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Hilfe für Bedürftige Tafel kommt an ihre Grenzen

Von CKOE | 14.08.2015, 21:00 Uhr

Zahl der Bedürftigen steigt: Immer häufiger stehen an der Ausgabe in der Petrusgemeinde im Mueßer Holz auch Flüchtlinge in der Schlange

„Ohne die Tafel käme ich nicht über die Runden“, sagt Marlis M. (Name der Redaktion bekannt). Knapp 100 Euro bleiben der Hartz-IV-Empfängerin nach Abzug aller Unkosten im Monat zum Leben. Deshalb kommt die 61-Jährige, die nach der Wende ihren Job verlor und aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten kann, jede Woche zur Ausgabestelle der Schweriner Tafel in der Petrusgemeinde im Mueßer Holz. Und Marlis M. ist längst nicht die Einzige, die das Hilfsangebot nutzt.

Alte und junge Menschen, Alleinstehende und Familien mit Kindern, Deutsche und Ausländer – sie stehen jeden Donnerstag in der Schlange, um sich eine Tüte mit gespendetem Brot, Obst, Gemüse und anderen Lebensmitteln abzuholen. Armut in Schwerin. „Die Zahl der Bedürftigen steigt“, berichtet Gemeindepädagoge Thomas Ruppenthal. Hätten in der Vergangenheit stets so um die 100 Menschen an der Ausgabestelle angestanden, seien es in diesem Sommer schon mal mehr als 200 gewesen. „Erstmals mussten wir Leute wegschicken. Wenn der Ansturm weiter so groß ist, kommen wir langsam an unsere Grenzen“, so Ruppenthal. Schließlich sei der Nachschub an Lebensmitteln nicht unbegrenzt.

Immer häufiger reihen sich auch Flüchtlinge unter die Wartenden im Gemeindezentrum in der Ziolkowskistraße ein. Asylbewerber aus Syrien, Afghanistan, dem Iran, Eritrea und anderen Ländern sind dankbar für die Unterstützung. „Wer um Hilfe bittet, dem wird geholfen“, erklärt Ruppenthal. Nicht nur mit Lebensmitteln, sondern auch mit gutem Rat.

So gerecht wie möglich versuchen Ruppenthal und seine Mitstreiter, die Verteilung der Lebensmittel zu organisieren. „Bedürftigen Menschen zur Seite zu stehen, ist ein Ausdruck unseres Glaubens“, sagt Michael Schönmehl vom Kirchgemeinderat, der bei der Ausgabe hilft. Dabei gehe es nicht nur um materielle Unterstützung, sondern auch um emotionale Zuwendung, die den Betroffenen Halt gäbe.

So kommt auch Marlis M. nicht allein wegen der Lebensmittel in die Petrusgemeinde. „Der Kontakt mit den anderen Gästen tut mir gut“, betont die Schwerinerin. Dass die Tafel einmal ihr Angebot einschränken müsste, mag sie sich nicht vorstellen.