Selbstmörder hielt Neuhaus in Atem

In diesem Haus spielte sich  gestern  das Drama ab. Maria Nielsen
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In diesem Haus spielte sich gestern das Drama ab. Maria Nielsen

Für 30 Anwohner der Delliener Straße in Neuhaus endete die Nacht gestern um vier Uhr. Sie wurden evakuiert, weil ein Mann drohte, sich mit Gas in die Luft zu sprengen. Er tötete sich dann mit einem Messer.

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24. Februar 2009, 11:43 Uhr

Neuhaus | Dem Ehepaar steht die Anspannung noch ins Gesicht geschrieben. Noch können sie nicht fassen, was da gestern Nacht und gestern Morgen vor ihrer Haustür passiert ist: Nachts um drei Uhr hatte die Nachbarin von gegenüber geklingelt. Ihr Lebenspartner habe sie und den Hund aus dem Haus "geworfen". Er habe gedroht, sich mit Hilfe zweier Propangasflaschen umzubringen. Auf dem Küchentisch hätten Kerzen gestanden und auch ein Küchenmesser.

Die geschockten Nachbarn alarmierten sofort die Polizei. "Die Zeit bis Feuerwehr und Polizei da waren (nachts ist die Polizeiwache in Neuhaus nicht besetzt, die Beamten müssen aus dem etwa 65 Kilometer entfernten Lüchow anfahren) ist uns sehr lang vorgekommen. Wir hatten Angst, dass hier alles in die Luft fliegt."

Die Neuhauser Feuerwehr war als erste vor Ort. Gemeindefeuerwehrchef Henry Kruse schätzte die Situation als gefährlich ein und leitete mit seinen Leuten die Evakuierung der Menschen aus den umliegenden Häusern ein. "Die Lebensgefährtin des Bewohners des Einfamilienhauses hatte beschrieben, dass ihr Partner zwei Gasflaschen aufgedreht habe, eine im Flur und eine in der Küche. Sie sprach von Kerzen auf dem Küchentisch. Propangas ist schwerer als Luft und sinkt nach unten. Da hätte nur ein Kerze umfallen oder hinuntergestoßen werden müssen dann wäre es zu einer schweren Explosion gekommen."

Die Menschen in den umliegenden Häusern wurden geweckt, insgesamt waren es 30 Personen. "Die eine Hälfte wurde in das Kita-Gebäude gebracht, die andere Hälfte in das Feuerwehrgerätehaus und eine ältere Person ins Altenheim", war von Polizeisprecher Kai Richter zu erfahren. Danach haben zwei Feuerwehrleute und ein Polizist mit einem Bolzenschneider die Kette, mit der der 39-jährige Hausbesitzer die Tür verschlossen hatte, aufgeschnitten und die Tür aufgestoßen. "Im ganzen Flur roch es nach Gas", so Henry Kruse. Weiter vor wagten sie sich nicht, denn der 39-Jährige hatte gedroht, jedem, der sich ihm nähere, mit einem Messer zu töten. "Die Polizei setzte auf Zeit", so der Gemeindebrandmeister. Kruse vermutet, dass das Gas aus dem Haus gewichen ist, nachdem die Tür aufgestoßen war. Denn die Messung mit einem Gasprüfgerät zwischen 6 Uhr und 6.30 Uhr ergab, dass wahrscheinlich kein Gas mehr in der Wohnung war. Die Polizei hatte sich entschieden, aus Hannover Spezialkräfte der Polizei anzufordern. Inzwischen war die Straße weiträumig abgesperrt. Um die Evakuierten kümmerten sich Mitglieder des DRK, Sanitäter und auch zwei Notärzte. Die Kräfte des SEK trafen zwischen 8.30 Uhr und 8.45 Uhr ein, so die Nachbarn.

Die Spezialkräfte der Polizei versuchten mehrfach, mit dem Mann Kontakt aufzunehmen, dann drangen sie in das Gebäude ein. "Hier fanden sie den 39-Jährigen nur noch tot auf", so Sprecher Kai Richter. "Er hatte sich tödliche Stichwunden mit einem Messer zugefügt."

Anwohner kehrten gegen 10 Uhr in Häuser zurück"So gegen halb zehn, zehn Uhr war dann alles vorbei und wir konnten in unser Haus zurück." Das Ehepaar von gegenüber kannte den Selbstmörder von Kindheit an. Schon die Großeltern hatten in dem Haus gewohnt, dann die Mutter mit ihren drei Kindern. "Er war ein fröhliches Kind und besuchte die Sonderschule in Lübtheen. Er war gutmütig und freundlich und ein angenehmer Nachbar, der auch nach unserem Haus schaute, wenn wir mal in Urlaub waren. Mal hatte er Arbeit, mal nicht. Er hätte jemanden gebraucht, der ihm sein Leben strukturiert. Bloße Nachbarschaftshilfe war da nicht ausreichend", so das Ehepaar.

Sie waren geschockt, als sie davon hörten, dass der 39-Jährige sich das Leben nahm. "Ich habe gedacht, es geht irgendwie gut aus. Das er jetzt tot ist, ist sehr traurig."

Die Polizei geht davon aus, dass der Selbstmörder ein massives Alkoholproblem hatte und dass ihn Wahnvorstellungen zu seiner Tat führten. Auch Gemeindebrandmeister Henry Kruse sagte, er habe erfahren, dass der Mann sonst getrunken habe und seit einer Woche keinen Tropfen mehr angerührt habe, was dann zu Wahnvorstellungen geführt habe. "Eine trauriges Schicksal", so Kruse.

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