zur Navigation springen

Rostocker Malte Philipp : Segler bringt Olympioniken auf Kurs

vom

Der Rostocker Malte Philipp feierte in seiner Laufbahn als Segler Erfolge bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften. Heute fungiert er als Nachwuchs-Trainer für aufstrebende Segelnationen in aller Welt.

svz.de von
erstellt am 31.Aug.2012 | 11:17 Uhr

Entspannt schlendert Dr. Dr. Malte Philipp den Rostocker Stadthafen entlang. Er trägt eine kurze Hose und ein Sweat-Shirt, auf dem das kanadische Ahornblatt prangt. "Dort drüben, am Bootshaus, habe ich beim SC Empor das Segeln gelernt", sagt der 43-Jährige und zeigt auf das schicke Vereinsheim des Rostocker Yachtclubs am gegenüberliegenden Warnow-Ufer. Seine aktive Laufbahn liegt schon längst hinter dem Ur-Rostocker. Heute fungiert er als Nachwuchs-Trainer und "Geburtshelfer" für aufstrebende Segelnationen in aller Welt - stets mit Blick auf die nächsten Olympischen Spiele.

"Die Briten haben sich echt ins Zeug gelegt."

Wenn Philipp an die Spiele in London denkt, dann kommt ihm zuerst das olympische Motto in den Sinn: "Inspire the young generation" ("Inspiriere die junge Generation") - dieser Geist war selbst abseits der Hauptstadt, im 190 Kilometer Weymouth zu spüren. Im Revier der Segler herrschten perfekte Bedingungen. "Die Briten haben sich echt ins Zeug gelegt. Auch das Wetter hat gepasst. Und die Jugendlichen in der Stadt waren vor Begeisterung am Durchdrehen", sagt der Rostocker. Gut zwei Wochen genoss er das olympische Gefühl an der britischen Südküste, wenngleich nicht als Tourist, sondern als Honorar-Trainer des kanadischen Segler-Teams.

"Ich habe die Einhand-Seglerin Danielle Dube betreut. Sie hat ihren bislang besten Wettkampf abgeliefert und einen Mittelfeldplatz belegt", zeigt sich Philipp rückblickend zufrieden. Dass sein Schützling im Laser Radial, der kleinsten olympischen Bootsklasse, nach zehn Wettfahrten nichts mit dem Medaillenausgang zu tun hatte, liege in der Natur der Sache, schließlich gehöre Kanada nicht zu den führenden Seglernationen. "Ich bin zweimal nach Halifax geflogen, habe die Trainingslager organisiert und war bei den Weltcup-Rennen in Europa mit dabei", erklärt der "Macher" sein halbjähriges Engagement für die "Ahornblätter".

Dass der promovierte Sportwissenschaftler und Soziologe heute weltweit ein gefragter Mann an der Pinne ist, scheint kein Zufall zu sein. Als Finn-Segler gehörte der Weltmeister Anfang der 90er Jahre der deutschen Nationalmannschaft an und steuerte den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta entgegen. Nach einem schweren Verkehrsunfall 1994 musste er jedoch seine aktive Laufbahn vorzeitig beenden. "Ich musste mir neue Ziele stecken", sagt Philipp. Er entschloss sich zu einem Sportstudium in Leipzig und promovierte später in Rostock. Nebenbei jobbte er als Segeltrainer, "weil das Geld aus dem Stipendium knapp war".

Insofern kam ihm im Jahr 2000 das "Mega-Angebot" aus der Türkei gerade recht. "Der türkische Segelverband suchte jemanden, der eine Infrastruktur für Leistungssport aufbaut. Sie haben so lange gebohrt, bis ich nicht mehr Nein sagen konnte", erinnert sich der Weltenbummler. In Istanbul tauchte er mit Ehefrau Katrin und seinem Sohn in eine völlig neue Welt ein. "Es wurde nicht geredet, sondern gehandelt", sagt Philipp. Als er beispielsweise den Bau eines Kraftraumes zur Verbesserung der Athletik vorschlug, gab man ihm ein A4-Blatt in die Hand: "Ich sollte aufzeichnen, wie der Raum aussehen soll. Dann wurde er einfach gebaut", beschreibt der "Exot" die Mentalität am Bosporus. Seine projektorientierte Arbeit trug Früchte: Bei den Spielen in Sydney stand für die türkischen Segler ein siebenter Platz, bei der WM 2001 ein fünfter Platz zu Buche.

Angesprochen auf sein Erfolgsrezept, sagt der Trainer: "Segeln ist wie Schachspielen auf dem Wasser. Das Material ist annähernd gleich. Ich kann den Sportlern nur Taktiken und Strategien vermitteln, sie selbst schneller machen."

Philipps Engagement reichte bis zu den Olympischen Spielen 2004 in Athen, ehe er vom Deutschen Segler-Verband "abgeworben" wurde. Als Chefbundestrainer aller acht olympischen Bootsklassen führte er die Mannschaft 2008 nach Peking. "Dort haben wir immerhin eine Medaille geholt." Dennoch zog er nach Querelen mit dem Verband 2009 die Reißleine. "2008 wurde der Stützpunkt in Rostock dichtgemacht. Ich hätte nach Kiel umziehen müssen. Das war für mich das Signal, aufzuhören", begründet er den Bruch.

Seither tritt der 43-Jährige kürzer, "weil ich nicht mehr 250 Tage im Jahr unterwegs sein will". Stattdessen schreibt er Regatta-Fachbücher, arbeitet an einer Segel-App oder engagiert sich in der Rostocker Kommunalpolitik. "Ich bin in der luxuriösen Lage, keinen Druck zu haben", sagt der Rostocker und blickt entspannt auf die Warnow - vielleicht den nächsten Olympischen Spielen entgegen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen