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Neue Ideen Goethestraße: Totes Pflaster wird lebendiger Kiez

Von JUNO | 21.02.2014, 15:00 Uhr

Straßenzug macht die Wirkung von Städtebauförderung sichtbar

In der Goethestraße steckt richtig viel Leben – zumindest in dem kurzen Abschnitt zwischen Marienplatz und Geschwister-Scholl-Straße. Dahinter wirkt das Pflaster merklich stiller, in den Abendstunden fast ausgestorben, nur die Straßenbahn rattert regelmäßig über die Schienen. Links und rechts erheben sich zu Großteilen verlassene Gebäude und lassen die Goethestraße in der winterlichen Dämmerung noch etwas entrückter wirken. Das Ordnungsamt ist in diesem Abschnitt öfter unterwegs und ermahnt Hauseigentümer, weil offene Kellerlichtschächte und wackelige Schornsteinköpfe die Sicherheit der Passanten gefährden. „Aber viel mehr Einfluss auf den Zustand der Gebäude und das Leben in diesem Teil der Straße haben wir als Stadt nicht“, sagt Andreas Thiele, Abteilungsleiter für Stadtentwicklung und Stadtplanung.

So hängt das „Zu verkaufen“-Schild seit Monaten am saniert wirkenden Gebäude direkt hinter dem von der Stadt aufwändig erneuerten, historischen Toilettenhäuschen. Schräg gegenüber dämmert das ehemalige Erotik-Etablissement still vor sich hin. Prostituierte gebe es in der Goethestraße auch nicht mehr als irgendwo anders in der Stadt, berichtet Thiele. „So genannte Model-Wohnungen verteilen sich über das gesamte Stadtgebiet.“ Das sei doch allgemein bekannt. An der 61 hängt noch ein Schild „Lederwaren Marquardt“, darunter hat jemand einen Penis in den Dreck an der Scheibe gemalt. Bis zur Heinrich-Mann-Straße reihen sich Geschäfte aneinander, regelmäßig unterbrochen von leeren Läden und vereinzelten Baulücken. Klar, habe die Stadt die Möglichkeit, Häuser als „Schrottimmobilien“ auszuweisen, so Thiele. Der Begriff sei amtlich und bei Bauämtern im Moment in Mode. Das ist ein Instrument gegen die rechtliche Hilflosigkeit der Kommunen, um verwahrlosende Viertel in den Griff zu bekommen. Es erlaubt der Stadt, baufällige Immobilien ohne die Einwilligung der Eigentümer zurückzubauen, also abzureißen. „Das haben wir in Schwerin aber noch nie angewendet“, erklärt der Abteilungsleiter. „Es handelt sich um ein stumpfes Schwert, denn die Abrisskosten müsste die Stadt zahlen. Und dass die kein Geld hat, ist ein offenes Geheimnis.“

Allerdings gibt es für Städte auch wirksame Waffen: die Ausweisung von Sanierungsgebieten. „Damit waren wir sehr erfolgreich“, so Thiele weiter. Strahlendes Beispiel dafür sei auch die Goethestraße. Hinter der Heinrich-Mann-Straße wandelt sich das Bild des zuvor eher grau wirkenden Straßenzuges. Helle Fassaden prägen das Straßenbild bis hinunter zum Platz der Jugend. Es ist das als abgeschlossen geltende Sanierungsgebiet der Feldstadt. Fördergeld und Konzepte unterstützten Stadt und Privateigentümer bei der Sanierung ganzer Straßenzüge. Die Goethestraße gilt in der Verwaltung auch als Fallbeispiel, wo die Wirkung von Sanierungsgebieten sichtbar wird, wie Thiele feststellt. Die 21, 23 und 25 gelten noch als Sanierungsfall – aber auch da werde sich mit etwas Glück bald etwas bewegen.