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Neuer Naturschutzwart Kladower hat Blick für die Umwelt

Von heip | 05.02.2014, 23:07 Uhr

Jan Prieske engagiert sich ehrenamtlich in und um Crivitz: Er will vor allem Vermittler sein

Zweimal am Tag ist Jan Prieske mit Hündin Jenny draußen in der Natur. Mindestens eine Stunde lang. Die Landschaft ist ihm längst ans Herz gewachsen. „Von dort“, sagt Prieske beim Spaziergang in Kladow und zeigt auf eine Stelle am Abhang, „hat man einen wunderschönen Blick auf den Warnowlauf.“ Der 48-Jährige ist seit Kurzem Naturschutzwart für Crivitz und die dazugehörigen Dörfer. Er hat das Ehrenamt von Gerhard Apelt aus Augustenhof übernommen, der es nahezu 25 Jahre lang ausgeübt hat. Als Garten- und Landschaftsarchitekt habe er beruflich schon immer mit Naturschutz zu tun gehabt, sagt der heute 81-Jährige. Er genieße weiterhin die Landschaft im Warnowtal, in dem etwa Eisvogel, Fledermäuse und Fischotter zu Hause sind.

Jan Prieske musste sich nicht lange bitten lassen, das Ehrenamt zu übernehmen. „Ich habe mich freiwillig angeboten, das zu machen,weil ich mich schon immer für die Natur und deren Schutz interessiert habe“, sagt er.

Und wie stellt er sich die Arbeit als Naturschutzwart vor? „Eins steht fest. Ich laufe nicht jeden Tag durch den Wald, um irgendetwas aufzuspüren. Das ist nicht mein Verständnis von diesem Ehrenamt“, sagt er und macht eine kurze Pause, ehe er fortfährt: „Ich will schon darauf hinweisen, wenn es Verfehlungen gibt, wenn etwa Müll am Waldrand abgekippt wurde.“ Und er scheue sich auch nicht, Themen anzusprechen, die auf den Nägeln brennen. Und wenn er mithelfen kann, etwas zu verändern oder zu bewegen, mache ihn das zufrieden – zutiefst zufrieden. Denn nur Kritik zu äußern und nicht selbst bereit zu sein, etwas zu ändern, das sei nichts Halbes und nichts Ganzes. Er sehe sich als Vermittler zwischen Natur und Mensch. Seine Prämisse: „Die Natur braucht uns nicht, wir aber die Natur.“

Es sei nicht der richtige Weg, die Natur nach unseren Vorstellungen auszurichten, meint der 48-Jährige. Prieske nennt ein Beispiel: Im Herbst wird das Ufer der Warnow bei Kladow und Augustenhof regelmäßig gemäht. Diese Maßnahme soll helfen, dass das Wasser des Flusses besser abfließen kann und keine Flächen überschwemmt werden. Damit aber, so erklärt er, nehme man zum Beispiel den Tieren am Fluß einen wichtigen Rückzugsort. Das Gleiche treffe auf die Fische zu, die sich auch im Schilfbereich aufhalten, um Schutz vor Raubfischen zu suchen oder dort zu laichen. So leidet die stark gefährdete und streng geschützte Bachmuschel am stärksten unter diesen Arbeiten. Für Prieske steht die Frage, ob das Mähen der Uferbereiche wirklich nötig ist.

Ein anderes Thema ist der Einsatz von Pestiziden und Insektiziden in der Landwirtschaft. „Es gibt erste Anhaltspunkte, dass Schmetterlinge und Bienen sterben, weil wir nicht sensibel mit der Natur umgehen“, sagt Prieske. Seiner Meinung nach gehören solche Dinge nicht in die Natur. Da müsse die Landwirtschaft umdenken. Aber er sei keiner, der die Arbeit der Landwirte verteufeln will. Sie müssen auch schauen, wie sie zurechtkommen, betont er. „Umdenken müssen wir alle, auch die Verbraucher, die preiswerte Lebensmittel kaufen möchten. “

Angesichts der zahlreichen Biberburgen an der Warnow und den angenagten Baumstämmen hat Jan Prieske eine klare Aussage: „Wir brauchen ein Biber-Management, um das Konfliktpotenzial zu minimieren. Die Biber gehören in diese Landschaft, wir müssen lernen, damit umzugehen.“

Aber der Kladower hat auch ein positives Beispiel parat, wie der Mensch der Natur hilft: Dank der Fischtreppen würden jetzt wieder die Seeforellen im Herbst von der Ostsee aufsteigen und auch unter der Brücke bei Kladow laichen und so für Nachwuchs sorgen. Freuen würde sich der Naturschutzwart, wenn sich der heimische Flusskrebs wieder stärker vermehrt. Prieske arbeitet einmal wöchentlich im Krebsgarten in Basthorst und hat daher einen Einblick in diese Materie. Der deutsche Edelkrebs ist vom Aussterben bedroht. Er wird von dem vor Jahrzehnten eingeschleppten und ausgesetzten amerikanischen Krebs verdrängt, der zugleich die Krebspest, eine Pilzkrankheit, verbreitet. Diese ist für den heimischen Edelkrebs tödlich. Deshalb begrüßt Prieske jede Maßnahme, die hilft, dass der Edelkrebs in Söllen oder Wasserlöchern wieder ausgesetzt wird. Bedauerlich hingegen findet er es, dass es immer weniger Schafe in der Landschaft gibt. „Sie haben früher auf abgeernteten Feldern und Wiesen geweidet und dabei auch Unkraut kurz gehalten statt es chemisch zu bekämpfen. Heute sind deutlich weniger Schafe auf den Flächen zu sehen.“

Obwohl Jan Prieske erst seit 1996 in Kladow wohnt – vorher war er mit seiner Familie in Schwerin zu Hause –, ist ihm das dörfliche Leben vertraut. „Ich war als Kind oft bei meiner Oma auf dem Lande.“ Als dann ein Grundstück in Kladow zu haben war, beschlossen Prieskes umzuziehen. Die Arbeit in Schwerin ist geblieben. Der 48-Jährige ist Nachrichtentechniker von Beruf, heute baut und entwickelt er in einer Schweriner Firma Maschinen für Objekt- bzw. Schrifterkennung.