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Lokales

18. Dezember 2017 | 23:34 Uhr

Seit 20 Jahren auf Sendung

vom

svz.de von
erstellt am 21.Mai.2010 | 07:47 Uhr

Perleberg | Es war spannend und abenteuerlich, erinnert sich Angelika Schramm. Sie gehört zum Team der ersten Stunde, als Antenne Brandenburg auf Sendung ging. Das war vor 20 Jahren. Ein Jahr später hatte Perleberg sein erstes Studio - zwei Räume in der Ritter straße, die man bei Regenwetter nur in Gummistiefeln erreichen konnte. Zu tief waren die Schlaglöcher und vor allem unter der Wasserlache nicht zu sehen. Hier stand die Bandmaschine, wo noch in solider Handarbeit geschnitten und geklebt wurde und letztendlich am Mischpult der hörbare Beitrag entstand. Von hieraus ging Angelika Schramm dann in den Äther - wenn es mit der Telefonleitung klappte. Denn das multimediale Zeitalter war damals noch Lichtjahre entfernt - so glaubte man. Wenn mal wieder alles zu spät schien, ging es zur Polizei, dem Freund und Helfer. Und sie half tatsächlich mit dem Telefon aus, so dass der Beitrag dann doch noch rechtzeitig ausgestrahlt werden konnte.

Dann wurde fast vis á vis das Hotel Berlin abgerissen, doch das neue Wohn- und Geschäftshaus stand noch nicht, da waren alle Räume schon vergeben. "Wir kamen zu spät", gesteht die quirlige Moderatorin und Studioleiterin offen ein. Der Zug war aber noch nicht abgefahren, wie sich zeigte. Denn mit dem Einzug einer Spielothek konnten sich etliche Geschäftsinhaber nicht anfreunden. "Da haben wir natürlich schnell ,hier gerufen", erinnert sich Angelika Schramm.

Seit 1995 kommen die Nachrichten und drei Stunden Regionaljournal aus Perleberg. Reporter, Redakteur, Moderator und Musikredakteur, der die CD noch selbst einlegte, alles in einer Person musste man sein. Die Landkreise Prignitz und Ostprignitz-Ruppin fanden sich im Programm wieder.

Der Aufwand war enorm, für die heutige Zeit nicht mehr denkbar, zumal sich auch die Hörergewohnheiten verändert haben. Die Nachrichten gewannen an Wertigkeit, für einen Regionalsender natürlich die über das Ereignis vor der Haustür. 14 Stunden gehen sie über den Äther, 5.30 Uhr das erste Mal und 18.30 Uhr das letzte Mal am Tag. Der gesamte RBB ist inzwischen miteinander vernetzt und "mit Hilfe unserer Hörer sind wir ständig auf der Suche nach spannenden Themen. Ich habe miterlebt und tue es immer noch, wie schön sich Perleberg herausgemacht hat und wie es in Wittenberge schrittweise weitergeht. Das ist schon beeindruckend, und manchmal muss man es vielleicht auch aus der Ferne betrachten, um einen Blick dafür zu haben." 1991/92 beispielsweise gingen die Wittenberger wieder auf die Straße, um ihre Großbetriebe zu erhalten. "Ich war dabei, als die Zellwolle abgerissen wurde." Angelika Schramm sprach mit den Leuten, die hier Jahrzehnte täglich zur Arbeit gegangen sind. "Sie haben ins Mikro geweint. Das geht schon zu Herzen." Sie hat sich mit der letzten Prokuristin der Ölmühle unterhalten und war dabei, als das Licht im Wittenberger Nähmaschinenwerk ausging. Angelika Schramm, die Prignitz-Stimme bei Antenne, hat die Entwicklung unmittelbar vor der Studiotür miterlebt und vielen davon berichtet. Und sie hat sich dabei die Neugier auf das, was der nächste Tag bringt, bewahrt. "Das muss man auch, sonst sollte man aufhören", betont sie.

Inzwischen zog die Technik mit der Schnelllebigkeit der Information gleich. Perleberg war das erste Studio, das volldigitalisiert war, Potsdam, Frankfurt, Cottbus und Prenzlau folgten. Das heißt aber auch, jeder muss heute alles können und das Telefon ist inzwischen ein Arbeitsutensil, "ohne das moderner Rundfunk, der alle halbe Stunde aktuell aus zwei Landkreisen berichtet, nicht auskommt".

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