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Pflegenotstand in SCHWERIN Pflegeplätze fehlen in der Stadt

Von TIWE | 08.12.2016, 05:00 Uhr

Aktuelle Studie listet Versäumnisse der Vergangenheit auf – immer noch zu wenig Tagespflege und Angebote im betreuten Wohnen

Die Bundesregierung hat gerade die Pflegestufen zum neuen Jahr angepasst, um die Erkrankten besser finanziell unterstützen zu können. Vor allem die neue Volkskrankheit Demenz ist nun geregelt, versprechen die Gesetzgeber. Doch was nützt das alles, wenn die Pflegeangebote fehlen? In Schwerin ist die Lage dramatisch. Das geht aus einer aktuellen Analyse hervor.

„Während die ältere Bevölkerung ab 75 Jahren innerhalb eines Jahres um 6,3 Prozent gestiegen und von einer entsprechenden Zunahme der Zahl der Pflegebedürftigen auszugehen ist, wurden die Kapazitäten der pflegerischen, pflegeergänzenden und wohnungsbezogenen Versorgung kaum erweitert. Dies erscheint angesichts der zukünftig zu erwartenden Zunahme des Bedarfs sehr bedenklich. Eine Entlastung des ebenfalls zunehmenden Bedarfs an stationärer Pflege nach dem Grundsatz ambulant vor stationär erscheint bei absinkender Versorgungsdichte der vorstationären Angebote kaum erreichbar“, heißt es in der aktuellen Fortsetzung der Pflegesozialplanung, die gegenwärtig in den politischen Fachgremien diskutiert wird. Analysiert hat diese das Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik mit Sitz in Köln.

Das verheerende Fazit kommt nicht von ungefähr. Die Versorgungsdichte mit ambulanten Pflegediensten wurde am Jahresende 2014 als ausreichend bewertet, obwohl die Relation von statistisch gesehen vier Mitarbeitern je 100 Ältere ab 75 Jahren unter dem Landesdurchschnitt lag. Begründet wurde dies damit, dass in einer Stadt die Anfahrtswege der ambulanten Dienste zu den Klienten deutlich kürzer sind als im Durchschnitt des Landes mit seinen großen Flächenkreisen.

Falls die Mitarbeiterzahl sich bis zum Jahresende 2015 nicht erhöht hat – was nach Auskunft der Pflegedienste angesichts eines spürbaren Fachkräftemangels auch schwierig ist –, hat sich die Versorgungsdichte aufgrund der gestiegenen Zahl älterer Menschen verschlechtert. Daraus leitet sich die Empfehlung der aktuellen Studie ab, die Kapazitäten der Pflegedienste entsprechend der demografischen Entwicklung zu erhöhen. Das ist bisher nicht geschehen.

Eine Erhöhung der Zahl der Tagespflege-Plätze um 32 wurde bereits in der erste Studie für Schwerin empfohlen. Diese sollten im Zentrum und im Süden der Stadt ausgebaut werden. Dies ist bisher nicht erfolgt. Die Empfehlung zur Erweiterung der Tagespflege bleibt somit unverändert gültig, lautet die Bilanz der Experten.

Auch die Versorgung mit stationären Pflegeplätzen wurde am Jahresende 2014 von den befragten Pflegeanbietern als unzureichend eingeschätzt. Wäre das vorstationäre Angebot, so wie in der ersten Pflegesozialplanung vorgeschlagen, erweitert worden, hätte man möglicherweise von einer Entlastungswirkung auf den stationären Bereich ausgehen können. Da dies aber kaum erfolgt ist, erscheint der Versorgungsgrad in der stationären Pflege, der sich bei gleicher Platzkapazität aufgrund der demografischen Entwicklung von 12,6 auf 11,9 Plätze je 100 Ältere ab 75 Jahren verschlechtert hat, nicht mehr ausreichend, so das Fazit der Studie.

Eine Entlastung der stationären Versorgung setze unter anderem auch eine Verbesserung der Wohnangebote voraus, analysieren die Experten. Um im stadtweiten Durchschnitt acht betreute Wohnungen je 100 Ältere ab 75 Jahren zur Verfügung zu haben, fehlten schon laut der ersten Pflegesozialplanung im gesamten Stadtgebiet 101 betreute Wohnungen, insbesondere im Norden Schwerins. Aufgrund der demografischen Entwicklung ist dieser Bedarf bis zum Jahresende 2015 auf zusätzlich 156 betreute Wohnungen gestiegen. Da das Angebot in diesem Bereich nur wenig und im Bereich der ambulant betreuten Wohngemeinschaften gar nicht weiter ausgebaut wurde, hat die Empfehlung zum Ausbau dieser Kapazitäten noch an Dringlichkeit gewonnen, heißt es in der Empfehlung für die Stadtvertreter. Offen ist, ob die private Wirtschaft diesen Forderungen folgt.