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Überschuldet Jeder fünfte Privathaushalt steckt in den Miesen

Von juno | 07.02.2014, 15:00 Uhr

Schweriner Beratungsstelle „Lichtblick“ beklagt leichtfertiges Konsumverhalten vieler Bürger und bietet Hilfe

In der Landeshauptstadt schreibt nicht nur die öffentliche Hand rote Zahlen, auch viele Bürger stehen zum Teil tief in der Kreide. Nach Berechnungen der Schuldnerberatungsstelle „Lichtblick“ ist jeder fünfte private Haushalt in Schwerin überschuldet. In der Regel seien es kritische Lebensereignisse wie Scheidung, Krankheit oder Jobverlust, die zusammengenommen zu einer Überschuldung führten, sagte der Leiter der Beratungsstelle, Siegfried Jürgensen, am Donnerstag bei der Vorstellung des Jahresberichtes. Als häufigste Einzelursache für eine Ebbe im Portmonee nannte er „nicht angepasstes Konsumverhalten“, das fortgesetzte Leben über die eigenen Einkommensverhältnisse hinaus.

Nach Angaben von Jürgensen gilt Schwerin mittlerweile als die Kommune mit der höchsten Schuldnerquote in Mecklenburg-Vorpommern und zählt auch im Bundesvergleich zu den kreisfreien Städten mit den ausgeprägtesten Quoten privater Verschuldung. Für den „Lichtblick“-Leiter kommt diese alarmierende Entwicklung nicht überraschend: „Schwerin liegt bei den Sozialausgaben rund 40 Prozent über dem Landesdurchschnitt“, erklärte er. Es sei also kein Geheimnis, dass viele Haushalte in der Stadt über ein dauerhaft niedriges Einkommen verfügten und Gefahr liefen, in eine finanzielle Schieflage zu geraten. Außerdem gäbe es in der Landeshauptstadt einen hohen Anteil an Alleinstehenden und Alleinerziehenden, die statistisch ein stärkeres Armutsrisiko aufwiesen als andere Bevölkerungsgruppen, so Jürgensen.

Insgesamt 758 Klienten haben die vier Mitarbeiter der Beratungsstelle des Diakoniewerks „Neues Ufer“ im vergangenen Jahr betreut. Hinzu kamen noch 712 Kurzberatungen. Knapp die Hälfte der Ratsuchenden sei erwerbslos gewesen, schilderte Jürgensen. „Unter Einbeziehung der Empfänger von Renten und Grundsicherungsleistungen betrug deren Anteil sogar 62 Prozent.“ Tatsächlich suchten immer häufiger auch ältere Bürger die Beratungsstelle in der Steinstraße auf, so der Leiter.

Durch die Reform des Insolvenzrechts kämen auf die Schuldnerberatungsstellen neue Aufgaben zu, kündigte Jürgensen an. „Leider wurde vom Gesetzgeber wie bereits bei der Einführung des Pfändungsschutzkontos aber versäumt, auch eine Finanzierung dieser Leistungen sicherzustellen.“ So stünden jedenfalls in der Beratungsstelle „Lichtblick“ zum jetzigen Zeitpunkt keine Kapazitäten für eine Erweiterung des Mandats im Insolvenzverfahren zur Verfügung. Im Gegenteil: In diesem Jahr werde es voraussichtlich zu einer Reduzierung der öffentlichen Förderung der Schuldner- und Insolvenzberatung in Schwerin kommen, sagte der „Lichtblick“-Chef. Schuld sei die laut Mikrozensus gesunkene Einwohnerzahl der Landeshauptstadt.

Jürgensen hofft allerdings noch auf ein Einsehen der Politik: „Angesichts der unverändert hohen Überschuldungsproblematik in Schwerin macht ein Abbau der Kapazitäten in der Schuldnerberatung keinen Sinn“, betonte er. Das Hilfsangebot für Betroffene einzuschränken, ignoriere den bestehenden Bedarf und lasse zu, dass sich die Probleme vieler hilfebedürftiger Haushalte weiter verschärften. „Am Ende würde sich eine solche Entwicklung auch in finanzieller Hinsicht als ein Bumerang für die Haushalte der Stadt und des Landes erweisen“, so der Beratungsstellen-Leiter.