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Ausländische Azubis in Schwerin Junge Europäer kommen und gehen

Von gest | 28.03.2018, 05:00 Uhr

Jugendliche aus südlichen Länder sind mit dem Programm Mobi Pro zur Ausbildung nach Schwerin gekommen

Cecilia Ymbernon Salva steht mit freundlichem Gesicht an der Rezeption des Hotels Speicher am Ziegelsee und beantwortet geduldig die Fragen der Gäste, gibt Tipps für den Aufenthalt in der Landeshauptstadt. Die Hotelfachfrau hat hier im Haus gelernt, wurde übernommen. Sie kommt aus Spanien, hat über Mobi Pro – das Sonderprogamm zur Förderung der beruflichen Mobilität von ausbildungsinteressierten Jugendlichen aus Europa – nach Schwerin gefunden. „Ich habe zu Hause Modedesign studiert, aber keinen Job gefunden“, erzählt die junge Frau. Sie machte deshalb zunächst ein Praktikum in Frankreich. Dann lasen ihre Eltern in der Zeitung, dass sich Jugendliche für eine Ausbildung in Deutschland melden können. Cecilia bewarb sich. Das war 2013. Bereut hat sie den Schritt nicht.

Hotelmanager Christian Petersen ist hochzufrieden mit „seiner Spanierin“. „Für uns war es richtig, an dem Programm teilgenommen zu haben. Die Spanier bringen eine gute Einstellung mit,“ sagt Petersen. Doch sonst sei da nicht viel. „Die Sprachkenntnisse sind mangelhaft. Wer hier ankommt, kann höchstens ein bisschen lesen.“ Dabei müssen die Spanier einen Deutschkurs in ihrer Heimat machen. „Bei uns arbeiten die jungen Leute deshalb nur vier Tage in der Woche. Einen Tag lernen sie Deutsch.“ Allerdings: Die Stammbelegschaft muss auch mitziehen. „Ich kann keinen Ausländer zum Chefkoch stellen und sagen: So, der hilft dir jetzt. Das funktioniert nicht. Alle müssen sich täglich um die jungen Leute kümmern. Inzwischen klappt das gut“, sagt Christian Petersen.

Das hat sich offenbar rumgesprochen. Sieben Azubis sind aktuell im Hotel am Ziegelsee beschäftigt. Fünf davon sind Spanier. „Die Nationalität spielt bei uns keine Rolle mehr“, sagt Petersen.

Betreut wurde Mobi Pro in Schwerin von der IHK. „Ich fand das Programm gut“, bekennt der Bereichsleiter Aus- und Weiterbildung, Peter Todt. Er reiste nach Spanien, warb um Lehrlinge. „Ausgangspunkt waren die fehlenden Fachkräfte in der Altenpflege der Awo“, erzählt er.

Schnell stellte sich heraus, dass ein 400-Stunden-Deutschkurs im Heimatland nicht ausreichte. Er wurde auf 600 Stunden erweitert. Dennoch: „Die Integration ausländischer Lehrlinge ist aufwändig“, weiß Todt heute. Und er weiß auch, dass die meisten Betriebe – gleich welcher Branche – das nicht leisten können oder wollen. Die Folge: Bis Ende Februar haben von 82 ausländischen Auszubildenden, die bei der IHK registriert waren, 42 gekündigt oder die Prüfungen nicht bestanden. 25 haben den Beruf oder das Unternehmen gewechselt.

Die Gründe sind vielfältig. Die Unternehmen haben sich nicht ausreichend gekümmert, die jungen Leute hatten Heimweh oder wenn ein Familienangehöriger krank wurde, mussten die Jugendlichen zurück in die Heimat. Das soziale Netzt ist beispielsweise in Spanien nicht so eng geknüpft, wie in Deutschland.

Aber dass das mit viel Enthusiasmus gestartete Programm Mobi Pro deshalb gescheitert ist, sieht Peter Todt nicht so. Er räumt jedoch ein: „Das Programm hat nicht die Ergebnisse gebracht, die wir uns gewünscht haben.“

Cecilia Ymbernon Salva jedoch möchte in Deutschland bleiben. Auch wenn ihre Eltern Sehsucht haben. „Aber sie sind auch stolz auf mich“, sagt die Spanierin. Und sie hat noch eine weitere Aufgabe im Hotel Speicher am Ziegelsee übernommen. Sie kümmert sich um die ausländischen Azubis. „Ich bin die Mama für alle.“