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Schwerin Straße der Schul-Besten gerettet

Von BERT | 12.12.2017, 08:00 Uhr

Keramik-Tafeln mit den Namen der Top-Schüler der POS „Karl Marx“ werden vor Abriss des Gebäudes ausgebaut und eingelagert

Ralf Saase hat vor 30 Jahren seine Schulabschlussprüfungen der Mittleren Reife an der Polytechnischen Oberschule „Karl Marx“ in Schwerin mit Auszeichnung bestanden. Das ist auf einer Keramik-Tafel verewigt, die im Innenhof der früheren POS, dem späteren Lessing-Gymnasium und noch späterem Ausweich-Quartier des Goethe-Gymnasiums, angebracht ist. Jetzt soll dieser DDR-Plattenbau abgerissen werden. Die Keramik-Platten aber werden dank der Initiative von Ralf Saase gerettet. Sie sollen fachgerecht ausgebaut und dann vorerst ins Depot des Stadtgeschichtsmuseums kommen.

„Wir hatten dieses Jahr Klassentreffen. Dabei kamen wir auch auf die Straße der Besten zu sprechen, denn alle wissen, dass unsere alte Schule abgerissen werden soll. Wir meinten, dass es viel zu schade wäre, wenn diese Keramik-Platten auf dem Schutt landen würden“, erzählt der Schweriner, dessen Geschwister übrigens auch namentlich auf den Tontafeln verewigt sind.

Bei Gesine Kröhnert und Norbert Credé vom Mueßer Volkskundemuseum stieß er auf offene Ohren. „Das sind Zeitzeugnisse, die ein Stück Stadtgeschichte repräsentieren“, sagt Historiker Credé. „Meines Wissens nach gibt es so eine künstlerisch gefertigte Straße der Besten an keiner anderen Schule im Land“, ergänzt Volkskundlerin Kröhnert. Grund genug also, die steinerne Dokumentation aufzubewahren.

Auf den Tafeln sind die jeweiligen Schuljahre in Ton gebrannt, die Namen der Klassenlehrer der zehnten Klasse oder Klassen und dann die Namen der Schüler, die die POS mit Auszeichnung, mit „Sehr gut“ oder mit „Gut“ absolviert haben. Darunter befinden sich zum Beispiel heutige Stadtvertreter wie Lothar Gajek oder erfolgreiche Unternehmerinnen wie Heike Trupp. Die erste Tafel für das Schuljahr 1972/73 weist Sigrid Keller als Klassenlehrerin aus, Rüdiger Seemann war damals der einzige Schüler, der das Prädikat „Mit Auszeichnung“ erhielt. Der letzte an der Wand verewigte Jahrgang ist der von 1987/88 mit drei Tafeln. Dort sind die Namen von Jan Retzlaff, Andreas Schulz, Mathias Kliemchen und Claudia Zabel als die Jahrgangsbesten notiert.

„Es gibt aber noch weitere Ehrentafeln für die folgenden Schuljahre 1988/89 und 1989/90, die aber nicht mehr angebracht wurden“, erzählt Klaus Lappe. Er hatte sie beim Ausräumen der Schule gefunden und sichergestellt. Sie kommen jetzt ins Depot, die anderen Tafeln folgen, wenn sie ausgebaut sind. Das ist jedoch nicht so einfach. Denn sie sind mit einem Sockel in der Hauswand verankert. Deshalb sollen sie in den nächsten Tagen mit einer Flex herausgeschnitten werden.