach von einer "großartigen Idee", Nordwestmecklenburgs ehemaliger Landrat Erhard Bräunig lobte das Konzept, sogar Angela Merkel nannte die Initiative "sehr begrüßenswert". Eine Genossenschaftsbank wollte das Vorhaben unterstützen. Doch dann wurde der Antrag des Vereins auf Eler-Mittel zur Entwicklung des ländlichen Raums abgelehnt. Hauptgrund sei die Versagung der Betriebserlaubnis gewesen, hieß es in dem damaligen Schreiben des Agrarministeriums. Dabei ging es vor allem um die pädagogische Qualifikation.

Wenn das Vorhaben weiter ins Rollen komme, wolle er jedoch Fachkräfte einstellen, so Turczynski. Mit einem neuen Träger hat er nun beim Landesjugendamt ein zweites Mal die Betriebserlaubnis beantragt. Die Entscheidung steht noch aus. Eine erneute Bewerbung um Eler-Mittel habe allerdings keinen Zweck, wie Ministeriumssprecherin Marion Zinke sagt. Denn die Mittel seien inzwischen nur noch für investive Förderungen da. "Der Minister hält die Initiative weiter für gut, aber uns sind die Hände gebunden", so Zinke, die statt dessen auf die Norddeutsche Stiftung für Umwelt und Entwicklung verweist.

Mit Hilfe der Stiftung und des damaligen Staatlichen Amtes für Umwelt und Natur in Güstrow konnte inzwischen immerhin schon eine Streuobstwiese mit 2000 Bäumen und Sträuchern angelegt werden, wie Turczynski sagt. Für das große Ganze müsse er aber wohl nach alternativen Fördermöglichkeiten suchen, um Schritt für Schritt voranzukommen. Dazu könne ein Dokumentarfilm vor Ort gehören, so der Regisseur. Auch habe er die jetzige Landrätin von Nordwestmecklenburg, Birgit Hesse, um Hilfe gebeten. Zumal es mittlerweile noch eine zweite Vorplanungsstudie vom Landesförderinstitut von 2008 gibt. Demnach sind die Voraussetzungen für eine autarke Energie- und Wasserversorgung sowie für eine entsprechende Förderung gegeben, heißt es.

In jedem Fall will der Vereinsgründer nicht aufgeben. Zu viel ist schon entstanden: zum Beispiel erste baugenehmigte Bungalows, Dreieckshütten, Pavillon, Lehmbackofen, Gemüsebeete, Hasenställe und die Basis für eine Freiluftbühne. Außerdem, so Turczynski, handele es sich nicht um ein "Projekt", sondern um ein "Lebens-Kunst-Macht-Werk".


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