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Gesundheit auf dem Land Kleines Krankenhaus mit Zukunft

Von KFRI | 21.07.2018, 17:00 Uhr

Die Mitarbeiter der Klinik in Crivitz suchen ihren Weg – seit einem Jahr gibt es ein interdisziplinäres Komplexbehandlungszentrum

Wie ist die Medizinische Gesundheitsversorgung auf dem Land? Die SVZ schaut sich in dieser Woche die Situation im Umland genauer an.

An vielen Standorten in Mecklenburg-Vorpommern mussten die kleinen Krankenhäuser in den vergangenen Jahrzehnten schließen. Das MediClin Krankenhaus in Crivitz ist geblieben. Viele Bewohner der Region wurden hier geboren oder haben ihre Kinder zur Welt gebracht. Doch das Krankenhaus ist mehr als nur die Station der Gynäkologie und Geburtshilfe, sondern eine Einrichtung der Grund- und Regelversorgung. Es bietet noch die Fachbereiche Chirurgie/Orthopädie, Innere Medizin, Anästhesiologie und Radiologie. Das kleine Haus hat derzeit 74 Patientenbetten. 34 Ärzte und 76 Pflegekräfte arbeiten hier.

„Wir haben unseren Weg gefunden“, sagt Yvonne Bartels, seit einem Jahr Kaufmännische Direktorin des Hauses. „Die Mitarbeiter haben sich Gedanken gemacht, was wir den Patienten bieten können, das sie woanders nicht finden. Wir wohnen in einem Gebiet des demografischen Wandels mit weiten Wegen, die Menschen werden immer älter.“ Der Ärztliche Direktor Ralph Budnik ergänzt: „Wir können natürlich der Helios-Klinik in Schwerin oder anderen große Kliniken keine Konkurrenz machen. Deshalb ist die Idee des interdisziplinären Komplexbehandlungszentrums entstanden.“ In diesem arbeiten die Bereiche Geriatrie, Palliativmedizin und Schmerzbehandlung zusammen. „Ältere Menschen haben meistens nicht nur ein medizinisches Problem, sondern mehrere“, erklärt der Chefarzt des seit einem Jahr bestehenden ganzheitlichen Behandlungszentrums, Torsten Hirche. „Die betrachten wir gemeinsam, um eine bestmögliche Behandlung aller Beschwerden zu finden.“ So hätten sie gerade den Fall einer 90-jährigen Dame gehabt, deren künstliches Hüftgelenk sich gelockert habe und die deshalb operiert werden musste. „In diesem Alter gibt es verstärkt Risiken bei so einer OP, so bei der Narkose. Aber es soll ja nicht nur um des Operierens willen operiert werden, sondern die Lebenssituation der Patientin soll sich dadurch verbessern, sie soll so schnell wie möglich wieder aufstehen und selbstständig leben können.“ Um die Schmerzen solcher Patienten möglichst schnell zu verringern, werden auch Ergo-, Physio- und Psychotherapeuten sowie Sozialarbeiter eingesetzt. Mit diesen werde ebenfalls zusammengearbeitet, um chronische Schmerzen erträglicher zu machen. Die 90-Jährige sei unglaublich dankbar gewesen, wie schnell diese intensive Betreuung sie wieder auf die Beine gebracht habe.

„Die Komplextherapie ist sehr arbeitsaufwendig“, so Budnik. Dieser wechselte nach jahrelanger Arbeit in der Heliosklinik Schwerin ganz bewusst in das kleinere Haus auf dem Land. „Das ist hier eine sehr kollegiale Atmosphäre. Die Patienten merken das und kommen im Krankheitsfall immer wieder. Wir kennen hier jeden Patienten mit Namen.“ Kollege Torsten Hirche zog für seine Arbeit sogar extra von Berlin nach Crivitz: „Die Komplexbehandlung ist mein Thema. Hier kann ich etwas aufbauen.“