Ein Angebot des medienhaus nord
Ein Artikel der Redaktion

Pingelshagen Wie der Vater so die Tochter

Von Katharina Hennes | 02.03.2018, 08:00 Uhr

Leitung im Doppelpack: Aus Verantwortung und Liebe zum Dorf führen Thomas und Colleen Grahl die Pingelshagener Wehr an

„Ganz ehrlich?“ Im Stillen hatte Thomas Grahl gehofft, dass sich vielleicht doch noch ein anderer findet, der freiwillig die Leitung der Pingelshagener Wehr übernimmt. Thomas Grahl arbeitet in Hamburg, kommt jeden Tag spät nach Hause und ist ganz nebenbei auch noch Gemeindevertreter. „Nicht gerade die besten Voraussetzungen für so ein verantwortungsvolles Amt“, sagt er. Aber der 50-Jährige ist sein halbes Leben in der Pingelshagener Wehr aktiv. Nie würde er es übers Herz bringen, diese Aufgabe abzulehnen und damit womöglich die Zukunft der Wehr aufs Spiel zu setzen. Also sagt er nicht „Nein“, als er vor eineinhalb Jahren gebeten wird, die Nachfolge für den mit 67 Jahren zu alt gewordenen Alfred Brauer anzutreten. „Thomas, du machst das jetzt kommissarisch“, hieß es damals – nur bis zur nächsten Wahl.

Heute muss Thomas Grahl schmunzeln, wenn er daran zurückdenkt. Es ist Sonntagnachmittag. Andere Familien sitzen zuhause bei Kaffee und Kuchen. Grahl sitzt im Büro der Feuerwehr im Dorfgemeinschaftshaus. Ein bisschen familiär geht es auch hier zu. Denn Grahl hat seine Tochter Colleen mitgebracht. Die beiden sind im Februar offiziell zu Leiter und Stellvertreterin gewählt worden. „Keiner sonst wollte. Also machen wir das jetzt“, sagt Grahl. „Denn ohne Führung, keine Feuerwehr. Und ohne Feuerwehr...“ Thomas Grahl mag gar nicht weiter sprechen. Die Feuerwehr ist für ihn viel mehr als „nur Brandschutz für die Gemeinde“. „Wir sind hier fast überall präsent“, sagt er. „Ob Osterfeuer, Herbstfeuer, Laternenumzug oder Kinderferienlager – das alles organisiert die Wehr“, sagt Grahl. Jeden zweiten Freitag trifft sich die Truppe im Gerätehaus. Zum Üben, zur Wartung der Geräte und zum Klönen. „Wir sind eine kleine Wehr mit einer Grundausstattung, die schnell zur Stelle ist, wenn im Ort Hilfe gebraucht wird.“ Vier Mal war das im vergangenen Jahr der Fall. Bei einem Fahrzeugbrand, einem Hausbrand und zwei Sturmschäden.

Thomas Grahl gehört zu den dienstältesten Mitgliedern der Pingelshagener Wehr. Er ist dabei, seit er vor 27 Jahren von Böken nach Pingelshagen zog. „Für mich war es einfach die beste Möglichkeit, Menschen kennen zu lernen“, sagt er. Als er eintrat, hatte die Wehr mehr als 30 Mitglieder, heute sind sie 20. Das letzte neue Mitglied ist vor zwei Jahren eingetreten. Es wird schwieriger. Von Jahr zu Jahr. „Wer heute die Gemeinschaft im Dorfleben sucht, der kann auch in den Sportverein eintreten“, sagt Thomas Grahl. „Da geht man hin, wenn man Zeit hat und ist an keine Verpflichtungen gebunden.“

Die Grahls nehmen die Verpflichtungen in der Wehr ernst. Das liegt in der Familie. Colleens Opa, ihr Vater, die ältere Schwester auch und ihre Mutter – sie alle waren und sind bei der Feuerwehr. Schwester Janine lebt heute in Trier und arbeitet dort ehrenamtlich für die Wehr. Auch Colleen wohnt inzwischen in Hamburg. Deswegen ihre Arbeit in der Pingelshagener Feuerwehr aufzugeben, stand nie zur Debatte. „Ich komme so gerne jeden Freitag nach Hause“, sagt sie. „In Pingelshagen leben meine Freunde. Feuerwehr ist nicht nur mein Hobby. Wir sind eine fest zusammengeschweißte Truppe. Da macht es doppelt Spaß.“