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Parchim/Crivitz Warnstreik legt Busverkehr lahm

Von METT | 23.01.2018, 21:00 Uhr

Busfahrer kämpften bis 10 Uhr um mehr Lohn. Doch die Information kam nach Auffassung vieler Betroffener zu spät.

Die Gewerkschaft Verdi und der Kommunale Arbeitgeberverband kommen am heutigen Mittwoch in Rostock zu ihrer dritten Tarifrunde zusammen. Um noch mehr Druck auf den Verhandlungspartner auszuüben, fanden in dieser Woche Warnstreiks der Busfahrer statt – heute im Landkreis Ludwigslust-Parchim.

Vor dem Tor der Parchimer Betriebsstelle der Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim hatten sich die Busfahrer in den frühen Morgenstunden am kleinen Lagerfeuer versammelt. Sie ließen ihre Busse im Depot. Lediglich der Rufbus und die Partnerunternehmen für den Rufbus waren nicht vom Streik betroffen.

Auch mehr als 25 Jahre nach der Wende gebe es noch immer starke Unterschiede im Lohngefüge, das könne so nicht weitergehen, schimpften die Busfahrer in Parchim. „Wir sind meistens zwölf Stunden am Tag auf der Arbeit und bekommen nicht die ganze Zeit bezahlt“, sagt einer der Fahrer und erläutert, dass nach der morgendlichen Runde eine Pause von einigen Stunden anfällt, bis gegen Mittag die nächsten Runden folgen. Diese Leerzeit werde nicht bezahlt, obwohl die Mitarbeiter vor Ort sind.

Tobias Packhäuser von der Gewerkschaft betont, dass die geforderten 180 Euro monatlich sehr wichtig für die Busfahrer sind. „Mit dem derzeitigen Gehalt kommen wir nicht auf die notwendigen Rentenpunkte und somit würde später die Altersarmut drohen, und dagegen wollen und müssen wir gemeinsam ankämpfen“, sagt der Gewerkschafter. Nach seinen Angaben sind in der Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim 210 Busfahrer angestellt. Kreisweit werden rund 10 000 Schüler pro Tag zu ihren Schulen befördert.

Gerade die Schüler wurden von dem Warnstreik kalt erwischt. Denn die Ankündigung des Streiks erreichte längst nicht alle Eltern und Schulen rechtzeitig, so dass heute früh eine Reihe von Kindern an den Haltestellen stand und vergeblich auf einen Bus wartete. Gerade die Eltern von Grundschülern reagierten aber schnell: Viele fuhren ihre Kinder mit dem Auto zur Schule.

Alle Kinder da, hieß es so in Sukow. Auch an der Grundschule in Crivitz waren die meisten Mädchen und Jungen pünktlich zum Unterricht erschienen. Vor dem Schulgebäude wurde es zwar noch enger als sonst, aber letztlich ging alles gut über die Bühne. Der Unmut der Eltern hielt sich in Grenzen, größer war eher die Besorgnis, wie die Fahrschüler nach Unterrichtsschluss nach Hause kommen. Denn in den Morgenstunden war noch nicht klar, dass der Warnstreik um 10 Uhr beendet wurde. Danach rollten die Busse wieder von den VLP-Betriebshöfen. „Punktuell kann es noch zu Einschränkungen kommen“, hieß es am Mittag.

Richtig ärgerlich war der Streik für die Schüler von zwei siebten Klassen vom gymnasialen Schulzentrum in Stralendorf. Die wollten sich am Vormittag im Schweriner E-Werk das Theaterstück „Die Geschichte von Lena“ anschauen. Da der Bus nicht fuhr, wurde daraus nichts. Und mehr noch: Die Kosten für die Eintrittskarten werden dennoch fällig. Ansonsten gab es auch in Stralendorf einen normalen Unterrichtstag. 681 Kinder und Jugendliche besuchen dort die Klassen eins bis zwölf. 181 Kinder fehlten heute – vor allem in den Klassenstufen fünf bis zehn, berichtet Schulleiter Thilo Kreimer.

Kritik an der mangelhaften Information weist Frank Schischefsky vom Verdi-Landesbezirk Nord in Kiel zurück. „Wir informieren rechtzeitig, damit die Fahrgäste, insbesondere die Eltern, die Möglichkeit haben, ihre Planung darauf abzustimmen.“

Der Kreis Ludwigslust-Parchim als zuständige Behörde für den Schülerverkehr erfuhr erst am späten Montagnachmittag vom Streik und gab umgehend eine Pressemitteilung heraus.