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Tannenbaumzucht Gädebehn Boden, wie sauer bist du?

Von Katja Müller | 16.10.2020, 05:00 Uhr

Damit der Baum zum Weihnachtsfest die richtige Form und Farbe hat, wir jetzt auf den Forstplantagen der Boden beprobt.

Schön grün muss er sein. Gerade gewachsen ist ebenso Pflicht. Dann nicht zu buschig und bitte auch nicht so kahl. Ein Traum-Weihnachtsbaum eben. „Die Ansprüche der Kunden steigen stetig. Mit Waldluft, Wasser und viel Liebe allein, wird das nichts“, sagt Manuela Springer. Sie ist die Leiterin der Forstbaumschule in Gädebehn und beliefert seit Jahren die Reviere im gesamten Land mit Weihnachtsbäumen von den Aufzuchtflächen in Kölpin. Gut zehn Jahre dauert es, bis so eine Nordmanntanne, Fichte, Kiefer oder Küstentanne erntereif ist. Also geschlagen und für die Weihnachtsfeiertage das Wohnzimmer oder die Diele verschönert.

Ein Bett aus Klee

Schon bevor die ersten Setzlinge in den Boden kommen, wird eine Mischung aus Bienenweide und Zwischenfrucht gesät. Manuela Springer bezeichnet das gern als „Bett bereiten“. Denn so wird der Boden vorab mit den wichtigsten Nährstoffen versorgt und entsprechende Stickstoffsammler ins Erdreich gebracht. In einer Parzelle wurde Klee als Zwischenfrucht gesät. „Er gehört zu den Tiefwurzlern und steht nicht in Konkurrenz zur Nordmanntanne, die eher zu den Flachwurzlern gehört. Der Klee nimmt ihr kein Wasser weg, ist aber über der Erde so dicht, dass das Unkraut keine Chance hat“, erklärt Manuela Springer das Prinzip.

Dünger ab dem dritten Jahr

In den ersten zwei Jahren kommen die kleinen Pflanzen in ihrer Plantage damit klar. Dann brauchen sie zusätzliche Nahrung: Dünger. „Da wir hier einen sehr sauren Boden haben, müssen wir regelmäßig kalken. Denn ist der Boden zu sauer, bringen alle Nährstoffgaben nichts, dann können die von der Pflanze gar nicht aufgenommen werden“, erzählt die Leiterin der Forstbaumschule. Um aber genau zu wissen, wie es um den Boden auf den jeweiligen Parzellen bestellt ist, werden Bodenproben gezogen. Mit forschem Schritt und einem regelmäßigen Blick auf den Plan gehen Forstmitarbeiterin Astrid Jech und Praktikantin Lilly Ihde durch die Reihen.

500 Gramm pro Fläche

Zehn Proben müssen pro Fläche gezogen werden. Die Größe der zu beprobenden Parzellen schwankt zwischen 5000 und 12000 Hektar. „Interessant ist dabei die oberste Bodenschicht. Wir gehen 30 Zentimeter tief“, erklärt Manuela Springer während Astrid Jech einen langen Eisenstab mit entsprechender Aussparung für die Bodenprobe in das Erdreich stößt. Der Inhalt aus dem sogenannten Bodenprobenheber wird mit dem anderen Erdaushub gemischt. Eingeschickt werden zwischen 250 und 500 Gramm. „Wir haben ein Labor im Süden gefunden, das eine detaillierte Analyse liefert.

Bedarfsgerechte Gaben

Und anhand der Daten können wir schauen, wie viel Stickstoff, Kalzium, Phosphor oder Magnesium die Bäume für eine optimale Versorgung brauchen“, sagt sie. Ebenso wird aufgeschlüsselt, wie viel an Spurenelementen vorhanden ist: Benötigen sie Bor, Kupfer, Mangan, Eisen und Zink. Alle drei Jahre werden die Flächen beprobt und die Düngerrationen neu berechnet.

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„Wir wollen hier nicht pauschal einmal alles streuen, es soll bedarfsgerecht zugehen.“
Manuela Springer, Leiterin der Forstbaumschule

„Wir wollen hier nicht pauschal einmal alles streuen, es soll bedarfsgerecht zugehen“, betont Manuela Springer und erklärt im gleichen Atemzug, dass alles Handarbeit ist. Keine große Spritztechnik, sondern es gehe zu Fuß mit der Dünger-Molle durch die Reihen und dann werde per Hand Baum für Baum versorgt. Allerdings nicht bis zur Ernte. Denn haben die Bäume eine gewisse Wuchshöhe erreicht - das ist meistens im siebten Lebensjahr von Tanne, Fichte und Co. - gibt es keinen Dünger mehr. „Dann müssen sie allein klarkommen und das klappt auch“, versichert die Forstbaumschulleiterin. Und trotz Analysen und der genauen Düngergaben kann es dennoch sein, dass manche Weihnachtsbäume nicht aussehen wie im Bilderbuch.

„Wir arbeiten unter freiem Himmel und mit dem Wetter, das kommt. Da gibt es Dürreperioden und auch Schädlinge, die wir nicht bekämpfen können“, sagt sie und zieht an einem Ast einer Nordmanntanne. Einige Nadeln haben weiße Stellen, sehen aus wie angeknabbert. „Der Kahlnahtige Graurüssler hat hier zugebissen. Gegen diesen Schädling sind wir machtlos“, gesteht Manuela Springer. Sie nimmt es gelassen. Immerhin habe so eine Nordmanntanne mit einer Wuchshöhe von etwa 1,65 Meter rund 180 000 Nadeln.