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Lokales

13. Dezember 2017 | 10:26 Uhr

Seenland: Konsens und Konflikte

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erstellt am 20.Mai.2010 | 08:35 Uhr

Bützow/Sternberg | Fünf Jahre nach seiner Gründung ist der Naturparkplan für den Naturpark Sternberger Seenland fertig. Zwei Jahre Arbeit liegen hinter den Beteiligten. Ergebnis sind drei dicke Bände mit Hunderten Seiten. Neben Leitbild und Zielen, Daten und Fakten zum Naturpark wurden in dem Plan 50 Projekte, die kurz- bis mittelfristig umgesetzt werden sollen, herausgearbeitet. "Ziel ist, Natur und Landschaft im Naturpark zu erhalten und weiter zu entwickeln", sagt Cathinka Eick, Dezernentin für Naturparke im Landesamt für Umwelt, Natur und Geologie (Lung) in Güstrow.

Dabei, so betont Eick, ist der Naturparkplan rechtlich nicht verbindlich, vielmehr gehe es darum, einen Konsens zu schaffen zwischen den zum Naturpark gehörenden Landkreisen und Gemeinden, den Menschen und Unternehmen, die hier ansässig sind. "Durch den Naturpark wird es keine weiteren Einschränkungen geben. Er ist keine Behörde", sagt Cathinka Eick. Man werbe aber um Akzeptanz für Natur- und Landschaftsschutzmaßnahmen. Dabei gehe es beispielsweise darum, Landwirte zu überzeugen, Flächen nachhaltig zu nutzen und über Fördermöglichkeiten dafür aufzuklären. Zu den im Naturparkplan formulierten Projekten zählen zum Beispiel der Amphibienschutz auf Feldern, der Erhalt von Pflanzen- und Tierarten auf Feuchtgrünland, die Renaturierung von Gewässern und ehemaligen Mooren. Manche Landwirte stehen dem Naturpark durchaus skeptisch gegenüber, fürchten Einbußen und Flächenverluste.

Als ein Leitprojekt wird im Naturparkplan der Erhalt und die Vermehrung der Gemeinen Flussmuschel gesehen. Möglicherweise mit Folgen für den Bootsverkehr auf der Warnow. Der sei für die seltene Muschelart inzwischen zum Problem geworden. Cathina Eick spricht von einem "freiwilligen Verzicht". Der Kanuverkehr auf der Warnow müsse künftig gelenkt werden. Eine Arbeitsgruppe, in der auch Kanuverleiher am Tisch sitzen, befasse sich bereits mit dem Thema. "Wir brauchen einen nachhaltigen Kanutourismus", sagt Eick. Für den Naturpark sei der Wassertourismus ganz wichtig. "Damit punktet der Naturpark auch", so die Dezernentin. Ein Hauptziel sei schließlich auch, den naturverträglichen Tourismus im Sternberger Seenland zu fördern.

Da sieht Cathinka Eick erhebliches Entwicklungspotenzial. "Das Sternberger Seenland ist noch ein Geheimtipp", sagt sie. Längst nicht so überlaufen wie beispielsweise der Naturpark Usedom. Auch Tourismus-Projekte sind im Naturparkplan festgeschrieben, u.a. die Bildung einer touristischen Koordinierungsstelle. Grenzen seien zu überwinden. Drei Landkreise, sechs Ämter und 36 Gemeinden umfasst der Naturpark. Auch auf der Agenda: die Ausweisung von Naturpark-Routen für Radler, Wanderer und Reiter.

Ganz oben auf der Projekte-Liste steht das Bibermanagement. "Eine Besonderheit im Sternberger Seenland", sagt Cathinka Eick. Die Population wird an der Warnow gegenwärtig auf 300 bis 400 geschätzt. Nach 1990 wurden elf Elbe-Biber hier neu angesiedelt. Ziel ist es, dauerhaft einen Bibermanager zu beschäftigen. Problem: Die Wiederansiedlung des Bibers birgt auch Konfliktpotenzial, u.a. durch Fraßschäden an Feldfrüchten und Bäumen sowie Überschwemmungen durch Biberdämme.

Der Naturparkplan liegt noch bis 10. Juni in den zum Naturpark Sternberger Seenland gehörenden Amts- und Kreisverwaltungen öffentlich aus und ist auch im Internet unter www.np-sternberger-seenland.de einsehbar. Bis zum Jahresende soll der Managementplan dann endgültig festgeschrieben werden.

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