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Pampow Riesenzwerg für Kulturhauptstadt

Von Rüdiger Rump | 26.09.2009, 02:59 Uhr

Der kranke Hase, bekannt als Märchenfigur, ist in diesem Jahr in Linz lebendig geworden und hat sich zu einer Kunstfigur entwickelt. Die zeigt auf, was passiert, wenn der Fantasie Platz gegeben wird. An dieser Projektreihe des KunstRaums Goethestraße in Linz, Europas Kulturhauptstadt 2009, ist Roland Schmidt aus Pampow mit einem Riesenzwerg beteiligt.

Er ist 4,70 Meter groß geworden. Das sind 20 Zentimeter über dem vorgegebenen Richtmaß. Roland Schmidt lächelt zufrieden. Der freischaffende Künstler aus Pampow hat den Riesenzwerg für die österreichische Stadt Linz geschaffen. In der Kulturhauptstadt 2009 läuft unter anderem die Projektreihe "Der kranke Hase // Verrückt nach Linz". Der KunstRaum Goethestraße hat dafür Künstler aus fünf Ländern gewonnen. Der 28-jährige Pampower, der in Linz studiert, arbeitet im Auftrag des Künstlerkollektivs Hubraum. Das inszeniert mit seiner "Intervention im öffentlichen Raum" die Frage der kleinst- und größtmöglichen Aufmerksamkeit: Wie klein macht krank, wie krank ist groß?

Der Riesenzwerg aus Pampow steht zunächst an der Donau vor dem Museum für Medienkunst AEC, direkt an der Hauptachse der Stadt. Im Oktober werden alle Projekte zu einer Abschlussveranstaltung im Linzer Volksgarten zusammengefasst. Wo sie danach ihren Platz finden, ist noch nicht geklärt, sagt Roland Schmidt.

In Linz fehlten ihm "bezahl bare Räumlichkeiten" für ein Kunstwerk dieser Größe, deshalb ist der Riesenzwerg auf dem elterlichen Grundstück in Pampow entstanden. Hier war zwar die Transportfrage zu klären, doch dank mehrerer Helfer fand sich schnell eine Lösung: Liegend und fest angegurtet auf einem Hänger ging das Kunstwerk auf Reisen. Im vorigen Winter hatte Roland Schmidt damit begonnen. "Zwei, drei Wochen habe ich daran gearbeitet, dann ging es erst mal wieder zum Studium nach Linz. Außerdem bin ich Bildtechniker beim österreichischen Fernsehen."

Wassertanks in den Füßen Der Kern des Zwergs besteht aus Styropor, das der Figur die Form gegeben hat und dann von Schutz- und Deckschichten eingehüllt worden ist. Für die Haut hat Schmidt GFK verwendet, einen mit Glasfaser verstärkten Kunststoff. Auf die Farbgrundierung in Grau kam ein kräftiges Gold. "Damit sich die Größe der Figur in der Farbe ausleben kann", erklärt der junge Künstler aus Pampow.

In den Füßen des Zwerges sind zwei Flüssigkeitstanks untergebracht, die sich leicht mit Wasser füllen und wieder leeren lassen. Sie fassen insgesamt fast 500 Liter und sorgen dafür, dass sich der Schwerpunkt in Bodennähe befindet. Am Bestimmungsort in Linz fordern die Statiker schließlich einen knapp zwei mal zwei Meter großen

Sockel, damit der Riesenzwerg kippsicher steht.

Der Pampower fand in dem Projekt für die Kulturhauptstadt eine neue, andere Herausforderung. In den letzten Jahren hatte er überwiegend Auftragsarbeiten erledigt, bei denen es "weit gefasst um die Inszenierung von Räumen ging, von öffentlichem Raum im Freien wie von Gebäuden". Da wären Bühnenbauten für Theater, aber auch Landschaften zu nennen. "Ich versuche, vielseitig zu arbeiten, eben als Allrounder. Sehr spannend ist es, Flächen, die eigentlich keinem Menschen sonderlich interessant erscheinen, in andere Perspektiven zu bringen. So habe ich mit einem Künstlerkollegen, um ein Beispiel zu nennen, Ebenen und Treppen in einen alten Weinberg eingebaut."

Roland Schmidt studiert in Linz Raum- und Designstrategien und steht jetzt vor seinem Diplom. "Der Studiengang wurde vor acht Jahren gegründet. Zu der Zeit gab es den in dem Spannungsfeld zwischen Kunst, Architektur, Design und Neue Medien meines Wissens woanders nicht", erklärt der Pampower, warum seine Wahl auf die österreichische Stadt fiel. "In Deutschland gingen Produkt design, Metallgestaltung, also meine Leidenschaft, die zum Berufswunsch wurde, mehr in Richtung Bildhauerei. Das ist eben so, dass es mal in die eine und dann wieder in die andere Richtung kippt. In Linz sind Leute gefragt, die zwischen den Professionen denken können."

Einfall nachts um drei Der Pampower teilt sich eine Atelierwerkstatt mit einem weiteren Künstler. "Dabei ist mir die räumliche Nähe von Leben und Arbeit ganz wichtig", betont er. "Wenn mir nachts um drei Uhr was einfällt, möchte ich nur eine Tür aufmachen und das umsetzen." Das habe er von seinem Vater, der eine Kutschen-Manufaktur betreibt und Inhaber von zwei Patenten ist, mit auf den Weg bekommen. "Bei ihm ist das genauso. Meine beiden Brüder und ich waren oft in der Werkstatt und haben uns gern was abgeguckt." Und nicht nur Interesse für ihren Beruf hätten sie auf diese Weise mitbekommen, fügt der 28-Jährige schmunzelnd hinzu, sondern auch, was es bedeutet, als Selbstständiger zu arbeiten: "selbst und ständig".