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Lübstorf Weichen stehen auf Abschied

Von SALA | 21.12.2017, 12:00 Uhr

Noch sitzt ein Fahrdienstleiter im Lübstorfer Stellwerk, doch bald wird zentral aus Berlin gesteuert – Torsten Peisker erklärt seinen Beruf

Der Zug mit der Nummer 2217 rauscht durch. Er ist auf dem Weg nach Stuttgart. Dass der Inter City 2217 Lübstorf reibungslos passieren kann, hat er mehr oder weniger Torsten Peisker zu verdanken. Der Fahrdienstleiter hat vor wenigen Minuten einen Anruf bekommen, vom Kollegen aus Bad Kleinen. Dieser hatte nach einer Freigabe gefragt, denn in Lübstorf wird aufgrund der Bauarbeiten der Deutschen Bahn an der Strecke zwischen Bad Kleinen und Schwerin der Verkehr derzeit eingleisig geregelt.

Torsten Peisker und seine Kollegen sind dafür zuständig, dass der Zugverkehr einwandfrei rollt, pünktlich in den Bahnhöfen ankommt, kein Aufeinandertreffen der Schienen-Fahrzeuge passiert. Das ist eine verantwortungsvolle Aufgabe für die Fahrdienstleiter in den Stellwerken. Die Deutschen Bahn betitelt sie als die Chefs der Bahnhöfe. In Lübstorf sitzt noch bis Januar ein solcher Chef im Stellwerk. Dann wird die Strecke aufgrund der Bauarbeiten voll gesperrt und danach von Berlin aus geregelt. Aus diesem Grund wurde vor kurzem das elektronische Stellwerk angeliefert und aufgebaut (SVZ berichtete). Demnächst kommen die Signale auf elektronischem Weg im Ort an. Bis dahin steuern noch Torsten Peisker und seine Kollegen manuell den Verkehr.

Zugnummer 68773 rollt an den Fensterscheiben des Lübstorfer Stellwerks vorbei. „Wenn die Strecke gelb aufleuchtet, dann ist der Abschnitt frei. Wenn der Zug im Abschnitt ist, sind die Signale rot“, erklärt der Grabower kurz das System am Stelltisch. Durch einen kleinen Druck auf die jeweiligen Knöpfe gibt er die Strecke frei. Wenn ein Zug anrollt, notiert er das handschriftlich in einem Protokoll. Auf dem Computer-Bildschirm neben ihm hat er Einsicht in den Fahrplan. Güterzüge, Züge des Fernverkehrs, Odeg-Züge – „rund 50 Fahrzeuge“ lässt Torsten Peisker in einer Schicht passieren. 150 sind es innerhalb von 24 Stunden. Fahrdienstleiter geben das „O.k.“ – oder auch nicht. Denn wenn die Strecke, wie in Lübstorf, eingleisig in Betrieb ist, dann muss ein Zug auch mal in die „Parkbucht“, damit ein anderer vorbeifahren kann.

Ein 600 Meter langer Güterzug ist gerade auf der Strecke. Torsten Peisker ist seit 1998 Fahrdienstleiter, seine Ausbildung hat er 1977 in Ludwigslust angefangen, als Weichenwärter. „Wir suchen stets nach Nachwuchs“, sagt Olaf Klabunde, Leiter des Arbeitsgebietes Betrieb für den Bereich rund um Lübstorf. Das Durchschnittsalter liegt bei 54 Jahren. Dabei ist Fahrdienstleiter keine Männerdomäne, rund 50 Prozent Frauenanteil gibt es in Lübstorf. 30 Prozent im Netzbetrieb. Die Stellwerke sind 24 Stunden besetzt. „Dass örtliche Stellwerke geschlossen werden, habe ich öfter mitgemacht“, so Peisker. Denn die Fahrdienstleiter sind nicht immer an einem Ort im Einsatz, sondern rotieren.

Zugnummer 62949 rauscht vorbei. Wieder ein Güterzug. Am 8. Januar um 13 Uhr wird das Fahrdienstleiter-Stellwerk in Lübstorf geschlossen. Auch Carlshöhe wird zugemacht. Torsten Peiker und seine Kollegen sind dann in anderen Orten die Chefs am Bahnhof.

Mehr Informationen:

Info

Service: Vom 8. Januar bis 14. April 2018 müssen beide Gleise zwischen Bad Kleinen und Schwerin gesperrt werden. Der Zugverkehr wird durch Busse ersetzt. Entsprechende Pläne hängen an den Haltestellen aus. Detaillierte Informationen gibt es unter www.deutschebahn.de/reiseauskunft, www.deutschebahn.com/bauinfos sowie unter www.odeg.de.