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Staatstheater Schwerin Kostüme statt Jeans-Taschen

Von VRAA | 20.03.2018, 23:05 Uhr

Gewandmeisterin Barbara Pötter hat sich ihren Kindheitstraum erfüllt

Das Theater kennt jeder. Doch was passiert hinter den Kulissen? Und wer ist dafür zuständig, dass der innere Betrieb funktioniert und die Zuschauer das Theater als Erlebnis genießen können? SVZ stellt diese Woche einige Akteure vor, die nicht auf, sondern hinter der Bühne tätig sind. Heute: Gewandmeisterin Barbara Pötter.

Auf die Bühne hat es Barbara Pötter nie gezogen. Sie hält sich lieber im Hintergrund und sorgt dafür, dass die Protagonisten stets gut aussehen. Die 28-Jährige ist Gewandmeisterin und erfüllt die Kleidungswünsche des Regisseurs. „Bevor ich mit meiner Arbeit beginne, spreche ich mit der Kostümdirektorin über die notwendigen Kleidungsstücke“, erklärt Pötter. Die reichen von Miniröcken und ausgefallenen T-Shirts über schicke Ballkleider bis hin zu feinen Anzügen. „Im Theater gibt es zwei Abteilungen für die Gewänder. Bei den Frauen kommt es darauf an, die Rundungen zu betonen, bei den Männern sind vor allem die Schultern wichtig“, sagt sie. In beiden Bereichen arbeiten jeweils zwei Gewandmeisterinnen und vier Schneiderinnen.

Bevor die Schauspieler und Balletttänzer in ihren schimmernden Kleidern und Kostümen über die Bühne huschen, steht viel Arbeit an. Rund zwei Monate dauert es, bis das Wunschkleid des Regisseurs fertig am Kleiderbügel hängt, schätzt Pötter: „Hier kommt nichts von der Stange. Jedes Stück, das auf der Bühne getragen wird, wurde vorher bearbeitet.“ Zuerst fertigen sie und ihre Kolleginnen einen Schnitt auf Papier an. „Dieser kommt auf den Stoff. Dann werden die einzelnen Teile ausgeschnitten und von den Schneiderinnen zusammengenäht“, erklärt Pötter. Verwendet werden nicht nur neue Stoffe – vieles kommt aus dem Fundus. „Das Geld ist auch bei uns knapp. Deswegen versuchen wir, so viel wie möglich aus unseren bereits vorhandenen Kostümen zu holen.“

Ist der erste Entwurf fertig, kommt der Schauspieler oder Balletttänzer zu Anprobe. „Nur am Modell selbst zeigt sich, was geändert werden muss“, erklärt die Gewandmeisterin. Wurden die Änderungen umgesetzt, steht mit der Generalprobe der Künstler auch der letzte Test für die Gewandmeisterinnen an. „Im finalen Licht sieht der Regisseur, ob wir seinen Wünschen nachgekommen sind“, sagt die Schwerinerin. Ist dem nicht so, kann die ganze Arbeit eines Kostüms umsonst gewesen sein. „Dann müssen wir für Ersatz sorgen.“ Das stört Pötter aber nur bedingt: Sie hat sich mit dem Job als Gewandmeisterin ihren Kindheitstraum erfüllt. „Früher habe ich Jeans-Taschen genäht, jetzt fertige ich Ballkleider an. Das macht mir unglaublich viel Spaß.“