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Schwerin Kirche unterstützt Moschee-Pläne

Von Christian Koepke | 08.03.2019, 20:00 Uhr

Grundrecht auf Religionsausübung: Christen stärken Islamischem Bund in Schwerin den Rücken

Im Streit um eine neue Moschee in Schwerin hat sich jetzt die Kirche zu Wort gemeldet – und klar Position bezogen. „So wie wir als Christinnen und Christen unsere Kirchen haben, sollen Muslimeninnen und Muslime, wenn sie dies wünschen, in Schwerin einen öffentlichen Ort haben, an dem sie sich zum Gebet versammeln können. Wir fordern die Stadtvertreterinnen und Stadtvertreter dazu, mit dafür Sorge zu tragen, dass dies in Schwerin an einem angemessenen Ort möglich ist und in guter Nachbarschaft zu den Menschen vor Ort geschehen kann“, heißt es in einer Erklärung der Regionalkonferenz der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinden in Schwerin, die mit der katholischen Pfarrgemeinde St. Anna abgesprochen ist.

Recht auf Religionsausübung

Das Grundrecht auf Religionsausübung gelte für alle Menschen, betonte Regionalpastorin und Dompredigerin Ariane Baier, die die Erklärung gestern gemeinsam mit den Schweriner Pastoren Klaus Kuske und Konstanze Helmers vorstellte. Die Kirche stärkt damit dem Islamischen Bund den Rücken, der in der ehemaligen Kaufhalle in der Otto-von-Guericke-Straße im Mueßer Holz eine Begegnungsstätte und einen Gebetsraum einrichten möchte.

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Mohamed Dib Khanji, Vorsitzender des Islamischen Bundes, dankte für die Solidarität. Dass die Pläne für eine Moschee in einem demokratischen Land wie der Bundesrepublik so heftige Diskussionen auslösen würden, habe er nicht vorhergesehen, sagte Khanji. Seit mehr als 50 Jahren lebe er nun in Deutschland, und auch den Islamischen Bund gäbe es inzwischen länger als etwa die AfD.

Mehr als 5000 Unterschriften gegen Moschee-Pläne

Rund 5500 Unterschriften hat die AfD gesammelt, um ein Bürgerbegehren „Kein Verkauf eines stadteigenen Grundstücks an den Islamischen Bund Schwerin“ auf den Weg zu bringen. Nach Angaben von Stadtsprecherin Michaela Christen ist das Bürgerbegehren gestern auch formell von der AfD beantragt worden. Derzeit werde die Gültigkeit der Unterschriften geprüft.

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Von der ursprünglichen Idee, dem Islamischen Bund das Grundstück in der Otto-von-Guericke-Straße zu verkaufen, ist die Stadtverwaltung mittlerweile abgerückt. Die Rede ist nun von einem Erbpachtvertrag. Im Bauausschuss habe dieser Vorschlag auch schon Zustimmung gefunden, sagte Stadtsprecherin Christen. Das letzte Wort spreche die Stadtvertretung voraussichtlich im April.

Pastorin Konstanze Helmers kritisierte bei der Vorstellung der kirchlichen Erklärung das Verhalten der CDU, die sich jetzt auch gegen die Ansiedlung einer Moschee im Mueßer Holz gewandt und mit einer Verstärkung der Segregation argumentiert hatte. Von einer Partei, die das C im Namen führe, erwarte sie sich ein anderes Signal, sagte Helmers.

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Mit ihrer Erklärung setzen die Kirchen ein richtiges Signal gegen das allgemeine Zurückrudern in der Moschee-Frage. Fast könnte man sich an das Motto „Versöhnen statt spalten“ des ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau erinnert fühlen, der für seine Bibelfestigkeit bekannt war. Ja, wer es mit der Integration in Schwerin ernst meint, der muss den Muslimen einen angemessenen Ort für ihre Religionsausübung geben – und er sollte die Chancen nutzen, die ein neues Begegnungszentrum bieten kann.