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Zum Lachen und Nachdenken Im E-Werk sind die Kühe los

Von abeh | 28.04.2015, 12:00 Uhr

Freiheit, Massenmedien und Herdenmanagementsysteme: Das satirische Theaterstück „Yellow Line“ feierte eine überragende Premiere

Es ist dunkel. Auf der Bühne tauchen sieben junge Schweriner auf. Alle schwarz gekleidet. Alle tragen Kuh-Köpfe. Was sie repräsentieren? Den deutschen Einheitsbrei. Das Volk als muhende Herde. Der Jugend-Theater-Club des Mecklenburgischen Staatstheaters feierte mit dem Stück „Yellow Line“ Premiere.

Bis auf ein paar wenige freie Plätze war das E-Werk ausverkauft. Mit hohen Erwartungen an das politsch-satirische Theaterstück von Juli Zeh und Charlotte Roos saßen die Zuschauer gebannt da. Und es sollte sich lohnen. Die sechs jungen Frauen und ein Mann begannen das Stück mit einem aktuellen Hinweis auf die Flüchtlingssituation in Libyen. Ein überspitzter Vergleich einer Pauschalreise, die man für jeden Flüchtling buchen könne, brachte die Schweriner zum Schmunzeln: „Für 220 Euro pro Person und Woche wären alle Probleme gelöst. Warum ist da eigentlich noch keiner drauf gekommen?“

Auch die Einzäunung Europas, die ein zentraler Beitrag zum Migrationsmanagement wäre, kam zur Sprache. Denn das wäre doch vielleicht die beste Möglichkeit, um Flüchtlinge auszusperren. „Man kann nicht aussperren, aussperren ist immer eine Lüge. Man kann nur einsperren und wir sind hier eingesperrt“, sagte eine der Kühe.

Immer wieder folgten Vergleiche mit einer Kuhherde, die durch ein Herdenmanagementsystem organisiert werden könne. Die Deutschen als Tier. Nicht selbstbestimmt sondern fremd gelenkt. Und auch der deutsche Antreiber fehlte nicht. Denn in Deutschland werde gearbeitet. Schneller, besser und natürlich ohne nachzudenken. Jeder Anweisung werde einfach Folge geleistet.

Dazu wird das Volk einer völligen Reizüberflutung ausgesetzt. Eine Fülle an Nachrichten aus aller Welt. Sie werden kurz hochgeputscht. Dann wird es wieder still um ein Thema. „Ich kann es nicht mehr hören: Empört Euch, engagiert euch. Was wollen die denn alle? Bis vor kurzem war Empörung noch eine Floskel von Politikern, die im Fernsehen rüberbringen wollen, dass sie besonders emphatisch sind und dennoch nichts tun werden. Ich will mich nicht empören, weder auf Facebook noch sonst wo“. heißt im Stück.

Fazit: Ein wirklich großartiges Stück. Mit viel Witz und Satire schaffen die Jugendlichen, was manch einem Erwachsenen nicht gelingen mag: Politische Themen zielgenau anvisieren und zum Nachdenken anregen. Ein Stück, was jeder Schweriner gesehen haben sollte.