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Altstadt Spektakulärer Baustart am Marienplatz

Von Maren Ramünke-Hoefer | 25.03.2012, 06:58 Uhr

Der Abschleppwagen musste am Sonnabendvormittag rund um den Marienplatz fast im Minutentakt falsch geparkte Autos aus dem Weg räumen - sie blockierten Wende- und Haltebereiche der Busse, die während der Sanierungsphase ungewöhnliche Wege fahren.

Lothar Matzkeit, Technischer Leiter des Schweriner Nahverkehrs, kennt solche Behinderungen von anderen Baustellen zur Genüge, sie werden in die Zeit-Planungen quasi mit einkalkuliert. Deshalb ist sein Resümee nach dem ersten Bau-Wochenende kurz: "Alles problemlos."

Für unbedarfte Passanten fühlte sich das zumindest am Freitagabend noch ein wenig anders an: "Ich wollte eigentlich mit der Straßenbahn nach Hause fahren, aber jetzt ist hier alles weg", ruft ein junger Mann sichtlich geschockt in sein Handy. Tatsächlich hat der Marienplatz zu diesem Zeitpunkt etwas Unwirkliches, fast gespenstisches: rot-weiße Absperrzäune, Bagger, Container, Bohrer, Schweißteams, geschäftig umhereilende Menschen in Warnwesten sowie Profi- und Hobbyfotografen beherrschen das Bild. "Wann werden denn die Schienen rausgeschweißt?", fragt ein Junge. Er müsste eigentlich schon nach Hause, will sich dieses Spektakel aber nicht entgehen lassen.

Das Ende des Marienplatzes in seiner bislang bekannten Form kam laut und heftig. Und knapp zwanzig Minuten zu spät. Denn um 20 Uhr, dem offiziell immer wieder angekündigten Start-Zeitpunkt für den sieben Millionen Euro teuren Umbau, waren die Gleise noch nicht frei. Ein Polizeieinsatz hatte mit mehreren Wagen die Schienen blockiert: Die Linie 2, die noch nach Lankow und wieder zurück über den Platz fahren musste, bevor die Bauarbeiten losgehen konnten, wartete lange und sorgte für die Verspätung. Der Nahverkehr muss seine Bahnen in den nächsten zwei Bau-Wochen nämlich aufteilen. Sechs von ihnen kommen nicht mehr zurück ins Depot und übernachten in Lankow-Siedlung und der Friedensstraße. "Wir bitten die Schweriner in dieser Zeit ein Auge auf unsere Straßenbahnen zu haben", sagt Nahverkehrs-Chef Norbert Klatt. Auch er begleitete den Baustart, genauso wie Amtsleiter Dr. Bernd-Rolf Smerdka und Projektkoordinator Reinhard Henning. Sie beobachteten dabei auch viele Privatwagen, die trotz Verbotsschildern noch die Abkürzung über den Marienplatz nehmen wollten - und dabei fast im offenen Gleisbett gelandet wären.

Gearbeitet wird auf dem zentralen Verkehrsknotenpunkt in den kommenden zwei Wochen rund um die Uhr. Los ging es Freitagnacht mit dem Herausbaggern und -schweißen der Schienen sowie der Verdichtung der Wismarschen Straße. Jetzt werden die Abwasserleitungen, die zum größten Teil aus den 30er-Jahren stammen, saniert - in offener Bauweise, zum Teil aber auch im Inliner-Verfahren durch Einspritzungen. Zwei Wochen lang fahren die Gäste der Straßenbahnlinien 1, 2 und 4 im Schienenersatzverkehr mit Bussen über den Platz. Die Haltestellen wurden in die Außenbereiche verlegt. Schon am Sonnabend hatten sich die Passagiere an die Neuerung gewöhnt und auch der Fußgängerverkehr lief nach anfänglichem Zaudern wieder den Umständen entsprechend flüssig. Die Busse der Linien 10 und 14, die durch die Mecklenburgstraße fahren, sorgten weiterhin für viele amüsierte Zuschauer. Insgesamt 18 Fahrer setzt der Nahverkehr zusätzlich ein. Sie müssen vor allem eins können: enge Kurven nehmen und kühlen Kopf bewahren bei der Fahrt durch die Menschenmengen.