Sechs Augen gegen den Waldbrand

<strong>Eine Kamera</strong> des Systems 'Fire Watch'.
1 von 2
Eine Kamera des Systems "Fire Watch".

svz.de von
27. Juli 2010, 06:56 Uhr

Jasnitz | Die Bilderkette auf dem Computerbildschirm ähnelt einem Negativ-Filmstreifen, der auf seine Entwicklung wartet. Die obere von sechs Reihen zeigt zehn Bilder, die die Kamera bei ihrer 360-Grad-Drehung vom Feuerwachturm Bandenitz aufnimmt. Die anderen Reihen bestehen aus Grauton-Aufnahmen, die von den Türmen in Groß Laasch, Redefin, Karenz, Dadow und aus Poltnitz in die Jasnitzer Waldbrandzentrale gesendet werden. Sechs Kameras, sechs technische Augen, die 2006 installiert wurden, um möglichst schnell das zu zeigen, was die südwestmecklenburgischen Wälder vom Frühling bis zum Herbst bedroht: Feuer.

Die Zeiten, in denen Menschen auf die rund 35 Meter hohen Feuerwachtürme stiegen, um mit dem Fernglas nach aufsteigendem Rauch Ausschau zu halten, sind vorbei. Jetzt sind es Frauen wie Regina Quade, die parterre in einem hellen Raum im Forstamt Jasnitz sitzen und zwei Monitore im Blick haben. Unter den Bilderreihen auf dem linken Bildschirm tauchen regelmäßig rote Nachrichten in einer Textbox auf. "Rote Nachricht heißt, dass eine der Kameras etwas entdeckt hat", sagt Forstwirtin Quade. Sie sitzt seit knapp einer Stunde in der Zentrale und hat schon 49 rote Meldungen bekommen. Diesmal ist es ein Bild aus der Bandenitz-Reihe, das die 53-Jährige anklickt und vergrößert. Das, was im ersten Moment wie Rauch aussieht, hat nichts mit Feuer, dafür mit der Landwirtschaft zu tun. "Da rechts unten am Bildrand", sagt Regina Quade und tippt auf die Oberfläche des Monitors, "da sieht man noch den Traktor." Dieser zieht nicht nur einen Hänger, sondern auch jede Menge Staub vom abgeernteten Feld hinter sich her.

Sieben Brände in diesem Jahr gemeldet

Staub wie dieser, Rauch aus Fabrikschornsteinen, Windräder, Lkw-Konvois auf der Autobahn - all das sind Bewegungen, die ein digitales System meldet, das so einfach wie treffend Fire Watch, zu deutsch Brandwache, heißt. "Damit sind wir in der Lage, größere Waldgebiete lückenlos und permanent auf Rauchentwicklung zu überprüfen", sagt Matthias Fiedelmann, Sachbearbeiter im Forstamt Jasnitz. Die Wälder der Forstämter Ludwigslust, Conow, Jasnitz und Karbow sowie die des Bundesforstes Lübtheen werden von der Waldbrandzentrale im Leitforstamt für Waldbrandschutz in Jasnitz beobachtet.

Insgesamt, weiß Matthias Fiedelmann, habe es bisher in diesem Jahr in ganz Mecklenburg-Vorpommern 18 Waldbrände gegeben: "Sieben davon gab es allein in den Gebieten der Forstämter Ludwigslust und Conow." Die Feuer seien frühzeitig erkannt worden, der Schaden sei gering und jeweils unter einem Hektar verbrannter Fläche geblieben. Die Häufigkeit der Brände in dieser Region lässt sich unter anderem dadurch erklären, dass diese Region einen hohen, leicht entzündbaren Kiefernbestand aufweist. Gerade jetzt, wo fast durchgängig seit einem Monat die höchste Waldbrandwarnstufe, die Stufe 4, ausgerufen ist, ist die Gefahr eines Brandes extrem hoch.

An einer Wand in der Waldbrandzen- trale hängt eine Karte im A 0-Format. Unterteller große Kreise zeigen die Kamera-Standorte. Symbole und Punkte weisen auf die Stellen hin, an denen die Löschmannschaften im Ernstfall Wasser aus natürlichen Teichen, künstlich angelegten Gewässern oder Hydranten saugen können. Buchstaben- und Ziffern-Codes zeigen an, wo sich die Sammelstellen der Einsatztruppen befinden. Diese werden informiert, wenn die Kamerabilder auf dem Monitor eindeutig belegen, dass es irgendwo brennt. "Sind wir uns sicher, dann rufen wir sofort die Feuerwehrleitzentrale in Schwerin an", sagt Regina Quade. Von dort aus werden alle weiteren Maßnahmen ergriffen. Bedarf es einer genaueren Prüfung, dann wird rund acht Minuten gewartet, bis die Kamera sich um 360 Grad gedreht hat und das nächste Bild von der entsprechenden Stelle bereit stellt. Auch Kamera-Bilder anderer Türme werden genutzt, wenn sie in der Schnittstelle liegen.

Forstwirtin Quade scrollt sich weiter durch die roten Textzeilen. Kamera Groß Laasch hat etwas entdeckt. Wieder sieht es so aus, als wenn Rauch aufsteigt. Auf dem Bild ist aber nur eine Landmaschine zu sehen, die auf einem Feld unterwegs ist. Alles ist Staub trocken, bis auf ein paar Gewitter blieb der Regen aus. Kommt er, lang anhaltend und flächendeckend, dann wird die Warnstufe herabgesetzt. Doch auch dann bleiben die sechs technischen Augen der Fire Watch-Kameras weiterhin wachsam.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen