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Streit in Schwerin Politik lehnt Jugendamtsleiter ab

Von BERT | 15.12.2016, 05:00 Uhr

Oberbürgermeister muss seinen Kandidaten zurückziehen – Leiterposten wird jetzt neu ausgeschrieben

Niederlage für Rico Badenschier: Der neue Oberbürgermeister musste im Hauptausschuss seinen Kandidaten für den Posten des Jugendamtsleiters zurückziehen. Aus den Fraktionen hagelte es heftige Kritik an der Personalauswahl.

Nach dem Skandal um den Verein Power for Kids war in der Verwaltung eine neue Struktur eingeführt worden. Das Amt für Jugend, Schule und Sport wurde geteilt, das Jugendamt soll eigenständig sein und Fachdienst heißen. Der neue Leitungsposten wurde ausgeschrieben. Innerhalb der Stadtverwaltung fand sich kein geeigneter Bewerber. Auf die externe Ausschreibung meldeten sich 14 Kandidaten. Eine Findungskommission wählte Lars Schulhoff aus.

Im Jugendhilfeausschuss der Stadtvertretung war der aber durchgefallen. Mit sechs Ja- und sechs Gegenstimmen bei einer Enthaltung wurde der Badenschier-Vorschlag abgelehnt (SVZ berichtete).

Daraufhin machte sich die Kleine Liga, der die Interessensvertreter der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege und Leistungserbringer im Sozial- und Jugendhilfebereich in der Landeshauptstadt angehören, für den Kandidaten der Verwaltung stark. „Die Liga hält Herrn Schulhoff sowohl fachlich als auch menschlich für die Führung des Jugendamtes geeignet. Die Liga-Vertreter sind sich einig, dass im sensiblen Jugendamtsbereich keine weitere Vakanz in der Leitung hinnehmbar ist. Deshalb votieren sie für ein fachlich orientiertes Auswahlverfahren, nicht für eines aus politischem Kalkül“, erklärte Stephan Hüppler von der Kleinen Liga.

Als sich dennoch auch im Hauptausschuss eine Ablehnung des Kandidaten der Verwaltung abzeichnete, soll der Oberbürgermeister noch einmal mit den Fraktionsvorsitzenden telefoniert haben, um sie von seinem Personalvorschlag zu überzeugen. Das ist offensichtlich nicht gelungen, denn in der Hauptausschusssitzung gab es heftigen Gegenwind. Unabhängige Bürger, CDU und Linke bemängelten vor allem die fehlende Führungserfahrung des derzeit im Sozialministerium beschäftigten Kandidaten. Außerdem habe der Bewerber keine Erfahrungen in der kommunalen Jugendarbeit.

Dem aber kommt besonderes Gewicht zu. Denn die Stadtpolitik hatte mit ihren Empfehlungen im Abschlussbericht des zeitweiligen Sonderausschusses zu „Power for Kids“ selbst die Maßstäbe gesetzt. „Dort heißt es, dass der Leitung des Jugendamtes eine besondere Bedeutung zukommt. Sie sollte nur Fachkräften übertragen werden. Dies gilt erst Recht nach den einschlägigen Erfahrungen im Fall Lea- Sophie“, erklärt Henning Foerster, Fraktionsvorsitzender der Linken. Diesem Gedanken folgend habe der Hauptausschuss im September eine externe Ausschreibung für die Fachdienstleitung bewilligt. Darin ist festgelegt, dass eine Persönlichkeit gesucht wird, die neben einem geeigneten Hoch- oder Fachhochschulabschluss vor allem über Leitungs- und Berufserfahrung in einer großen Organisationseinheit, möglichst im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe, verfügt. „Vor diesem Hintergrund erwarten wir vom Oberbürgermeister Personalvorschläge, die diese Anforderungen auch berücksichtigen. Eine schwierige Bewerberlage und organisatorische Probleme sind keine Gründe dafür, Abstriche bei der Fachkompetenz in Fragen der Kinder- und Jugendhilfe zu machen“, so Foerster.

Das sah auch die Mehrheit im Hauptausschuss so. Da nützte der Einwand von SPD-Fraktionschef Christian Masch wenig, man habe nun einmal den Kandidatenvorschlag des Oberbürgermeisters, dem sollte man zustimmen. Das zeichnete sich in der geschlossenen Sitzung aber nicht ab, so dass der OB die Notbremse zog und den Personalvorschlag zurückzog. Nun muss eine neue Ausschreibung her. „Dabei sollte sich Dr. Badenschier eng mit der Stadtpolitik abstimmen“, rät nicht nur Foerster.