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Schwerin Hauptausschuss sucht Rettungsanker

Von Bert Schüttpelz | 20.03.2012, 09:04 Uhr

Begleitet von massiven Protesten in der Stadt gegen die geplanten Sparmaßnahmen am Theater hat der Hauptausschuss der Stadtvertretung gestern Abend eine Entscheidung über das vorliegende Sanierungskonzept für das Mecklenburgische Staatstheater mit dem Abbau von 79 Stellen auf Montag vertagt.

Zunächst soll das Votum des Kultur- sowie des Wirtschaftsausschusses abgewartet werden. Beide Gremien wollen sich erst nach Sondersitzungen am Donnerstag abschließend äußern. Auch der Aufsichtsrat der gemeinnützigen Theater GmbH will sich erst am Freitag in einer außerordentlichen Tagung festlegen.

Die Kommunalpolitiker wollen auf der Sondersitzung des Hauptausschusses am 26. März unmittelbar vor der Tagung der Stadtvertretung aber auch über einen so genannten Ersetzungsantrag verhandeln, den die CDU/FDP-Fraktion als Alternative zum Streichkonzept vorgelegt hat, das sie ablehnt. Der Beschlussentwurf sieht Übergangsregelungen vor, mit denen einerseits die Insolvenzgefahr abgewendet und andererseits der massive Kulturabbau verhindert werden soll.

Kernpunkte des Papiers sind die Wiederaufnahme der Gespräche mit dem Land, mit den Umlandkreisen und mit den Gewerkschaften, um zukunftsfähige Lösungen für das Theater zu finden, mit denen sowohl die Leistungsfähigkeit der Bühne als "Leuchtturm" der Kulturlandschaft mit überregionaler Ausstrahlung gesichert als auch Spar potenziale erschlossen werden können. Im Einzelnen geht es um die Ausgliederung der Staatskapelle in eine Mecklenburger Orchester-Holding gemeinsam mit dem Rostocker Klangkörper, die Überführung der Fritz-Reuter-Bühne in Vereins- oder Landesträgerschaft und den Erhalt der Schlossfestspiele durch Ausgliederung und Sonderfinanzierung.

CDU-Fraktionsvorsitzender Sebastian Ehlers, der den neuen Antrag eingebracht hatte, kritisierte darin zudem, dass Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow und die Geschäftsführung des Theaters keine eigenen Alternativvorschläge zum Sanierungskonzept der Wirtschaftsprüfgesellschaft Wikon vorgelegt hätten.

Gerd Böttger, Vorsitzender der Fraktion der Linken in der Stadtvertretung, verkündete im Hauptausschuss die einstimmige Ablehnung des Sanierungskonzepts durch seine Fraktion. Begründung: "Wir werden nicht im vorauseilenden Gehorsam dazu beitragen, 79 Stellen am Theater abzubauen und einen Kulturabbau mit irreparablen Folgen zu verantworten. Wir sehen den Landtag und die Landesregierung in der Pflicht, die Theater und Orchester auskömmlich finanziell auszustatten. Es wird höchste Zeit, dass Ministerpräsident Erwin Sellering das Theaterthema zur Chefsache macht und nicht tatenlos zusieht, wie sich Mecklenburg-Vorpommern in ganz Deutschland zur traurigen Lachnummer macht", so Böttger.

Unterdessen nehmen die Proteste in Schwerin gegen die Kürzungspläne immer größeren Umfang an. Gestern demonstrierten etwa 300 Theaterfreunde, darunter die bündnisgrüne Landtagsvizepräsidentin Silke Gajek, zahlreiche Schüler des Pädagogiums und Kinder der Kitas Rappelkiste und Löwenzahn, vor der Staatskanzlei für den Erhalt des Puppentheaters und gegen die Sparvorschläge. Mehrere Minister, die aus der Kabinettssitzung kamen, solidarisierten sich mit ihnen. Landwirtschaftsminister Till Backhaus erklärte im Gespräch mit den Demonstranten: "Ohne Kultur kann unser Land nicht leben, sie ist für mich ein Lebensmittel. Das Schweriner Theater ist von überregionaler Bedeutung und muss als Haus mit hoher künstlerischer Qualität erhalten bleiben." Arbeits- und Sozialministerin Manuela Schwesig betonte: "Das Mecklenburgische Staatstheater ist ein Kultur-Leuchtturm und von besonderer Bedeutung für das Land. Ich bin überzeugt, dass bei Gesprächen aller Beteiligten an einem Runden Tisch eine Lösung gefunden werden kann, um dieses Theater zu retten."