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Schwerin Theater ist wie ein Wunder

Von BERT | 27.03.2018, 16:00 Uhr

Hinter den Kulissen der Schweriner Bühne: Chefdisponentin Anke Techentin plant den Spielplan für Jahre im Voraus

Das Theater kennt jeder. Doch was passiert hinter den Kulissen? Und wer ist wofür zuständig, damit der innere Betrieb funktioniert und die Zuschauer das Theater als Erlebnis genießen können? SVZ stellt diese Woche einige Akteure vor, die nicht auf, sondern hinter der Bühne tätig sind. Heute: Chefdisponentin Anke Techentin.

Die erste Schauspiel-Premiere der übernächsten Spielzeit gibt es am 20. September 2019. An diesem Abend werden keine anderen Veranstaltungen im Großen Haus des Mecklenburgischen Staatstheaters stattfinden können. Fest steht zudem, dass zwei Wochen vorher die technische Einrichtung der Bühne erfolgen muss und Zeitfenster zwischen den Proben für die Erarbeitung der Lichtstimmungen eingeplant werden müssen. Außerdem ist es notwendig, dass mindestens eine Woche vor der Premiere zur Komplettprobe auch alle Kostüme und Perücken fertig und ausreichend Beleuchter, Bühnen- und Tontechniker da sind. Damit das alles klappt, hält Anke Techentin ihre Augen immer offen. Die Chefdispontentin sorgt dafür, dass das künstlerische und technische Personal sowie Abenddienst und Feuerwache zur Verfügung stehen, Kulissen, Requisiten und Kostüme rechtzeitig fertig sind und die technischen Voraussetzungen gegeben sind.

„Ich mag das Theater und kenne das Haus. Vor 14 Jahren habe ich hier als Regieassistentin angefangen, wurde 2012 Leiterin des Künstlerischen Betriebsbüros und bin seit Beginn dieser Spielzeit auch Chefdisponentin. Es ist ein toller Job“, versichert sie. Verantwortung tragen, vorausdenken und planen sei die eine Seite der Medaille, jeden Tag mit ganz unterschiedlichen Menschen umzugehen die andere. „Es ist ein gigantischer Kosmos“, fasst die stets gut gelaunte Frau zusammen. Einfach sei die Arbeit aber nicht, gibt sie unumwunden zu. Sechs Sparten unter einen Hut zu bringen, sei eine echte Herausforderung. „Natürlich wollen immer alle ins Große Haus. Und wenn etwas besonders gut läuft wie etwa in der vergangenen Spielzeit ,My Fair Lady‘, werden Wünsche laut, möglichst sofort Zusatzvorstellungen zu organisieren. Doch dafür müssen die Voraussetzungen gegeben sein. Da reicht es nicht, nur die Darsteller auf der Bühne zusammenzubekommen.“

Wenngleich auch dies zur Herausforderung werden kann. „Theater ist ein Wunder“, sagt Anke Techentin. „Eigentlich kann auf und hinter der Bühne passieren was will, gespielt wird immer. Echt problematisch wird es nur, wenn Künstler erkranken.“ Dann müsse möglichst rasch Ersatz gefunden und geholt werden. „Ich musste auch schon mal nach Hamburg zum Flieger und nach Ludwigslust zum Zug“, erinnert sie sich. Doch so etwas sei die Ausnahme. „Ich bin für die Planung zuständig, nicht für die Ausführung. Das organisieren dann die Abteilungsleiter“, erklärt sie. Zwei Computer helfen ihr dabei. Nur mit einem Acht-Stunden-Tag wolle es nicht so recht klappen. Aber dafür sei Theater ja auch ein Wunder.