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Rasender Vater fährt auf dem Weg zur Klinik der Polizei davon Mit Vollgas zum Kreißsaal

Von Christian Koepke | 27.11.2012, 10:23 Uhr

Um seine schwangere Freundin in die Schweriner Helios-Kliniken zu bringen, drückte er am Montagabend mächtig aufs Gaspedal und lieferte sich auf den Straßen der Landeshauptstadt eine Verfolgungsjagd mit der Polizei.

Die kleine Letizia ist wohlauf. Gestern um 4.07 Uhr kam das Mädchen in den Schweriner Helios-Kliniken zur Welt. Papa Thomas Möller hatte in der Nacht ordentlich aufs Gaspedal gedrückt, um die werdende Mutter noch rechtzeitig ins Krankenhaus zu bringen. Auf dem Weg dahin lieferte er sich in der Landeshauptstadt eine Verfolgungsjagd mit der Polizei. Als die Beamten sahen, dass eine hochschwangere Frau im Auto saß, drückten sie beide Augen zu. "Es handelte sich um einen Ausnahmezustand", sagte Polizei-Sprecherin Jenny Schwabe.

Kurzentschlossen waren Thomas Möller und seine Partnerin Nicole Bernhard am Montagabend in Lübzow bei Perleberg gestartet. "Unsere Hebamme hatte uns gesagt, dass die Geburt bald bevorstehe und wir uns auf den Weg in unsere Wunschklinik nach Schwerin machen sollten ", berichtete die junge Mutter gestern. Alle zwei Minuten habe sie Wehen gehabt. "Mein Freund hatte Angst um mich und ist daher schnell gefahren", so die 27-Jährige.

In Schwerin habe er auf der Ludwigsluster Chaussee wohl einen zivilen Streifenwagen überholt, erzählte Thomas Möller. Auf seiner rasanten Tour durch die Landeshauptstadt sollen sich dann noch drei weitere Polizeifahrzeuge an seine Fersen geheftet haben. "Das Blaulicht ist mir erst aufgefallen, als ich schon fast beim Krankenhaus war", berichtete der 26-Jährige. Vor dem Klinikum habe er gestoppt und den Beamten erklärt, er müsse sich nun zunächst um seine Freundin kümmern.

Der werdende Vater habe zwar die zulässige Geschwindigkeit überschritten, aber keine Personen gefährdet, deshalb hätten sich die Polizisten vor Ort nach der besonderen Lage der Dinge gegen eine Verfolgung der Ordnungswidrigkeit entschieden, sagte Polizei-Sprecherin Schwabe. Diesen Spielraum sehe das Gesetz vor. "Natürlich hätte es für den Fahrer andere Möglichkeiten gegeben, die Polizei von seiner Lage in Kenntnis zu setzen", so Schwabe. "Er hätte anhalten, seine Situation beschreiben oder auch einen Rettungswagen rufen können."

"Die Polizei hat sich mir gegenüber sehr kulant verhalten", bedankte sich Möller gestern. Vor allem freute sich der Elektrotechniker aber über seine gesunde Tochter. "Die Geburt war völlig unkompliziert", sagte der Chefarzt der Frauenklinik, Dr. Stephan Henschen.

Drei Tage muss Nicole Bernhard voraussichtlich im Krankenhaus in der Landeshauptstadt bleiben. Dann kann Thomas Möller Mutter und Kind abholen und in die brandenburgische Heimat chauffieren. Selbstverständlich werde er ganz vorsichtig fahren und nur so schnell wie die Polizei erlaubt, versicherte der frisch gebackene Vater.