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Besuchsdienst Schwerin Mobile Helfer mit Herz

Von CKOE | 23.03.2018, 05:00 Uhr

Ambulanter Besuchsdienst unterstützt pflegebedürftige Menschen bei der Freizeitgestaltung – und sucht ehrenamtliche Mitstreiter

Die Sonne strahlt, erwärmt den Wintergarten im Schlossgartenviertel. Es gibt Kaffee und selbst gebackene Kekse. Helgard Groth erinnert sich, wie sie Susanne Kühnemann kennen gelernt hat. „Plötzlich stand sie an meinem Krankenbett“, erzählt die 82-jährige Schwerinerin. Zwei schwere Operationen hat Helgard Groth hinter sich, ihren Lebensmut aber nie verloren. Auch nicht ihren Spaß an Gesprächen über Gott und die Welt.

Susanne Kühnemann ist gelernte Krankenschwester und Heilpraktikerin, arbeitet im Rehazentrum Schwerin. Ehrenamtlich engagiert sich die 51-Jährige beim Ambulanten Besuchsdienst in der Stadt. Regelmäßig einmal im Monat schaut sie bei Helgard Groth vorbei, teilt ihre Freuden und manchmal auch ihre Sorgen. „Wir sprechen über das Leben, über Filme und Bücher, unterhalten uns über die verschiedensten Dinge“, sagt Susanne Kühnemann.

„Glücklich und dankbar“ sei sie über die Besuche von Susanne Kühnemann, erklärt Helgard Groth. An Gesprächsthemen fehle es nie. „Ich bin in der Nähe von Grünberg in Schlesien groß geworden, Frau Kühnemann ist in Görlitz aufgewachsen, da ergeben sich immer Anknüpfungspunkte.“

Auch Susanne Kühnemann profitiert von den Begegnungen. „Die Energie von Frau Groth gibt mir Kraft“, sagt die Mutter von drei Kindern, die seit vier Jahren in Schwerin lebt und sich sozial einbringen möchte. „Bei den Gesprächen mit Frau Groth lerne ich auch viel über die Landeshauptstadt“, betont Kühnemann.

Ein rundes Dutzend Ehrenamtliche macht beim Ambulanten Besuchsdienst mit, der als Verein mit der Diakonie-Sozialstation Dom/Schloss kooperiert und durch seine Initiativen oft die Arbeit der professionellen Pflegekräfte ergänzt. Ob persönliches Gespräch, gemeinsames Rätseln oder kreatives Gestalten – die freiwilligen Helfer orientierten sich ganz an den Wünschen der Besuchten, wodurch ein enges Vertrauensverhältnis entstehe, sagt die Schwerinerin Dagmar von Plessen, die sich ebenfalls bei dem Hilfsangebot engagiert – und einen großen Wunsch hat: „Ich würde mich freuen, wenn noch mehr Menschen, die Zeit haben und zuhören können, unseren Dienst unterstützen.“ Interessierte könnten sich unter Telefon 0385/ 565969 bei Schwester Renate Grafe melden.

„Es gibt viele einsame Menschen, die sich über einen Besuch freuen“, sagt Susanne Kühnemann. Einsame, so hätten Studien gezeigt, würden schneller krank. Nicht umsonst sei deshalb in Großbritannien ein Ministerium ins Leben gerufen worden, das der zunehmenden Vereinsamung entgegenwirken solle.