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Miniaturenpark „Lütt Schwerin“ wird erwachsen

Von mara | 05.02.2014, 08:00 Uhr

280 Gebäude sind schon fertig und ausgestellt, in der Werkstatt des Miniaturenparks entstehen noch viele neue

Im Winter wird die Landeshauptstadt so richtig in Schuss gebracht – jedenfalls das kleine Schwerin, dessen Häuser im Maßstab 1:25 im Miniaturenpark in der Ratzeburger Straße 48 stehen. Für Besucher ist das Gelände des ehemaligen Schulgartens bis zum 1. April geschlossen, doch in den Werkstätten herrscht jetzt Hochbetrieb. Insgesamt 46 Ein-Euro-Jobber, deren halbjährige Stellen im Verwaltungsdeutsch „Arbeitsgelegenheiten“ heißen, arbeiten aktuell für das Awo-Projekt, das Yves Schade bereits vor sieben Jahren angeschoben hat. Mittlerweile sind 280 Schweriner Gebäude fertig, vorgenommen hat sich Yves Schade insgesamt 600. Etwa 12 000 Gäste haben im vergangenen Jahr den Miniaturenpark „Lütt Schwerin“ besucht. Ins Auge gefasst hat der Projektleiter 30 000. Dass zumindest letztere Zahl ganz schön hochgegriffen ist, weiß der Awo-Mitarbeiter selbst. Mit den aktuellen Besucherzahlen sei man schon sehr zufrieden, sagt er lächelnd. Vor allem Kindergruppen kommen ins kleine Schwerin – nicht nur, um die tollen Häuser anzugucken, die ihnen bis zur Nasenspitze reichen, sondern auch, um auf Schatzsuche zu gehen, zu grillen, beim Schwerin-Quiz ihr Wissen zu testen oder kleine Sportfeste im Freien zu veranstalten. Denn all das ist ebenfalls möglich auf dem weiträumigen Gelände in Lankow.

Highlight der Miniaturstadt ist das Schweriner Schloss, zu dem es die ersten Zeichnungen schon vor sieben Jahren gegeben hat. Obwohl es im vergangenen Sommer schon draußen aufgebaut wurde, ist es noch nicht ganz fertig. Die Orangerie und die Schlossbrücke sind in den vergangenen Monaten entstanden und warten nun auf ihren großen Auftritt im April. Das Schloss ist übrigens das einzige Gebäude, das im Winter reingeholt wird. Die anderen Häuser – darunter Theater und Staatskanzlei – bleiben im Park. „Ein Team von vier Leuten überprüft in dieser Zeit alle Modelle auf eventuelle Schäden, die dann repariert werden“, sagt Schade. Gebaut sind die maßstabsgetreuen Schönheiten übrigens aus wetterfesten Plastikplatten. In der Werkstatt entstehen gerade die Bischofstraße 6 und die Mecklenburgstraße 32. Die „Beamtenlaufbahn“, die Verbindungsbrücke zwischen den Kollegiengebäuden, steht bereits fertig im Flur.

Während sich ein Team um die Bauzeichnungen kümmert, die auf Originalplänen basieren und ein Schwerin um die Wende zum 19. Jahrhundert abbilden, sind die meisten Ein-Euro-Jobber als Handwerker aktiv. Sie sägen, schrauben, streichen, lösen dabei etliche Probleme und haben am Ende ihres befristeten Jobs ein echtes Erfolgserlebnis. „Meistens werden die Leute bei uns mit mindestens einem Haus fertig“, sagt Yves Schade. „Einige fragen vorher sogar beim Jobcenter konkret nach, ob sie in der Modellwerkstatt ihre Arbeitsgelegenheit bekommen. Die bringen dann auch die nötigen Fertigkeiten mit und haben Spaß an der Sache.“ Eines dieser Talente ist Christian Bücking, der eigentlich gelernter Koch ist. Er schnitzt aus dem Plastikmaterial jetzt wunderschöne kleine Engel, die bald die Mini-Orangerie zieren.

Christian Bücking und seine anderen Kollegen werden die Awo-Werkstatt in der Ratzeburger Straße Anfang März wieder verlassen müssen. Dann kommen neue Ein-Euro-Jobber. Etwa sechs Wochen Einarbeitungszeit rechnet Yves Schade für sie. An die Fluktuation hat er sich schweren Herzens gewöhnt und auch daran, dass von ehemals 450 geförderten Werkstatt-Stellen jetzt nur noch 46 vom Jobcenter bewilligt werden. Die Miniaturstadt ist ohnehin als Langzeitprojekt angelegt. Und dass sich der Miniaturenpark fast monatlich verändert und wächst, macht es für die Besucher umso verlockender, bald wiederzukommen. Stammgäste aus Lankow gäbe es übrigens auch schon, sagt Schade. Vor allem Senioren. Er überlegt jetzt, ob man für die nicht eine günstige Jahreskarte einführen könnte. Aktuell zahlen Rentner zwei Euro pro Besuch.