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Ein Stahlformgestalter mit Faible für Holz Wo aus alten Balken Kirchen werden

Von KMUE | 20.12.2016, 12:00 Uhr

Jo Petzold baut Gotteshäuser im Mini-Format und sucht dafür einen Ausstellungsort

Er selbst bezeichnet sich gern auch mal als „Löffelschnitzer“. Doch das, was Jo Petzold aus Holz zaubert, hat mit Löffeln nicht viel zu tun – genauer gesagt gar nichts. Denn aus alten Balken lässt der gebürtige Thüringer jetzt kleine Häuser und neuerdings auch Gotteshäuser entstehen. Aber nicht x-beliebige Kirchen sind es, die seine Wohnwerkstatt in der Schweriner Schliemannstraße zieren. „Das Lutherjahr steht bevor – im kommenden Jahr feiern wir das Jubiläum des 500. Jahrestags“, sagt Petzold. Und genau aus diesem Grund hat sich der Wahl-Mecklenburger entschieden, Kirchen nachzubauen. Handwerklich tätig ist er aber schon sein ganzes Leben: Der gelernte Stahlformgestalter hat an so manchen Orten im Schweriner Umland seine Handschrift hinterlassen – beispielsweise mit meterhohen Weiden-Domen in Flessenow. Inspiration holt er sich auf dem Lande – lebt abwechselnd zu seiner Wohnwerkstatt in der Stadt auch in Consrade und in Flessenow.

Vor zwei Monaten hat der 70-Jährige damit begonnen, aus alten Balkenresten kleine Häuser zu bauen. „Ich lasse mir immer etwas für Weihnachten einfallen – selbstgemacht, versteht sich“, sagt er und stellt ein Häuschen nach dem anderen auf den Tisch. „Für die Lieben gibt es jeweils ein Paar, denn ich finde es schöner, wenn sie zu zweit umziehen und nicht allein stehen“, erzählt Jo Petzold. Beim Plater Adventsmarkt war er auch vertreten und hat seine Häuschen verkauft. „Eine Frau hat sogar gleich mehrere mitgenommen und wollte damit ein kleines Dorf unter dem Tannenbaum aufbauen“, erzählt der Hobby-Künstler.

Auch ein paar Auftragsarbeiten hat er bereits angefertigt. Der Clou an den Häuschen ist erst auf den zweiten Blick zu erkennen: ein kleines goldenes Rechteck. „Ein Gramm Gold – ich fand die Idee toll und habe mich gleich ans Werk gemacht“, erzählt der Hobby-Künstler.

Ein ganz besonderes Häuschen lässt er auf der Anrichte stehen. Es ist eine Art Glockenstuhl, denn in einer Fasche hängt eine kleine goldschimmernde Glocke. „Unverkäuflich“, sagt Petzold. Es ist eines der Stücke, die ihm besonders ans Herz gewaschen sind. Dazu gehört auch die Schlosskirche zu Wittenberg, an deren Tür Martin Luther 1517 seine 95 Thesen schlug. Da Jo Petzold aber eine Kirche allein zu wenig erschien, entschied er sich weitere europäische Kirchen, die sich der Reformation angeschlossen haben, nachzubauen. Ideen und Vorlagen findet er zuweilen in Zeitungen. „Ich habe dann das Bild und lege los.“ Meistens suche das Holz ihn. „Ich kann nicht losziehen und nach dem einen Stück schauen – das wird nichts. Es muss mich finden und dann wird es auch schön“, sagt er, holt seine Werkzeugtasche vor und setzt den Beitel an. Grüne Glasscherben sollen einen Platz in dem hellen Holzblock bekommen. „Das wird mal eine etwas modernere Kirche.“ Für diese und auch die anderen Gotteshäuser sucht Jo Petzold nun noch einen Ausstellungsort: „Ich könnte mir gut vorstellen, sie im nächsten Jahr der Öffentlichkeit zu präsentieren.“

Wer sich aber jetzt schon für eines der Häuser oder eine der Kirchen interessiert, kann sich bei Jo Petzold in seiner Wohnwerkstatt melden. „Und sollte das eine oder andere Gotteshaus noch einen neuen Besitzer bekommen, baue ich neue“, versichert er.