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Nach Missbrauchsskandal in Schwerin Power for Kids stellt sich neu auf

Von TIWE | 21.12.2016, 05:00 Uhr

Nach dem Ausstieg aus der Kinder- und Jugendarbeit sollen die Mitglieder über künftige Arbeit und Namen des Vereins entscheiden

Mit neuer Aufgabenstellung, beraten durch einen Begleitbeirat, mit neuem Namen und ohne Angebote für Kinder und Jugendliche will der Verein Power for Kids neu durchstarten. Am 20. Januar sollen die neue Satzung beschlossen und ein neuer Vorstand gewählt werden. Die derzeit rund 30 Mitglieder sind vom amtierenden Vorstand aufgefordert worden, sich bis dahin mit Vorschlägen einzubringen. Power for Kids hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt, weil der einstige Vereinsgründer Peter B. auch in den Vereinsräumen in der Hegelstraße dutzende Kinder missbraucht hatte, ohne dass im Verein Verdacht geschöpft wurde. Der inzwischen verurteilte B. flog erst durch Hinweise eines Elternteils auf.

„Es wurde von verschiedenen Seiten ein Generalverdacht gegenüber dem Verein und allen Ehrenamtlichen ausgesprochen“, beschreibt der amtierende Vorstand Florian Stolz die Situation seit Bekanntwerden des Missbrauchs vor einem Jahr in einem Schreiben an die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses, das unserer Zeitung vorliegt. „Es war von Mittäterschaft und Wegschauen die Rede, ohne Beweise dafür zu haben. So traute sich kaum noch jemand, ehrenamtlich tätig zu werden oder gar Verantwortung zu übernehmen.“ Auch die Anwohner im Mueßer Holz seien „auf Distanz“ gegangen.

Folgerichtig beschloss der Verein Anfang Juni die Schließung des Kinder- und Jugendtreffs in der Hegelstraße 16. Von der Politik war das zuvor monatelang gefordert worden. Im August räumte Power for Kids die Räume komplett. Derzeit sind Mitglieder und Sympathisanten dabei, die ehemalige Boxhalle am Familienpark umzubauen. Dort sieht der Verein seine Zukunft. „Der Umbau erfolgt mittels Spenden, aus Überschüssen aus der Bewirtschaftung des Wohnblocks in der Keplerstraße und dank eines Darlehens, das der Verein aufgenommen hat“, berichtet der Vorstand. In die Arbeiten seien bis zu zwölf Erwachsene einbezogen, die ehrenamtlich helfen. Im Frühjahr sollen der Umbau fertig sein und dann dort auch das neue Büro des Vereins installiert sein.

Noch stehen die Nutzungsvorschläge der Mitglieder aus. Doch der Vorstand möchte „einen offenen Treff für alle Alters- und Zielgruppen, in dem Veranstaltungen und private Feiern stattfinden können“. Das reiche von Lesungen, Spiele- und Kochnachmittagen bis hin zu Vermietungen für Familien. „Wir hoffen, dass uns mit der Neueröffnung ein Neuanfang gelingt“, so Florian Stolz. „Der Bedarf nach einer Begegnungsstätte im südlichen Mueßer Holz ist vorhanden. Wir wollen durch Offenheit und Transparenz Vertrauen gewinnen und die Bewohner einbinden.“

Helfen soll dabei auch ein Begleitbeirat, der sich nach Vorschlag des Runden Tisches Soziales bereits im Februar gegründet hatte. Ihm gehören Mitglieder des Ortsbeirates, des Stadtteilmanagements und der Stadt und an. Der Beirat, der sich alle vier Wochen trifft, agiert als Kontrollorgan, als Entscheidungshilfe und Berater, betont Florian Stolz. Es gäbe keine Alleingänge mehr, das Vier-Augen-Prinzip bei Entscheidungen sei Alltag.

Und der Missbrauchsskandal? „Wir verurteilen den Missbrauch der Kinder und Jugendlichen durch den Mitbegründer des Vereins aufs Schärfste. Unser tiefes Mitgefühl gilt den betroffenen Jungen, die dadurch schwere seelische Schäden erlitten haben“, sagt Vereinschef Stolz. „Wir haben uns mit den ehrenamtlichen Mitgliedern, die dem Verein nicht den Rücken gekehrt haben, kritisch mit der Vergangenheit auseinandergesetzt und Veränderungen eingeleitet.“

Fakt ist aber auch: Der zweite, vom Jugendhilfeausschuss initiierte Begleitbeirat hat seine Arbeit inzwischen eingestellt, die Zielvereinbarung mit der Stadt ist beendet und die so genannte Supervision für Power for Kids eingestellt. „Einvernehmlich“, betont Florian Stolz. „Unser Angebot zu einer konstruktiven Zusammenarbeit mit der Stadt steht nach wie vor mit dem Ziel der weiteren Aufarbeitung der Missbrauchshandlungen von Peter B., der Bewertung des Umgangs mit diesen Straftaten im Verein, in der Öffentlichkeit und in den politischen Gremien.“