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Landwirtschaft investiert Sülter Kartoffelmarkt eröffnet neue Lagerhalle

Von Katja Müller | 16.10.2020, 17:01 Uhr

Regionalität fördern: 1,6 Millionen Euro investiert die Agp Lübesse für Lagerflächen in den Sülter Kartoffelmarkt

Eine würzige Duftnote aus frischen Kartoffeln und Holz liegt in der Luft. Meterhoch stapeln sich große Kisten aus frischen Kiefer- und Fichtenbrettern. Welche Kartoffelsorte sie beherbergen, das ist auf Schildern zu lesen: Belana, Baby Lou, Santera oder Lilly. Bis zu 3300 Tonnen Kartoffeln haben jetzt Platz in der neuen Lagerhalle des Sülter Kartoffelmarktes. Bislang lag die Grenze bei 600 Tonnen. Der Mutterkonzern, die Agrarproduktgesellschaft (Agp) Lübesse, hat in den vergangenen Jahren gut 1,6 Millionen Euro in die zusätzliche Lagerkapazität Investiert. "Ziel war es immer, das, was wir ernten, auch vor Ort lagern zu können. In den vergangenen Jahren mussten wir die Ernte teilweise auswärts unterbringen. Zusätzliche Wege: zusätzliche Kosten", sagt Agp-Geschäftsführer Rainer Mönch.

Am Freitag war es nun so weit: Die 28 Meter breite und 72 Meter lange Halle war fertig und sogar schon eingeräumt. Kunden, Vertreter der Baufirmen, des Landwirtschaftsministeriums und des Landkreises konnten sich genau anschauen, was am Standort Sülte nach drei Jahren Planungsphase entstanden ist. Denn erste Ideen, den Kartoffelmarkt mit einer zusätzlichen Lagerhalle auszustatten, gab es bereits 2017. Die wurden binnen eines Jahren konkretisiert.

Schwer verdientes Geld

"Wir haben im November 2018 den Bauantrag gestellt und im April 2019 mit dem Bau beginnen können", blickt Rainer Mönch zurück und richtet im gleichen Atemzug einen Dank an Ministerium und Verwaltung. Es sei nicht selbstverständlich, dass das so schnell und unkompliziert laufe, betonte er. Der Geschäftsführer ließ aber auch nicht unerwähnt, dass es sich bei Investitionen in so einer Höhe um "schwer verdientes Geld" handle. Immerhin würden drei schwere Jahre mit der Milchproduktion hinter dem Betrieb liegen.

Die Agp hat aktuell 1000 Milchkühe. Zu den Standbeinen des 100-Mann-Unternehmens gehört auch ein Geflügel-Zweig. "Dort sieht es aktuell alles andere als rosig aus. Wir haben steigende Produktionskosten und gleichzeitig sinkende Verkaufspreise. Wir setzen jetzt all unsere Hoffnung in die Kartoffel", sagt Rainer Mönch.

„Wir setzen jetzt all unsere Hoffnung in die Kartoffel“
Rainer Mönch, Geschäftsführer der Agp Lübesse

Bislang war das Unternehmen, das die Handelsketten Edeka und Norma im Norden mit Kartoffeln beliefert, auf so genannten Vertragsanbau in der Nähe von Uelzen angewiesen. Nun wurden der Kartoffel-Anbau auf den eigenen Flächen erweitert und Kooperationen mit Landwirtschaftsbetrieben aus der Nachbarschaft geschlossen. Insgesamt wurden rund zwei Millionen Euro in den vergangenen zwei Jahren für diese Sparte investiert.

So gab es im vergangenen Jahr einen neuen Kartoffelroder und auch bei der Verpackung der Ware wurden Neuerungen eingeführt. "Wir setzen hier am Standort auf Regionalität und wollen künftig noch mehr versuchen, mit dem Endverbraucher in Kontakt zu treten", sagt Steffen Schwedt, Chef des Kartoffelmarktes Sülte. Mit der neuen Halle lasse sich die eigene Ware vor Ort lagern und das gesamte Jahr direktvermarkten.

Möglich macht das unter anderem eine moderne Kühlanlage. Gut eine Woche dauert es, bis alle Kartoffeln nach der Ernte in Kisten verpackt in der Halle stehen. Die Raumtemperatur liegt anfangs bei 14 Grad Celsius. Gut zwei Wochen braucht die Kühlung, um die End-Temperatur zu erreichen. "Die Anlagen schaffen je Tag ein halbes Grad runterzukühlen.

Anlage schaltet automatisch ab

Am Ende brauchen wir für die Lagerung der Kartoffeln 4,5 Grad Celsius", erläutert Steffen Schwedt und zeigt auf große silberfarbene Rohre am hinteren Ende der Halle. Sie befördern die Kalte Luft nach oben auf die Kisten, diese fällt nach unten ab und kühlt so die Kartoffeln in den Kisten. Ist die Außentemperatur nah am Wunschwert, schaltet die Anlage automatisch ab.