Ein Angebot des medienhaus nord
Ein Artikel der Redaktion

Dobin am See Silvester gibt es einen dicken Fang

Von KMUE | 28.12.2017, 12:00 Uhr

Fischer Walter Piehl setzt nicht nur beim eigenen Berufsstand auf Traditionen, sondern auch bei der Wahl des Festtags-Menüs

„Eine ganz schön blutige Angelegenheit“, sagt Walter Piehl und teilt mit großem Messer einen Karpfen in mehrere Teile. Rote Spritzer verteilen sich an den Fliesen und auf seiner Gummischürze. Die Stücke landen in einem großen Wasserbecken. Der Fischer steckt mitten in den Vorbereitungen für das Silvester-Geschäft. Die Zeiten von ganzen Fischen seien aber so gut wie vorbei: „Die meisten Kunden wollen nur noch ein Stück Fisch. Geht schneller. Ist unkomplizierter“, erklärt der Alt Schlagsdorfer und zieht seine Augenbrauen hoch. Denn dass Karpfen stückweise auch auf seiner Silvester-Tafel landet, sei undenkbar. Um das Essen macht er sich aber auch in diesem Jahr keine Gedanken. „Es gibt Karpfen blau – so wie immer.“

Aber eine kleine Besonderheit gibt es in diesem Jahr dennoch: Der Silvestertag ist so gut wie arbeitsfrei. „Wir müssen nicht losziehen und den Fisch an den Mann bringen.“ An sieben Standorten in der Stadt Schwerin und in Ludwigslust verkauft er bis zum Sonntag seinen Fisch. Vornehmlich, wie zu Weihnachten, Karpfen. „Einige verlangen auch Lachs, Rotbarsch oder Zander“, sagt er und spricht vom Trend, eher Filet statt ganzen Fisch zu wählen. „Schade, denn sinnvoller wäre es, komplette Fische zu verwerten“, gibt er zu bedenken.

Froh ist Walter Piehl aber, dass die, wie er sagt „leidigen Diskussionen über Preise“, ein Ende haben. An seinen Verkaufsständen sei alles ausgeschildert. „Wer nicht bereit ist, für Qualität zu zahlen, der soll sich halt woanders bedienen“, sagt er gelassen. Deutlich emotionaler reagiert Walter Piehl, der als Hochseefischer bis 1992 schon etliche Stürme im Atlantik und dem Indischen Ozean überstanden hat, allerdings beim Thema Politik: „Die Fischer im Land werden immer weniger, und vielleicht sollte man bei allen Entscheidungen auch mal die Praktiker mit einbeziehen“, lautet sein Rat. Denn Diskussionen über Fangquoten und -verbote sowie der Umgang mit dem Kormoran bringen sein Blut regelmäßig in Wallung. „Ich bin ja selbst schuld. Ich gucke mir jede Debatte im Fernsehen dazu an und lese die Zeitungsartikel zu dem Thema. Doch ändern kann ich eh nichts.“

Walter Piehl ist Fischer durch und durch: Schon als Fünfjähriger ist er mit seinem Onkel zum Fischfang auf den See gefahren. „Mit einem Strick wurde er festgebunden, damit er nicht untergeht“, wirft seine Mutter Hildegard ein – die gute Seele der Familie. Denn die 79-Jährige kümmert sich nämlich nicht nur Weihnachten um den Karpfen, sondern traditionell kocht sie das Menü auch Silvester. „Das Rezept ist von meiner Großmutter und mehr als 100 Jahre alt“, versichert sie. Verraten möchte Hildegard Piehl es nur ungern: „Es ist aber auch nicht wirklich kompliziert. Man darf den Fisch nur nicht zu lange kochen“, lautet ihr Rat. Passiert sei ihr das noch nie. „Gelernt ist eben gelernt und deshalb kocht auch sie und nicht ich“, wirft Walter Piehl ein. Dass sich das einmal ändert – undenkbar.

Rezept-Tipp: Karpfen blau nach Mutter Piehl
Den Karpfen putzen und in einem großen Topf mit Salz und Gewürzen wie Pfeffer, Wacholderbeeren, Lorbeerblättern und einem Schuss Essig kurz aufkochen. Dann im Sud auf kleiner Flamme 45 Minuten ziehen lassen. Traditionell gibt es dazu bei Piehls Buttersoße. Dafür zwei Stücke Butter im Topf zerlassen und mit dem Karpfen-Sud auffüllen. Dazu gibt es Petersilienkartoffeln und frischen Meerrettich. Für eine vierköpfige Familie empfiehlt sich laut Fischer ein drei Kilogramm schwerer Karpfen.