Seit 20 Jahren gute Freunde

Dieses Foto klebte Horst Roloff vor fast 20 Jahren in sein Album. Es entstand während einer der ersten Begegnungen in Neumünster. In Erinnerung  an Johannes Czolbe (in der Mitte stehend) tragen Behindertensportler heute alljährlich ein Gedenkturnier aus.
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Dieses Foto klebte Horst Roloff vor fast 20 Jahren in sein Album. Es entstand während einer der ersten Begegnungen in Neumünster. In Erinnerung an Johannes Czolbe (in der Mitte stehend) tragen Behindertensportler heute alljährlich ein Gedenkturnier aus.

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01. Dezember 2010, 01:57 Uhr

Parchim | Es begann mit einem unscheinbaren Brief, den Horst Roloff im Juli 1990 bekam. Kurz, bündig und förmlich stellte sich darin Johannes Czolbe vor. Er sei der Vorsitzende der Behinderten-Sportgemeinschaft Neumünster und an einer Kontaktaufnahme mit den behinderten Sportlern aus der Partnerstadt Parchim interessiert.

"Meine Freude über das Schreiben war groß. Und die Spannung auf das erste Treffen", erzählt Roloff, der bereits damals die Abteilung Behindertensport des SV Einheit Parchim leitete. Er schrieb zurück. Es folgten das erste Treffen, das erste gemeinsame Sportfest. Erste Freundschaften entstanden. Freundschaften, die jetzt, 20 Jahre später, immer noch bestehen.

Damals, kurz nach der Wende, seien die Parchimer Sportfreunde dankbar gewesen für die Hilfe und Unterstützung aus der Partnerstadt. "Wir hatten die Hoffnung in der Wendezeit, dass sich die Bedingungen für den Behindertensport bei uns verbessern würden", sagt Roloff. Und neugierig sei er gewesen auf den Verein aus dem Westen. "Außerdem hatten wir viele Fragen, zur Finanzierung des Vereins, zum Rehabilitations-Sport, Abrechnungsanträge, Sponsoring, und was es alles gab. Das war ja neu für uns", ergänzt Roloff, dessen Verein damals 26 Mitglieder zählte. Eine kleine Sportgemeinschaft im Vergleich zur Schwester im Westen.

Die BSG Neumünster hatte nämlich rund 800 Mitglieder, die sogar in verschiedenen Abteilungen organisiert waren. Über diese Mitgliederzahl und die jahrzehntelange Vereinsgeschichte konnten die Parchimer im Jahr ihres damals gerade erst sechsjährigen Bestehens nur staunen. Und weil die Neumünsteraner Sportfreunde eine gewachsene Struktur in den unterschiedlichen Sportarten hatten, bot das für einige Parchimer die Chance, an Wettkämpfen teilzunehmen, die ohne den Kontakt zur Partnerstadt gar nicht möglich gewesen wären. "Ich erinnere mich daran, dass unsere Schwimmerin Renate Wischnewski für Neumünster gestartet ist", erzählt Roloff. Besonders zur Gruppe Hallensport bauten die Parchimer in den folgenden Jahren einen engen Kontakt auf. "Die hatten auch Sportarten, die wir gar nicht kannten", erzählt Roloff. Das Galgenkegeln zählte dazu, und das Bosseln, eine Art Eisstockschießen in der Halle. Auch wenn die sich bei den Parchimer Sportlern nicht durchgesetzt haben, begannen damals Traditionen in den beiden Sportvereinen: die gegenseitigen Besuche zu Sportfesten beispielsweise. Und die gemeinsamen Feiern bei Vereinsjubiläen. Dabei konnten die Sportfreunde aus der schleswig-holsteinischen Partnerstadt auch einiges von den Parchimern lernen. "Bei unseren Sportveranstaltungen setzen wir schon immer auf enge Zusammenarbeit mit anderen Organisationen", sagt Roloff. Gemeinsam mit dem Landratsamt, der Stadtverwaltung und der Beruflichen Schule organisiert die Behindertensportgruppe des SV Einheit Feste und Turniere. "Anfangs war unser Besuch aus dem Westen erstaunt, was wir dadurch bewegen konnten."

Auch wenn in vielen anderen Bereichen die Städtepartnerschaft kein so präsentes Thema ist, wollen die Behindertensportler das, was sie seit 20 Jahren verbindet, aufrecht erhalten. Immer noch kommt eine Gruppe aus Neumünster mindestens einmal im Jahr in die Eldestadt - zu einer Sommerwanderung um den Wockersee. Klar, dass dabei Persönliches ebenso besprochen und diskutiert wird wie der Sport - und Freundschaften entstehen. Eine persönliche und sehr enge Bindung hat Horst Roloff selbst inzwischen zu dem Neumünsteraner Ulmar Nolde. Wie Roloff sitzt auch er im Rollstuhl. Private Besuche in der Partnerstadt und regelmäßige Telefonate sind inzwischen Alltag für die beiden Behindertensportler aus Ost und West. "Dabei reden wir über alles, was uns bewegt: Probleme im Alltag, praktische Dinge", erzählt Roloff. Die vielen Freundschaften, die in den vergangenen 20 Jahren zwischen den Parchimern und den Neumünsteranern entstanden sind, sind aus Roloffs Sicht "der Motor zur Weiterführung der Vereinspartnerschaft". Dabei gebe es in Schleswig-Holstein ebenso wie hierzulande ähnliche Probleme, Ehrenamtliche zu finden, die die Vereinsarbeit weiterführen. Was er sich wünscht: "Dass es uns trotzdem gelingt, diese enge Partnerschaft in den nächsten Jahren am Leben zu erhalten."

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