Ein Angebot des medienhaus nord
Ein Artikel der Redaktion

Schwerin Zivilcourage am Lenkrad

Von CKOE | 03.03.2018, 08:00 Uhr

Frank Lindemann verfolgte einen Verkehrssünder und wurde jetzt von der Polizei ausgezeichnet

Frank Lindemann zögerte nicht einen Moment – und nahm die Verfolgung auf. Auf der Kreuzung Obotritrenring/Wittenburger Straße hatte sich ein Unfall ereignet, ein Transporter war beim Abbiegen mit einem entgegenkommendem Auto zusammengestoßen, Lindemann hatte die Situation beobachtet, sofort war ihm klar: Hier flüchtet jemand vom Unfallort. „Ich saß in meinem Auto und sah, wie der Transporter nach dem Unfall einfach weiterfuhr, da bin
ich hinterher“, erzählt der gelernte Fahrschullehrer, der heute als Gastronom arbeitet.

In der Jean-Sibelius-Straße stoppte der Transporter, der Fahrer stieg aus. Lindemann sprach den 29-Jährigen an, bat ihn, mit zurück zum Unfallort zu kommen. „Ich habe ganz ruhig mit ihm geredet“, sagt Lindemann. Und er hatte Erfolg: Der junge Mann setzte sich wieder in seinen Transporter. „Als wir am Obotritenring ankamen, hatte der Fahrer des anderen Wagens schon die Polizei gerufen, sein Auto war nicht mehr fahrtüchtig, der Radkasten defekt“, berichtet Lindemann.

Der mutmaßliche Unfallverursacher habe schon gewusst, warum er weitergefahren sei, sagt Schwerins Polizeichef Lutz Müller. Der 29-Jährige besitze keine Fahrerlaubnis („Mein Führerschein liegt in Flensburg“) und sei auch alkoholisiert gewesen – 1,28 Promille habe das Messgerät angezeigt.

Müller lobt Lindemanns „couragierten Einsatz“. Zugleich habe er mit Augenmaß gehandelt, sei mit dem eigenen Auto nicht schneller als erlaubt gefahren, habe Abstand gehalten und in jeder Phase darauf geachtet, sich nicht selbst zu gefährden. Für sein „vorbildliches Verhalten“ zeichnete der Polizeichef den 50-jährigen Schweriner mit einem Präsent aus.

Das Thema Unfallflucht macht der Polizei immer wieder zu schaffen. Etwa bei jedem dritten Crash verschwinde der Verursacher vom Ort des Geschehens, schildert Schwerins Polizeisprecher Steffen Salow. In der Masse handele es sich dabei allerdings um Unfälle auf großen Parkplätzen. Doch auch für einen Parkrempler gelte: Wer sich entferne, begehe Unfallflucht, mache sich strafbar, so Salow.

Frank Lindemann würde im Falle eines Falles wieder so handeln: „Was Recht ist, muss Recht bleiben“, sagt er.