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Malchow Kontrolliert den Bach runter

Von Wolfried Pätzold | 29.10.2009, 01:57 Uhr

Für die Schiffbarkeit der Elde-Müritz-Wasserstraße sind Wehre unverzichtbar. In Malchow nahe Parchim wird derzeit mit Millionenaufwand ein neues Stauwehr gebaut. In rund einem Jahr soll dieses "XXL-Ventil" vollautomatisch den Wasserlauf regulieren.

Auf Gummistiefel kann Nicole Ihde-Hohloch in ihrem Job nicht verzichten. Der Weg über die völlig aufgeweichte Baustelle nahe Malchow vor den Toren Parchims ist in regenreichen Herbsttagen wahrlich kein Spaziergang. Doch davon lässt sich die 37-Jährige, die in Sukow zu Hause ist, nicht schocken. "Es macht einfach Spaß, bei einem so wichtigen Bauvorhaben dabei zu sein", gibt sie unumwunden zu. Als Bauaufseherin hat Nicole Ihde-Hohloch seit Monaten den Hut für das Projekt des neuen Stauwehres für den Elde-Müritz-Kanal auf.

Seit Ende des 19. Jahrhunderts wird mit Hilfe von Wehren der Abfluss des Wassers von den Oberen Seen, die sich im Einzugsgebiet der Elde bis zum Ablauf des Plauer Sees befinden und zusammen mehr als 1200 Quadratkilometer Fläche haben, reguliert. Die in die Jahre gekommene Anlage bei Malchow nahe Damm wird mitunter mehrfach am Tag per Hand geöffnet oder geschlossen, um den Pegelstand möglichst stabil zu halten. Die Binsenwahrheit, "alles geht den Bach runter", ist für Wasserbauspezialisten eine Herausforderung. "Mit dem neuen Wehr wird der Wasser abfluss auch künftig in Trocken- wie Regenzeiten möglichst stabil gehalten und das mit geringerem Aufwand", sagt der Außenbereichsleiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Lauenburg Hans-Peter Schmiedel.

Viel Fantasie ist nötig, um sich das geplante Bauwerk bereits vorstellen zu können. Nachdem Boden ausgetauscht wurde, dringt ein Großbohrgerät vis-a-vis des alten Wehres 14 Meter tief in den Boden ein, um Betonpfahlwände einbauen zu können. Bis zu 20 Meter tief reichen Gründungsanker, die später eine Stahlbeton-Sohle fixieren. Das wird quasi die Riesenwanne des 16 mal 21 Meter großen Zweifeldwehres. "Die Vorarbeiten sind aufwändig. Im Januar 2010 beginnt der eigentliche Wehrbau", sagt die Bauaufseherin.

Mit der neuen Anlage, die für gut hundert Jahre konzipiert wurde, ändert sich in Malchow einiges. Die Durchflussleistung wird künftig auf bis zu 35 Kubikmeter pro Sekunde erhöht. "Das Wehr wird vollautomatisch arbeiten. Damit sinkt der Bedienungsaufwand erheblich", so Schmiedel. Noch nicht entschieden sei, ob so wie beim alten Malchower Wehr wieder eine Turbine zur Stromgewinnung integriert wird.