Ein Angebot des medienhaus nord
Ein Artikel der Redaktion

Paulsstadt Paulskirche feiert 150. Geburtstag

Von Christian Koepke | 25.02.2019, 08:23 Uhr

Konzerte, Führungen, Vorträge: Gemeinde begeht Jubiläum mit Veranstaltungen, die über das ganze Jahr verteilt sind

Es war ein großes Ereignis in der damaligen Residenzstadt. Was Rang und Namen hatte, machte sich auf den Weg, um dabei zu sein, als am 29. Juni 1869 die Schweriner Paulskirche eingeweiht wurde, allen voran der Großherzog. 150 Jahre ist das jetzt her. Das große Jubiläum soll groß gefeiert werden, sagt Pastor Christian Heydenreich. „Wir haben uns ein Programm überlegt, bei dem wir das ganze Jahre über zu unterschiedlichen Veranstaltungen einladen.“

Festliche Konzerte, Vorträge, Führungen und spezielle Angebote für Kinder stehen im Kalender. Nächster Termin: Am 26. Februar um 19 Uhr spricht Professor. Eckart Reinmuth aus Rostock im Festsaal des Landeskirchenamtes in der Münzstraße über das Thema „Paulus – Menschsein neu denken“. Pastoren, die früher ihren Dienst in der Paulskirche versehen haben, werden im weiteren Verlauf des Jahres predigen – ebenfalls über Paulus, den Namenspatron. Höhepunkt der Feierlichkeiten ist das Festwochenende am 29. und 30. Juni, an dem es ein Gemeinde- und Stadtteilfest und einen Festgottesdienst mit vielen Beteiligten geben wird.

Die Paulskirche entstand innerhalb von nur sechs Jahren. Sie wurde gebaut, weil der Dom die wachsende Gemeinde nicht mehr fassen konnte. Baurat Theodor Krüger übernahm die Ausführung der Arbeiten, angeleitet von Oberkirchenrat Theodor Kliefoth, der im baulichen Konzept zugleich sein theologisches Konzept umsetzte. „Die Paulskirche war eine für die damalige Zeit moderne, evangelische Kirche“, erklärt Wiltrud Atzl. Die Schwerinerin kennt die Paulskirche wie kaum jemand anders. „Ich bin in der Kirche getauft und konfirmiert worden“, sagt Atzl, die ehrenamtlich in der Kirchengemeinde mitarbeitet. Das Besondere: Wiltrud Atzl feiert am 29. Juni, dem Tag des Kirchenjubiläums, ihren 75. Geburtstag.

Stattliche 235 763 Taler kostete der Bau der Paulskirche. Das äußere Erscheinungsbild der neugotischen Backsteinkirche habe sich über viele Jahrzehnte kaum verändert, betont Wiltrud Atzl. „Nur die 49 kleinen Türmchen rund um die Kirche sind verschwunden.“ Bemerkenswert am Gotteshaus seien unter anderem die Chorfenster, der stählerne Dachstuhl und die Orgel, erbaut von Friedrich Friese III.

Eine wichtige Rolle spielte die Paulskirche in der Wendezeit. Am 2. Oktober 1989 fand in der Kirche das erste öffentliche Treffen des Neuen Forums in Schwerin statt. Einen Tag später konnte der damalige Pastor, Martin Scriba, bei der Bezirksdirektion der Volkspolizei am Pfaffenteich antreten. „Ich dachte, hier kommst du niemals wieder raus“, erinnerte sich Scriba im SVZ-Gespräch. Doch der Paulskirchen-Pastor kam wieder heraus und gehörte zu den Leitern des Runden Tisches in Schwerin.

1700 Mitglieder zählt die Paulsgemeinde heute. Es gibt eine intensive Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und ein reiches Musikleben unter Leitung von Kantor Christian Domke. Um den besonderen Charakter der Paulskirche noch besser zur Geltung zu bringen, sammelt die Gemeinde für ein neues Beleuchtungssystem. Kosten: rund 150 000 Euro. „Mehr als 80 000 Euro haben wir schon zusammen“, sagt Pastor Heydenreich, der auch noch auf eine größere Zuwendung vom Land hofft.

Wer das Kirchenjubiläum mitfeiern möchte: Den Flyer mit dem Festprogramm für das erste Halbjahr gibt es auch im Stadthaus und in der Schwerin-Information.