Ein Angebot des medienhaus nord
Ein Artikel der Redaktion

Schweriner BUND „Wir brauchen endlich ein Umdenken“

Von Mario Kuska | 07.06.2018, 12:00 Uhr

SVZ-Gespräch mit Corinna Cwielag, Landesgeschäftsführerin des BUND, über Umweltsünden und strittige Verkehrsplanungen

Zusätzliche Stege ins Wasser, umstrittene Betonnungen auf dem Wasser, in der Kritik stehende Baumfällungen, Einschnitte in Biotope oder Jetski-Lärm auf den Schweriner Seen – wenn die Natur einen Fürsprecher braucht, ist der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) zur Stelle. Mit Landesgeschäftsführerin Corinna Cwielag sprach Mario Kuska über die Besonderheiten ihrer Arbeit in der Landeshauptstadt.

Frau Cwielag, Sie sind mit dem BUND schon seit Jahren aktiv, was sind in der Landeshauptstadt bisher Ihre größten Erfolge?
Die Rettung des Burgseebiotops zur Buga war ein großer Erfolg für den BUND Schwerin. Das ist ein kleiner Bruchwald direkt an der Promenade an der Graf-Schack-Allee am Burgsee. Dort sind mehr als 80 Brutplätze gezählt worden. Ein wunderbares Stück Natur – ganz nah zum Erleben. Die Pläne hatten Betonkanten wie an der „Schwimmenden Wiese“ vorgesehen. Diese bilden ein unnatürliches Seeufer, das immer wieder von Vogelkot gereinigt werden muss. Der BUND wurde damals von sehr vielen Bürgern, die die natürlichen Seeufer erhalten wollten, mit Unterschriftenlisten und Spenden unterstützt. Genauso haben wir uns gefreut, dass so viele Bürger für den Erhalt der Naturschutzstation Zippendorf unterschrieben haben. So konnte die Schließung verhindert werden.

Was ist auf der anderen Seite liegengeblieben? Sind Sie an Herausforderungen gescheitert?
Dass der Naturschutzstatus für die Uferzonen der beiden Naturschutzgebiete Ziegelwerder und Kaninchenwerder zur Einrichtung von Badebuchten aufgehoben wird, hätten wir nicht für möglich gehalten. Das ist nach meiner Kenntnis einmalig in der Bundesrepublik, besonders weil davon nur wenige Privilegierte profitieren. Ein vorsichtiger Ausbau des Hafens wäre besser gewesen.

Welche Ziele ergeben sich daraus und wie empfinden Sie Ihr Zusammenwirken mit der Stadtpolitik und der Verwaltung?
Unser Ziel ist, dass der Respekt vor den wunderbaren Naturgütern Schwerins mehr ins Bewusstsein und das Verhalten aller rückt. Wir setzen weiter auf Wissen und freiwilliges Handeln. Mit Oberbürgermeister Rico Badenschier verbinden wir die Hoffnung auf frühzeitige Kommunikation für vernünftige Lösungen. Es wäre gut, wenn es Gespräche gibt, bevor der BUND geltendes Naturschutzrecht vor Gericht einfordern muss.

Sie sind sehr aktiv, was die Schweriner Seen angeht. Zuletzt gab es eine Unterschriftensammlung gegen das Fahren von Jetskis. Kommen Sie voran?
Die unzumutbare Belästigung von Anwohnern an den Seeufern und von Erholungssuchenden auf dem See durch Jetskis und Power-Boote ist nicht nur eine Sache des BUND. Als anerkannter Naturschutzverband weisen wir aber darauf hin, dass auch die Tierwelt in dem Vogelschutzgebiet durch diese rücksichtslosen Rasereien extrem gestört und gefährdet wird. Wir sind sehr zuversichtlich, dass die Jetski-Strecke nicht eingerichtet werden darf und dass auch die vorsätzlichen Verstöße der vergangenen Jahre jetzt endlich verhindert werden.

Wie beurteilen Sie allgemein das Bewusstsein der Schweriner, was die Natur und Umwelt angeht?
Am Info-Stand oder auf Exkursionen spüren wir viel Interesse für Natur und Umwelt. Unsere Forderungen wie zum Beispiel für den Erhalt der Naturschutzstation Zippendorf oder zum Stopp für Power-Boote und Jetski-Rasereien werden spontan von vielen Schwerinern unterstützt. Die Foren für die Freunde der Seen zeigen, dass es auch bei Wassersportlern einen großen Bedarf gibt, mehr zu wissen und mehr zu sprechen über Natur und Umwelt.

Wenn Sie selbst durch Schwerin gehen, was haben Sie am liebsten und was ärgert Sie?
Am liebsten habe ich die Nähe zum Wasser, höre gern die Möwen. Nur ein paar Schritte vom Bahnhof wartet eine Allee am Wasser, direkt am Theater der See, im Kulturgarten plätschert der Aubach... Das ist einfach wunderbar. Richtig traurig bin ich über eintausend abgesägte Bäume zwischen Zippendorf und Mueß für eine vierspurige Straße. Wer sich ernsthaft mit den Folgen des Verkehrs durch Abgase befasst, würde niemals als erstes die Bäume fällen. Das Altersheim hat jetzt gar keinen Puffer und Luftfilter mehr zum Verkehr. Das ist nicht nur naturverachtend, sondern gibt auch den Autos den Vorzug vor den Menschen. Für die Ein-und Ausfahrt auf der B321 im Osten nach Mueß hatte der BUND eine dritte Spur vorgeschlagen. Die hätte auch mit weniger Aufwand und schneller realisiert werden können als vier komplett neue Spuren mit einer riesigen Baustelle – noch dazu im Moor. Wir brauchen endlich ein Umdenken in der Verkehrsplanung für eine Verlagerung von Pendlerströmen auf öffentliche Verkehrsmittel.