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Schwerin Stadt will noch mehr Dienstleister sein

Von Timo Weber | 29.03.2012, 09:15 Uhr

Bei der Einschätzung der Arbeit der Behörden haben die Schweriner kein Blatt vor den Mund genommen.

Dabei hagelt es nicht nur Kritik, sondern auch Zustimmung und Verständnis. Ein Ansporn, sich noch mehr zu verbessern? SVZ fragte bei Schwerins Verwaltungschefin, Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow, nach.

"Ich werte die Ergebnisse als Qualitäts-Test für Stadt und Verwaltung und verfolge die Serie mit Spannung", sagt Gramkow. Besonders freue sie sich, dass mehrere Schweriner auch Verständnis für die schwierige Personalsituation in der Verwaltung geäußert haben. "Überarbeitung, Krankheit, Engpässe im Bürgerbüro - das kann auch schon mal zu schlechterer Laune führen", sagt die Oberbürgermeister. "Aber es darf nicht passieren." Die Stadtverwaltung sei schließlich Dienstleister für den Bürger. "Wir arbeiten daran, dass das jeder Mitarbeiter täglich verinnerlicht", sagt Gramkow.

Beschwerden der Schweriner nehme sie deshalb sehr ernst. Sie würden immer konkret mit den einzelnen Mitarbeitern ausgewertet. Und natürlich werde das Thema Bürgerkontakt auch bei Fortbildungen immer angesprochen. "Man muss lernen, immer ruhig und freundlich zu bleiben", sagt Gramkow. Um das praktisch zu üben, werden alle Auszubildenden der Verwaltung beispielsweise für einen bestimmten Zeitraum in Bereichen mit direktem Bürgerkontakt eingesetzt, berichtet die Verwaltungschefin.

Dass bei der Kritik an den Behörden vor allem das städtische Bauamt in den Fokus rückt, verwundert die Oberbürgermeisterin nicht. Dafür gibt es mehrere Gründe: "Es haben sich in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Bauvorschriften geändert", erklärt Gramkow. Hinzu kämen neue Verordnungen beim Denkmalschutz. "Viele Bauherren bekommen so das Gefühl, dass alles viel komplizierter ist", sagt Gramkow. Es gäbe aber auch Bauherren, die meinen, sie könnten machen, was sie wollen. Frei nach dem Motto "Ich fang dann schon mal an…" würden in jüngster Zeit verstärkt Tatsachen geschaffen, ehe die Baubehörde überhaupt involviert sei. "Die Zahl der gerichtlichen Auseinandersetzungen im Baubereich nehmen deutlich zu", sagt die Oberbürgermeisterin.

Ein weiteres Problem sei der Personalmangel im Amt. Da es bis vor wenigen Jahren immer weniger Bauanträge zu bearbeiten gab, sei auch in der Baubehörde das Personal reduziert worden. Jetzt jedoch - nach Wirtschaftskrise und niedrigen Zinsen für Kredite - sei Eigentum wieder gefragt. Entsprechend müssen wieder mehr Bauanträge bearbeitet werden. "Etwa seit einem halben Jahr verzeichnen wir eine erhebliche Zunahme der Bautätigkeit in Schwerin", berichtet die Oberbürgermeisterin. Das betreffe sowohl den Anstieg der Planungsleistungen als auch der Grundstücksverkäufe - Letztere zum Teil erheblich über dem Verkehrswert.

OB: Angebote über das Internet werden weiter ausgebaut

Was die Online-Dienstleistungen der Verwaltung betrifft, da müsse Schwerin wirklich noch nachholen, gesteht die Oberbürgermeisterin ein. Vor allem junge und berufstätige Schweriner haben das auch in unserer "Lebenswert"-Umfrage immer wieder gefordert. "Wir verstecken uns vielleicht auch zu häufig hinter dem natürlich sehr wichtigen Thema des Datenschutzes", sagt Gramkow. Sie würde sich für die Behördengänge der Bürger eine virtuelle Komplettleistung wünschen wie es beispielsweise ein Homebanking-Programm für die heimischen Bankgeschäfte leistet. "Aber die Realität ist leider anders", sagt die Verwaltungschefin.

Eine Datenbank mit Kita-Plätzen im Internet klinge zwar erst einmal gut. Doch mache sie natürlich nur Sinn, wenn man sie auch mit Angeboten füllen könne. "Wir haben aber keine freien Kita-Plätze in Schwerin, die wir nicht loswerden", so Gramkow.

Aber sie sehe den Nachholbedarf, sagt die Oberbürgermeisterin. "Und es ist auch einiges machbar." Bauanträge lassen sich beispielsweise schon per Internet einreichen. Auch für die Verlängerung der Anwohnerparkkarte braucht der Schweriner nicht mehr ins Stadthaus zu gehen, sondern kann das seit diesem Jahr vom heimischen Rechner aus erledigen. In Kürze soll es auch möglich werden, Kurse an der Volkshochschule online zu buchen. Mit der städtischen IT-Firma SIS arbeite die Verwaltung derzeit eifrig daran, in diesem Dienstleistungsbereich noch besser zu werden, verspricht Gramkow.

Erfreut reagierte die Oberbürgermeisterin im Übrigen auf den Fakt, dass auf den SVZ-Fragebögen keine direkte Kritik an ihrer Person geübt wurde. "Die Schweriner sehen und unterscheiden mich offensichtlich nicht als Oberbürgermeisterin und als Verwaltungschefin. Das ist für sie eins. Insofern ist die Kritik an der Verwaltung auch eine Kritik an mir", sagt Gramkow. Sie selbst führt regelmäßig Bürgersprechstunden durch, sei in den Stadtteilen unterwegs und halte den Kontakt zu den Schwerinern. "Da erfahre ich schon vieles und ernte auch Kritik und Lob." Aus ihrer Sicht gäbe es deshalb bei den meisten nur wenig, was sich aufgestaut habe, um letztlich auf einem Fragebogen zu landen. "Die Leute kommen vorher direkt auf mich zu."

Umfrage-Ergebnisse:

Lob und Kritik für Schwerins Behörden

Aus den Antworten auf den Fragebögen unserer Serie „Lebenswert“:
• „Höflichkeit der Mitarbeiter in Behörden hat sich erheblich verbessert.“
• „Bauamt miserabel! Baufirmen machen was sie wollen, Kontrolle und Sanktionen fehlen.“
• „Bei guter Arbeit der Behörden, hätte es nicht zu solchen gravierenden Fehlleistungen wie beim Tunnel Lübecker Straße und beim Radweg in der Wittenburger Straße kommen können.“
• „Im Bürgerhaus der Stadt mangelt es an Bürgerfreundlichkeit.“
• „Einigen Mitarbeitern in den Behörden fehlt es an Fingerspitzengefühl. Oft dauern Bearbeitungen viel zu lange.“
• „Stadthaus freitags geschlossen, nicht akzeptabel.“
• „Im Internet wird von der Verwaltung zu wenig angeboten.“
• „In den Behörden müssen immer weniger Leute immer mehr machen. Das spürt man in der Bürgerfreundlichkeit. Das liegt aber nicht an den Mitarbeitern, sondern am Gesellschaftssystem.“