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Schwerin Politischer Schlagabtausch begeistert

Von Stefanie Milius | 05.09.2013, 10:36 Uhr

Schwerin Tosender Beifall des Publikums, lautes Lachen und immer wieder wohlwollende Zurufe: Das Wahlforum im medienhaus:nord hat gestern alles geboten, was zu einem unterhaltsamen Politikabend gehört.

Dietmar Bartsch, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Linken im Bundestag, und Dirk Niebel, Entwicklungsminister der schwarz-gelben Bundesregierung, lieferten sich einen verbalen Schlagabtausch auf Augenhöhe. Mehr als 60 Gäste verfolgten, wie sich die beiden Spitzenkandidaten in spannenden Wortgefechten duellierten und versuchten, das Publikum für sich zu gewinnen. Heiß diskutiert wurde unter anderem das Thema Mindestlohn. Während Bartsch sich für einen flächendeckendes Mindestgehalt von 8,50 Euro ausspricht, lehnt dies Niebel strikt ab. „Wir sind für eine individuelle Lohnuntergrenze, die mit den Tarifpartnern der jeweiligen Branchen ausgehandelt werden“, sagte Niebel. Der linke Bartsch konterte: „Nur 25 Prozent der Unternehmen sind tarifgebunden. Deshalb ist es notwendig, dass der Gesetzgeber eingreift. Dass Leute für einen Hungerlohn arbeiten, muss aufhören.“ Weiterer Streitpunkt war der Solidaritätszuschlag. Der liberale Niebel will den Soli schnellstmöglich abschaffen. „Der Zuschlag fließt in alle Ausgaben des Bundes, nicht in den Aufbau Ost.“ Den Soli abschaffen? Darüber könne man reden, so Bartsch. Er forderte aber, dass gleichzeitig die Besserverdienenden über einen höheren Steuersatz zur Kasse gebeten werden müssten, um einen finanziellen Ausgleich zu schaffen. Einig waren sich die beiden Kontrahenten hingegen in der Syrien-Frage. Beide lehnen ein militärisches Eingreiffen Deutschlands ohne ein internationales Mandat ab. Aber nicht nur über die Politik der beiden wurde an diesem Abend gesprochen, auch die persönliche Freundschaft zwischen Niebel und Bartsch wurde thematisiert. So unterschiedlich ihre politischen Ansichten auch sind, haben sie doch vieles gemeinsam. Niebel und Bartsch sind beide in Norddeutschland geboren, beide waren Fallschirmjäger und beide dienten in der Vergangenheit ihren Parteien als Generalsekretär bzw. Bundesgeschäftsführer. Das schweißt irgendwie zusammen. „Als wir beide die gleiche Position in unseren Parteien innehatten, haben wir uns heftig gestritten. Wir wollten aber beide unsere Parteien voranbringen. Das hat uns verbunden“, erläuterte der linke Spitzenkandidat. „Bartsch ist ein netter Kerl, solange man nicht mit ihm über Politik redet“, fügte Entwicklungsminister Niebel hinzu. „Der Charme unseres Streitgespräches ist, dass wir uns nicht gegenseitig wehtun. Das ist schon gegenseitige Wahlkampfunterstützung. Er hat in einem ähnlichen Gespräch in Heidelberg die kalte Fratze des Kommunismus gezeigt und ich zeige hier die kalte liberale Fratze“, sagte er mit einem breiten Schmunzeln und erntete dafür tosenden Beifall vom begeisterten Schweriner Publikum.