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Bürger-Protest Zu viel Erotik in Wüstmark

Von MARA | 20.02.2014, 21:45 Uhr

Bürger wollen kein Bordell neben Wohngebiet und möchten Prostitution zum Thema der Stadtpolitik machen

Ein florierendes Bordell gleich neben einem Wohngebiet – ist das vertretbar? Viele Wüstmarker sagen „Nein“ und machen Front gegen die geplante Erweiterung des Erotik-Kinos an ihrem Ortsrand. Obwohl sie sich durchweg als „liberal“ bezeichnen und Prostitution akzeptieren, haben sie Angst, dass das alte Wüstmark als Rotlicht-Viertel in Verruf gerät, die Kriminalität steigt, der Wert ihrer Grundstücke sinkt. Einige Bewohner haben sich vom Traum der ruhigen Wohngegend, die ihnen bei Baubeginn versprochen wurde, schon verabschiedet. Lärm in der Nacht und Streitereien auf offener Straße gehörten mittlerweile zum Alltag. Einige Nachbarn haben bei der Stadt bereits Widerspruch gegen den Bauantrag eingereicht.

„Es ist sogar schon mehrfach vorgekommen, dass mitten in der Nacht Männer, die aus dem Erotik-Kino kamen, bei uns klingelten und fragten, ob sie mal ein Taxi anrufen können, um nach Hause zu fahren“, berichten gleich zwei Nachbarn des Etablissements. Ein reines Kino sei dies ohnehin schon längst nicht mehr. Man sehe dort ständig „Damen unterschiedlicher Nationalitäten“ ein- und ausgehen.

Was den Ortsbeirat und die Anwohner besonders ärgert: Eher durch Zufall haben sie von der geplanten Erweiterung erfahren. „Schon als das Erotik-Kino, das vorher im Bereich Möwenburgstraße war, in Wüstmarks alte Post einzog, wurden wir nicht informiert. In einer Nacht- und Nebelaktion war es plötzlich da und wir mussten uns mit der Situation arrangieren“, sagt eine Nachbarin. Beim jetzt heiß diskutierten Anbau ging es aber nicht mehr um halbseidene Filme, sondern ganz konkret um „ein Bordell mit Bar und Prostitutionswohnungen“, sagt Ortsbeiratsvorsitzender Roland Süß. Dieser Antrag wurde von der Stadt nicht genehmigt, jetzt möchte der Eigentümer laut Süß lediglich einen „Anbau mit Wohnungen“. Da sich der Betrieb in einem Gewerbegebiet und das Gebäude in Privathand befindet, habe die Stadt kaum Spielraum. Es handele sich um ein rein privatrechtliches Verfahren, zu dem weder die Bürger noch der Ortsbeirat gehört werden müssten, erfuhr Roland Süß aus der Verwaltung. Und weiter: „Im Laufe der nächsten Woche wird es nochmal eine Anhörung mit dem Unternehmer geben, dann trifft die Stadt ihre Entscheidung.“ Die Wüstmarker hoffen, dass die Stadt bei der Entscheidung auch berücksichtigt, dass die Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas gleich neben dem Erotik-Kino ihren Versammlungsraum hat, dass sich in unmittelbarer Nachbarschaft ein Jugendförderverein befindet, und dass das Wohngebiet ebenfalls nur einen Steinwurf weit entfernt liegt.

Trotzdem würden die Wüstmarker gern ein offenes Ohr für ihre Sorgen finden. Deshalb schrieb Roland Süß bereits alle Fraktionen der Stadtvertretung an und schilderte den Fall. „Nur die Unabhängigen Bürger haben geantwortet und sich für uns stark gemacht“, resümierte er auf der Sitzung des Ortsbeirates. Reinhard Maltner, der seit 20 Jahren im Ortsbeirat saß und im Dezember sein Amt als Vorsitzender aus persönlichen Gründen niederlegte, hat im Internet recherchiert, wie andere Städte im Land mit dem Problem umgehen. In Ribnitz-Damgarten ist Prostitution beispielsweise im gesamten Stadtgebiet verboten, in Stralsund zumindest an öffentlichen oder öffentlich einsehbaren Orten. „Wir müssen Prostitution in Schwerin zu einem Thema in der Politik machen“, sagt Maltner. Bisher gäbe es in Schwerin noch keine Sperrgebietssatzung. „Ich würde gerne wissen, wie die einzelnen Fraktionen dazu stehen und wie sie sich die Zukunft auf diesem Gebiet vorstellen“, sagt der engagierte Wüstmarker.