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City: Ost-Rockgeschichte auf der Bühne in Schwerin Papa Toni und die Engel

Von Holger Kankel | 29.11.2012, 07:36 Uhr

City, wie immer ohne Bass und lange Haare, zelebrierte beim Konzert im Schweriner Landesfunkhaus des NDR vor einer kleinen Gemeinde einen Rocker-Gottesdienst vom Feinsten. Natürlich war auch der Hit der Hits zu hören.

Wenn 300 Jahre ostdeutsche Rockgeschichte auf einer Bühne stehen, mindestens 300 Jahre, kann die Erwartung der Fans natürlich gar nicht anders sein als groß. Sehr groß. Sie wurde nicht enttäuscht, so viel sei schon mal vorausgeschickt. Wenn die Fans ihrer Band dann auch noch so nahe kommen wie am Mittwochabend im Landesfunkhaus-Konzert des NDR in Schwerin, sie sogar umarmen durfte - junggebliebenes Rockerherz, was willst du mehr?

City also, wie immer ohne Bass und lange Haare, zelebrierte vor einer kleinen Gemeinde einen Rocker-Gottesdienst, bei dem Engel und Jesus nicht fehlten, Blasphemisches auf Esoterisches folgte, die alten Hits neben den künftigen des aktuellen Albums zu hören waren, und alles in allem gefeiert wurde, wie es bei den Herren Puppel, Selmke, Gogow, Krahl und Hennig seit 40 Jahren zu geschehen pflegt.

Nach "Aus der Ferne" ("Manchmal wär ich gern wie Wasser") begab sich die Band im Titelsong des neuen Albums "Für immer jung" gleich in die unsicheren Dschungel der Vergangenheit: "Ob Verlorenes, ob Verfallnes - In meinem Kopf da trifft sich alles. Und nennt sich Erinnerung. Bob Dylan singt: Für immer jung".

Dann schwebte auch schon der erste Engel über der Bühne, eine Dankeshymne auf die Jungs da oben, die unser Dasein manchmal "mit höchst bekömmlichen Zeitinfusionen" verlängern sollen. Na ja. Aber wer fungierte hier als Texter. Ein alter Bekannter, Werner Karma, jahrelang Gottvater der DDR-Rocktexter und Haus- und Hofdichter von Silly und Tamara Danz. An sie erinnerte Toni Krahl mit einem zu Herzen gehenden Lied, in dem er von einem Ausflug mit seiner kleinen Tochter zum Grab Tamaras erzählt.

Wie man überhaupt nach diesem Konzert und dem Hören der neuen Scheibe den Eindruck nicht ganz verdrängen kann, dass City ein wenig milder geworden ist. Bettina Wegners Lied "Sind so kleine Hände" von City? Es funktioniert, weil es Papa Toni singt.

Trotz der heraufbeschworenen ewigen Jugend, scheint es, sehen auch die Berliner Altrocker die Schatten des großen Nichts heraufziehen. Sehr deutlich wird das in der Coverversion des Iggy Pop-Songs "In The Death Car", der bei City "Quicklebendig nah dem Tod " heißt. Im unplugged gespielten Konzert musikalisch und textlich ein Höhepunkt, zumal "der Held vom Balkan", Joro Gogow, mit seiner Geige dazu zauberte.

Ging es in diesem Geraune von Liebe, Lust und Verrat noch einigermaßen düster zu, erlaubte sich City, immer noch frech, in einem kleinen Lied einen Spaß mit Jesus, der bei humorlosen Gesellen nicht so gut ankommen dürfte - obwohl das Leben doch eigentlich "ein Heidenspaß" ist.

Nach dieser humoristisch-blasphemichen Einlage lief dann natürlich alles auf den Hit der Hits zu, ohne den ein City-Konzert kein City-Konzert wäre: "Am Fenster". Mehr muss man nicht sagen.

Kerstin Franck aus Klein Trebbow, die in unserer Zeitung gemeinsam mit weiteren Lesern zwei der heiß begehrten Karten gewann, war nach dem Konzert richtiggehend glücklich: "Einfach unbeschreiblich. Wir haben schon so einige Konzerte erleben dürfen, aber dieses übertraf ALLE".

Alles wie immer also. Alles City. Nur eines war neu: Toni Krahls Abschiedsgruß am Ende des Konzertes. Früher forderte er die Fans gern auf, zu Hause einen schönen Gruß an die Töchter zu bestellen. Heute sagt er einfach nur noch brav: "Bestellt einen schönen Gruß - von City!"

City 2013 Unplugged im Norden

11. Januar Barth
12. Januar Grevesmühlen
13. Januar Greifswald
18. Januar Neubrandenburg (Konzertkirche)
19. Januar Rostock (Nikolaikirche)
29. Januar Schwerin (Capitol)
23. Februar Neuruppin
7. März Potsdam (Nikolaisaal)