Ein Angebot des medienhaus nord
Ein Artikel der Redaktion

Schwerin Groko-Läuten in der Disko

Von Udo Roll/ Frank Pfaff | 23.02.2018, 20:45 Uhr

In der Landeshauptstadt trommelt die SPD-Landesspitze für die Große Koalition. Auch Gegner sind mit dabei.

Den Brief mit der Stimmkarte zur Groko-Frage hat der SPD-Genosse Heinz Gohsmann aus Boizenburg schon abgeschickt. Er habe nicht lange überlegen müssen, an welcher Stelle er das Kreuz machen müsse, sagt der 80-Jährige aus Boizenburg. Er hat seine Wahl getroffen. Zur zweiten Regionalkonferenz der SPD nach Schwerin ist er am Freitagabend trotzdem gefahren. „Aus Interesse. Die Argumente beider Seiten kann man sich ja trotzdem anhören“, sagt Gohsmann.

Die SPD-Landesspitze in Mecklenburg-Vorpommern tut alles, um schwankende Mitglieder für ein Ja zum Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD im Bund zu gewinnen. Einen Tag nach der Mitgliederkonferenz für Vorpommern in Greifswald wird bei einem Treffen in der Landeshauptstadt noch einmal das Für und Wider der Regierungsbeteiligung diskutiert.

Etwa 150 SPD-Mitglieder aus Mecklenburg sind der Einladung in eine Diskothek gefolgt. SPD-Landeschefin Manuela Schwesig steht nach eigenen Worten hinter dem Koalitionsvertrag, der klar die Handschrift der SPD trage. Trotz der auch in Greifswald laut gewordenen Kritik zeigt sie sich weiterhin zuversichtlich, dass der Vertrag beim laufenden Mitgliederentscheid eine Mehrheit findet. Für ein erneutes Regierungsbündnis mit der CDU wird an diesem Abend der SPD-Bundestagsabgeordnete Frank Junge werben. Sein Credo der vergangenen Tage: Der Koalitionsvertrag „trage klar unsere sozialdemokratische Handschrift.“

Für die Gegner der Großen Koalition darf Juso-Landeschef Christian Winter sprechen. Für ihn ist der ausgehandelte Koalitionsvertrag lediglich „Stückwerk und ein Stillhalteabkommen.“ „Große Herausforderungen wie Digitalisierung, tiefgreifende Rentenreform und Klimaschutz wurden alle aufgeschoben“, kritisiert Winter. 10 Minuten Redezeit bekommt jeder der beiden. Danach dürfen die Zuhörer Fragen stellen. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit. „Damit sich auch schüchterne Mitglieder zu Wort melden“, sagt SPD-Landesgeschäftsführer Steffen Wehner.

Heinz Gohsmann spricht offen über seine Wahlentscheidung. Er hat für die Groko gestimmt. Die SPD müsse Verantwortung übernehmen, sagt er. „In der Opposition erreicht man doch nichts“, stellt er klar.

Die Opposition sitzt nur vier Stühle weiter: Die zwei Senioren aus Neustadt-Glewe sind gegen eine Große Koalition. „Wir sind doch eine Arbeiterpartei“, sagt der 91-Jährige und „fordert eine konsequente Haltung“ von seiner Partei. Die SPD müsse wieder Visionen entwickeln und dürfe nicht als Anhängsel der CDU fungieren, findet sein Sitznachbar.

Aktuell gibt es aber auch noch zahlreiche Unentschlossene unter den rund 3200 SPD-Mitgliedern im Nordosten. Einige wollen die Konferenz an diesem Freitagabend noch abwarten und dann erst das Kreuz auf der Stimmkarte setzen. Heinz Gohsmann glaubt indes bereits, dass die Große Koalition kommen wird. „Die Befürworter liegen einen Hauch vorne“, glaubt er. Am 4. März wird er es genau wissen.